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Sternsinger in Kempen ausgesendet

Aussendung in Kempen : Sternsinger ziehen von Haus zu Haus

In der Propsteikirche wurden Kempener Kinder und ihre Begleiter mit Segenswünschen auf den Weg geschickt.

In Kreide steht es nun auf der dunklen Metalleinfassung über der gläsernen Doppeleingangstür des Kempener Rathauses am Buttermarkt: 20*C+M+B*20. Es ist traditionsgemäß dieses Gebäude, das den ersten Segen der Sternsinger empfängt, „damit von dort ein guter Geist ausgehen möge für die ganze Stadt“, wie es Propst Thomas Eicker formulierte.

Traditionsgemäß überreichte Vize-Bürgermeister Otto Birkmann für die Stadt auch die erste Spende für die Sternsingeraktion. Diese verteilte der Propst nach dem Aussendungsgottesdienst am Samstagvormittag in St. Marien an die Vertreterinnen der drei Kempener Gemeinden. Denn seit vielen Jahren unterstützen St. Marien, Christ-König und St. Josef ihre jeweils eigenen Hilfsprojekte mit den bei der Sternsingeraktion gesammelten Geldern. Von den Spenden im Bezirk von St. Josef werden die Missionsstation der Oblaten-Gemeinschaft in Okatana/Namibia und das Aids-Beratungszentrum Tonateni in Oshakati unterstützt. Vor allem mit den Spenden aus Kempen wird die Finanzierung einer Suppenküche sichergestellt, in der rund 300 Aids-Waisen versorgt werden. Die Sternsinger in St. Marien sammeln für das Patenschaftsprojekt „Centro Thomas a Kempis“ in Pedro II, Brasilien. Das öffentliche Schulsystem ist dort schlecht. Mit den Spenden wird Kindern der in Armut lebenden Landarbeiter und Kleinbauernfamilien der Besuch einer Ganztagsschule ermöglicht. Die Sternsinger in Christ-König sammeln für das Kinderhaus Árbol de la Esperanza in Quito/Ecuador. Das Kinderhaus, das die gebürtige Kempenerin Angela Aretz leitet, bietet misshandelten Jungen eine Heimat und Betreuung bis zum Einstieg ins Berufsleben.

Rund 120 Kinder sind bis 4. Januar in den Straßen Kempens unterwegs. Die ganz genaue Zahl weiß auch Pfarrer Eicker nicht, denn die Gemeinden organisieren sich hierin dank vieler Ehrenamtler weitgehend selbstständig. Die Spendenbereitschaft der Kempener ist hoch, sogar leicht steigend. Im vorigen Jahr kamen rund 21.000 Euro zusammen. Doch das Engagement ist in den Kempener Stadtteilen durchaus unterschiedlich. Im Gebiet von Christ-König im Hagelkreuz konnten erneut nicht alle Straßenzüge besetzt werden. Die neuen Sternsinger rekrutieren sich vielfach aus den Kommunionkindergruppen. „Doch das ist schon mühsam“, sagt Eicker. Da sei die Überzeugungsarbeit der Eltern gefragt. „Wenn die Kinder aber einmal dabei sind, dann sind sie motiviert“, so seine Erfahrung.

So wie bei den Freundinnen Annika Schmitz (14) und Nina Jurado (15). Sie wissen nicht, wie lange sie schon bei der Sternsingeraktion mitmachen. „Seit vier oder fünf Jahren“, schätzen sie. Seit einiger Zeit macht auch Annikas Bruder Arne (9) mit. Die kleine Gruppe ist gemeinsam mit Oma Erika mindestens an drei Tagen im Gebiet von St. Marien unterwegs. Und das nicht ohne Ehrgeiz. „Beim letzten Mal haben wir 500 Euro gesammelt, das wollen wir übertreffen“, erzählen die Mädchen.

Auch Lea (7) und Stella (8) werden von ihren beiden Omas Gisela Kadagies und Marlis Estevau begleitet. Die Klassenkameradinnen der Astrid-Lindgren-Schule sind zum ersten Mal unterwegs. Lea mit einer goldenen Krone und Stella mit einem orientalisch anmutenden Turban. „Wir sollen armen Kindern helfen“, sagt Lea. Ein Engagement, das beide Großmütter ausdrücklich unterstützen und gut heißen.

Die katholische Aktion „Dreikönigssingen“ ist die größte Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder weltweit. Seit Beginn im Jahr 1959 haben die Sternsinger insgesamt eine Milliarde Euro gesammelt. Allein bei der Aktion 2019 kamen mehr als 50 Millionen Euro an Spenden zusammen. Die aktuelle Sternsingeraktion 2020 stellt das Thema Frieden am Beispiel des Libanon in den Mittelpunkt.