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Bäckereien im Ostkreis Viersen kritisieren neues Kassengesetz

Bon-Pflicht : Bäcker in der Region kritisieren das neue Kassengesetz

Mit Schrecken sehen die Bäcker dem neuen Kassengesetz entgegen. Der Tenor ist eindeutig. In dem verpflichtenden Ausdrucken des Bons sehen alle keinen Sinn, sondern nur eine Flut von unnötigem Müll sowie zusätzlicher Arbeit und Kosten.

Mit dem 1. Januar greift das neue Kassengesetz. Es bringt eine Belegausgabepflicht mit sich. Wer sich demnächst ein Brötchen kauft, erhält dazu einen Kassenbon, ob er will oder nicht. Hintergrund: Das neue Gesetz soll mehr Schutz vor Manipulation an so genannten digitalen Grundaufzeichnungen bieten.

„Wir haben viel Geld in neue Kassen investiert, die jeden Bon elektronisch abspeichern. Alles ist für das Finanzamt elektronisch gesichert. Es kann alles zu 100 Prozent kontrolliert werden. Warum werden wir jetzt verpflichtet, jeden Bon auszudrucken?“, fragt nicht nur Bäckermeister Stefan Steeg aus St. Tönis. Er sieht darin eine enorme Umweltbelastung, zumal jeder Bon auf speziellem Thermopapier ausgedruckt werden muss. Eine teure und umweltschädlichere Variante. „Wir fragen unsere Kunden generell, ob sie einen Bon haben möchten. Das Gros lehnt dankend ab. Wer ihn haben möchte, bekommt ihn ausgedruckt. Nun müssen wir Hunderte von Bons pro Tag ausdrucken, obwohl sie nicht benötigt werden“, sagt Steeg. In seinen Geschäften wird er Tüten aufhängen, in die nicht gewünschte Bons kommen, um dann entsorgt zu werden.

„Wir werden säckeweise Papier haben, das wir entsorgen müssen“, meint auch Günter van Densen aus St. Tönis. Er sieht darin eine Umweltverschmutzung, die nicht nötig wäre. Das neue Gesetz sorge nur für einen unnötigen zusätzlichen Aufwand sowie zusätzliche Kosten. Aus langjähriger Erfahrung weiß van Densen, dass rund ein Drittel der Kunden einen Bon haben möchte, oftmals, weil die Kunden für andere einkaufen und daher einen Beleg brauchen. Diesem Wunsch ist man bis jetzt problemlos nachgekommen.

„Diese doppelte Dokumentationspflicht ist überflüssig. Der Mehraufwand ist immens. Entsprechende Kassen müssen angeschafft werden, wobei wir ausgerechnet haben, dass pro Kasse rund 6500 Euro Mehrkosten pro Jahr auf uns zukommen. Was das für einen mittelständischen Bäckereibetrieb heißt, darüber macht sich keiner Gedanken“, sagt Katja Amberg vom Café am Ring in Kempen. Sie erinnert daran, dass der Mittelstand für den Staat mit das meiste Geld erwirtschaftet und zudem viele Arbeitsplätze schafft. Und genau dieser Mittelstand wird in ihren Augen immer wieder mit neuen Gesetzen bestraft. „Die zunehmende Bürokratie sorgt dafür, dass wir die Freude an unserer Arbeit verlieren. Es ist kein Wunder, dass so viele Bäckereien aufgeben“, sagt sie.

Dem kann sich der Grefrather Bäckermeister Hardy Kreutschmann nur anschließen. „Wir erfahren, bedingt durch das, was wir alles dokumentieren müssen, ein Dauermisstrauen. Das ist kein schönes Gefühl. Diese Bürokratie nimmt uns zudem die Zeit von unserer eigentlichen Arbeit“, sagt Kreutschmann. Was die Bäcker bedauern, ist die Tatsache, dass ihre Fachverbände nicht vorab mit ins Boot genommen worden seien.