Borussia Mönchengladbach trifft in der Bundesliga immer

Seit 17 Spielen nie ohne Tor: Die Borussia trifft in der Bundesliga immer

Gladbach hat im ersten Saisondrittel in jedem Spiel mindestens einmal getroffen. Das ist durchaus außergewöhnlich, wie ein Blick in die Vereinshistorie zeigt. Zudem ist die Tor-Serie ein Garant des momentanen Erfolges.

Es gab einen Aspekt an Borussias 3:1-Erfolg in Bremen, der Max Eberl besonders gefiel. „Wir haben das Gegentor verkraftet und sind anschließend wieder stabil geworden. Das ist für mich ein Schritt in die richtige Richtung“, sagte Gladbachs Sportdirektor, der einst selbst Verteidiger war. Eberls Betonung auf die Stabilität als Erfolgsfaktor schloss ein Lob für die Offensivleistung aber nicht aus, wie folgender Nebensatz verdeutlichte: „Dass wir Tore schießen können, das haben wir schon häufiger bewiesen.“

Wohl wahr: Denn Borussia trifft in der laufenden Bundesligaspielzeit immer, saisonübergreifend sogar in den vergangenen 17 Begegnungen – womit Gladbach aktuell die längste Tor-Serie der Liga aufweist. Und vereinsintern gab es auch nur fünf längere Serien, die letzte – mit 22 Spielen – liegt bereits 33 Jahre zurück. Und der Rekord von 27 Spielen in Folge mit einem Treffer stammt aus der Spielzeit 1977/78.

In den ersten elf Saisonspielen einer Spielzeit immer mindestens ein Tor erzielt zu haben, mag bei einem Verein wie Mönchengladbach, der bereits in der Bundesliga-Anfängen den Beinamen „Torfabrik“ erhielt und diesen in den folgenden zwei Jahrzehnten auch zu Recht trug, nichts allzu Außergewöhnliches sein. Ist es aber. Denn in ihren 50 Bundesliga-Spielzeiten zuvor schaffte es Borussia gerade einmal, im ersten Saisondrittel in keinem Spiel leer auszugehen: Im Meisterjahr 1974/75 gab es am 24. Spieltag ein 0:0, es war das einzige Saisonspiel, in dem die Gladbacher Offensive um ihren Dreiersturm Jupp Heynckes, Allan Simonsen und Henning Jensen nicht traf. Jetzt machten es ihnen ihre Nachfolger Alassane Plea, Thorgan Hazard und Co. nach.

Nun ist eine gute Offensive nicht zwangsläufig ein Garant für Erfolg. So blieb beispielsweise Borussia in der Saison 1998/99 nur einmal im ersten Saisondrittel torlos, hatte aber trotzdem nur fünf Punkte auf dem Konto und stieg am Ende auch sang- und klanglos ab. Zudem finden sich in der Gladbacher Bundesliga-Historie gute Beispiele für das ungeschriebene Gesetz, dass die Offensive zwar Spiele, die Defensive aber Titel gewinnt.

So machte Borussia den entscheidenden Schritt Richtung erster Meisterschaft, indem sie sich in der Defensive mit Klaus-Dieter Sieloff und Luggi Müller verstärkte und prompt 1969/70 nur 29 Gegentore kassierte. Ein Wert, der erst unter Trainer Lucien Favre zweimal gebrochen wurde: 2011/12 waren es nur 24, 2014/15 nur 26 Gegentore – nicht zufällig waren es die erfolgreichsten Gladbacher Jahre der Neuzeit mit der höchsten Punkteausbeute (60 bzw. 66 Zähler) und den besten Platzierungen (Vierter und Dritter). Gerade 2011/12 fiel es angesichts von 15 Spielen ohne Gegentor nicht groß ins Gewicht, dass Favres Team auch zehnmal ohne eigenen Treffer blieb.

Doch es gibt ebenso gute Gegenbeispiele, dass eine durchschlagskräftige Offensive auch auf Strecke Erfolg bringen kann. Da wäre nicht nur die Spielzeit 74/75, in der Gladbach in 33 von 34 Spielen traf. Auch die Spielzeit 1977/78, die mit dem 12:0-Rekordsieg gegen Borussia Dortmund endete, stand im Zeichen der Gladbacher Offensivwucht. Der Vizemeister brachte damals nur zweimal auswärts eine Nullnummer zustande. Und als André Schubert vor drei Jahren Favre beerbte, wählte er einen sehr offensivfreudigen Ansatz. Ganz nach dem Motto „Lieber 5:3 als 1:0 gewinnen“ stürmte Gladbach nach dem Fehlstart von fünf Niederlagen zum Auftakt noch in die Champions-League-Qualifikation.

Die aktuelle Erfolgsbilanz der Mannschaft um Trainer Dieter Hecking speist sich sowohl aus einer ordentlichen Defensive (Gladbach blieb bereits viermal ohne Gegentor) und einer starken Angriffsleistung. Mehr als 26 Tore nach elf Spieltagen hatte der Klub zuletzt 1984/85 zu bieten (32 Treffer). Hoffnung, dass diese Offensivwucht bestehen bleibt, macht nicht zuletzt der Umstand, dass Gladbach trotz eines perfekt eingeschlagenen Sommer-Zugangs Alassane Plea nicht von einem Angreifer abhängig ist.

Dass in Plea, Hazard und Jonas Hofmann bereits nach zehn Spielen drei Borussen auf mindestens fünf Saisontore kamen, hatte es zuvor erst dreimal gegeben. Und angesichts der Tatsache, dass die etatmäßigen Spitzen der vergangenen drei Jahre, Lars Stindl und Raffael, aufgrund ihrer langwierigen Verletzungen selbst noch nicht groß als Torjäger in Erscheinung getreten sind, ist es nicht unwahrscheinlich, dass die stürmischen Zeiten bei Borussia so schnell nicht vergehen – und die Offensive 2018/19 der Erfolgsgarant der Mannschaft bleibt.

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