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Borussia Mönchengladbach: Heckings Systemwechsel fruchtet

Hecking setzte das Signal zur Offensive : 4-3-3 ist Borussias Erfolgsformel

Mit dem Systemwechsel gab Trainer Dieter Hecking das Signal zur Offensive. Die neue Formation steht für Veränderung, Mut und Angriffslust. Es ist das Comeback der Torfabrik.

Borussias Erfolgsformel der Hinrunde ist die Zahlenkombination 4-3-3. Sie steht für Veränderung, Mut und Offensivgeist. Trainer Dieter Hecking hat das Spielsystem, das die Zahlen beschreiben, entworfen nach einer Rückserie 2017/2018, in der das mittelstürmerlose 4-4-2, das lange für alles Schöne und Gute gestanden hatte, zum Synonym wurde für Zögerlichkeit, Ideenlosigkeit und Verpassen. „Es war entschlüsselt“, sagte Manager Max Eberl.

Hecking entschied sich für Verschiebungen im Sinne der Offensive: Einen Mittelfeldspieler und die Außen zog er weiter nach vorn, einen Zentralstürmer zurück, aus einem der Sechser und einer der Spitzen wurde eine Doppelacht, aus den Außenbahnspielern Flügelstürmer. Statt vier gibt es nun fünf Männer in der Abteilung Attacke. Mit dem Systemwechsel setzte Hecking das Signal zur Offensive. Die Botschaft kam an, Borussia geht steil statt quer. Das Spiel hat mehr Tiefe als zuvor, es ist aktiver, fordernder, aggressiver, findet weiter vorn statt, es ist eine kontrollierte Ball- und Gegner-Hatz, eine gesunde Mischung aus Ballbesitz- und Umschaltspiel.

Seine Kritiker hatten Hecking vorgeworfen, nur zu verwalten und zu wenig Mut auf den Platz zu bringen. Das hat er widerlegt. Die Alternative wäre ein Ansatz mit einer Dreierkette gewesen (3-5-2, 3-4-3), doch ist das nur die zweite Option der neuen Borussia, die es auch nicht nötig hatte, sich auf das gewohnte 4-4-2 zurückzuziehen, weil das 4-3-3 klappte. Mit leichten Variationen zog sie es durch.

Die Gewinner des Systems sind Tobias Strobl, der fast die gesamte Vorsaison verpasste wegen seines Kreuzbandrisses und nun zum Chef-Sechser geworden ist, Jonas Hofmann, der sich vom vermeintlichen Auslaufmodell zum fast unersetzlichen Achter gewandelt hat, Florian Neuhaus, der in seiner ersten Bundesliga-Saison mit Hofmann ein kongeniales Duo im offensiven Mittelfeld bildet, und Thorgan Hazard, der als Außenstürmer den nächsten Entwicklungsschritt gemacht hat und ein cooler Vollstrecker geworden ist.

Personifiziert wird das 4-3-3 aber insbesondere durch den französischen Mittelstürmer Alassane Plea. Die Rekordsumme von 23 Millionen Euro investierte Borussia in den neuen Weg, damit hat auch der Verein den Willen zur Veränderung dokumentiert. Borussia hat nun wieder einen echten Knipser, mehr Körperlichkeit ganz vorn, eine andere Präsenz im Strafraum, auch wenn Plea oft über links stürmt.

Rechnet man die Formel 4-3-3 hin und her, wird sie auch im Detail symbolisch: Vier Niederlagen kassierte Borussia, nur vier. Das belegt, zusammen mit sieben gegentorlosen Spielen, einen Faktor des Aufschwungs: Borussia hat es geschafft, offensiver UND hinten stabiler zu sein. Die doppelte Drei steht für den Erfolg: 33 Punkte, Platz drei, drei mal drei ist neun, so viele Tore haben die Topstürmer Plea und Hazard erzielt, vier mal drei mal drei ergibt 36, so viele Tore schoss Gladbach in der Hinrunde und ist damit mit den Bayern das torhungrigste Team nach Primus Dortmund.

Es ist das Comeback der Torfabrik, MG ist Actiontown. Im Vergleich zur Rückrunde 2017/18 wurde die Punktezahl um 13 und die Torbilanz um 16 gesteigert, die Zahl der Siege wurde verdoppelt (zehn statt fünf), die Zahl der Niederlagen halbiert (vier statt acht).

Rechnen wir nach vorn, finden sich Ansätze fürs Prophetische: 33 Punkte mal zwei sind 66, damit wurde Borussia in der Saison 2014/15 Dritter und zog in die Champions League ein. 36 mal zwei ist 72, so viele Tore schoss der VfL Wolfsburg, als er mit Hecking Pokalsieger und Vizemeister wurde. Wie prognosetauglich die Zahlenspiele sind, wird die Rückrunde zeigen. Da steht die Nagelprobe der Nachhaltigkeit an: Wenn 4-3-3 zur Erfolgsformel der gesamten Saison wird, haben Hecking und seine Borussen auch im zweiten Saisonteil alles richtig gemacht.