„Es kann ein bisschen dauern“ So will Borussias Manager Virkus den Umbruch angehen

Mönchengladbach · Seit einer Woche macht Roland Virkus den Job als Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach. Was er zu der Skepsis vieler Fans sagt, womit er nun loslegen will und wie die Lage in seinem ehemaligen Arbeitsbereich, der Jugendabteilung, aussieht.

Borussia Mönchengladbach: Roland Virkus - Manager im Porträt
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Borussias Manager Roland Virkus im Porträt

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Foto: IMAGO/Kirchner-Media/IMAGO/Neundorf/Kirchner-Media

Borussias neuer Sportdirektor Roland Virkus ist seit einer Woche im Amt. In einer Medienrunde sagte der 55-Jährige, wie er tickt, was ihn antreibt und was er mit Borussia vorhat. Virkus sprach über ...

... den Grund, Sportdirektor zu werden „Borussia ist für mich eine Berufung als gebürtiger Gladbacher. Es ging mir immer um die Sache. Jetzt hat der Klub als Ersten Steffen Korell gefragt, damit konnte ich gut leben. Steffen hat sich aber entschieden, dass er nicht im Wind stehen möchte. Dann hat der Klub mich gefragt, aber ich musste das erst mal für mich klar haben: Chance und Risiko. Gereizt hat mich, dem Klub helfen zu wollen. Aber ich brauchte Zeit, das zu entscheiden. Auch in der Phase war ich über die Schritte des Klubs informiert. Es war eine ganz saubere Sache.“

... seine persönliche Philosophie „Ich war ein Stevie-Lainer-Typ. Und ich musste mir alles erarbeiten. Ich habe immer nach der Formel gelebt: Wille und Leidenschaft schlägt Kompetenz. Kompetenz ist Talent. Wenn du viel Talent hast, sind die beiden anderen Faktoren Multiplikatoren. Ich hatte viele Jugendspieler mit immensem Talent. Aber sie waren nicht bereit, mehr als das Normale zu investieren. Irgendwann kamen sie nicht mehr weiter. Wille und Leidenschaft sind wichtig, ich finde die Begriffe besser als Mentalität.“

... seine Visionen für Borussia „Ich halte es immer so: beobachten, analysieren, handeln. Wir haben unseren Kern mit eigenen Talenten und jungen hungrigen Spielern, die wir weiterentwickeln. Aber wir sind vom Weg abgekommen. Wir müssen daher einen neuen Anlauf nehmen. Dabei werden wir wenn nötig auch andere Wege gehen bei Transfers. Bei den Spielern geht es nicht ums Alter, sondern immer um Qualität.“

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Alle Manager von Borussia Mönchengladbach

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Foto: Jens Dirk Paeffgen/Jens Dirk Päffgen (jdp)

... seine Arbeitsweise „Ich kann nicht alles, ich bin ein Teamarbeiter und brauche gute Leute an meiner Seite. Ich glaube, dass wir ein sehr, sehr gutes Team haben und eine sehr gute Struktur. Wichtig ist: Es wird kontrovers diskutiert. Wir sitzen nicht nur da und sagen: Das ist toll. Bei uns wird auch konstruktiv gestritten.“

... die Tragweite des Jobs „Ich habe Familie und die muss ich schützen. Die Familie gibt eine gewisse Sicherheit und fängt einen auf. Das ist mir wichtig. Nach der Vorstellungs-Pressekonferenz kam einer meiner Söhne und sagte: ‚Papa, ich habe eigentlich gedacht, du wärst ein netter Mensch. Aber guck‘ mal, was in den sozialen Netzwerken geschrieben wird.‘ Vor drei Wochen haben wir alle noch gesagt, wie schlimm das ist, was mit Max Eberl passiert ist. Und jetzt gibt es schlimmste Beleidigungen. Damit muss ich leben. Aber auch meine Familie. Und da musste ich erst einschätzen: Kann sie das?“

... Emotionalität am Spielfeldrand „Ich bin ein emotionaler Typ, halte mich jedoch erst mal zurück. Aber ich will eben immer gerecht behandelt werden, weiß aber, dass das von der Perspektive abhängt. Aber ich mag Ungerechtigkeit nicht, ich habe da klare Werte. Ich weiß, dass ich da manchmal über das Ziel hinausschieße. Aber das bin ich und das muss mir erhalten bleiben.“

... Borussias Ambitionen „Die Erfolge der letzten Jahre haben Erwartungen geschürt. Es kann ein bisschen dauern, da müssen wir realistisch sein. Trotzdem sind wir ambitioniert. Ich bin mir sicher, dass unsere Fans den Weg mitgehen. Wir brauchen ihre Energie.“

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Foto: dpa/Swen Pförtner

... den Ansatz von Trainer Adi Hütter „Adi gibt den Spieler gewisse Freiräume, was die Kreativität angeht. Er gibt den Jungs eine Menge an die Hand, aber es gibt eben auch Situationen, da musst du als Spieler nicht rausschauen zum Trainer, sondern sie auf dem Rasen selbst lösen. Der Ansatz gefällt mir, er ist spannend.“

... den Umbau des Kaders „Wir werden schauen, wie wir den Kader sinnvoll ergänzen können, welche Skills fehlen. Wir haben viel Qualität, die Stimmung im Team ist gut. Aber wir sind zu leise und zu lieb. Was generell wichtig ist im modernen Fußball: Physis. Und man braucht vorn einen Vollstrecker mit einer sicheren Quote.“

Borussias Talente „Wir haben eine große Zahl vielversprechender Spieler, viele werden aber erst in ein, zwei Jahren hochkommen. Aber schon in der neuen Saison könnten ein oder zwei interessant für oben werden. Man muss den Talenten aber eine Chance geben. Wir haben einen Trainer, der das tut.“

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Foto: AFP/UWE KRAFT

... Matthias Ginter „Matze hat seine Entscheidung getroffen, den Klub zu verlassen. Der Klub hat ebenfalls seine Entscheidung getroffen, die Entscheidung steht.“

... das BVB-Debakel „Ich habe am Sonntag nicht gut geschlafen. Wir haben über 60 Minuten ein gutes Spiel gemacht, waren in der ersten Halbzeit total auf Augenhöhe und der BVB war nicht sattelfest. Nicht gut war, was wir nach dem 0:3 gemacht haben. In solchen Situationen braucht es Kommunikatoren auf dem Platz. Jungs, die Verantwortung übernehmen. Und ich erwarte dann auch, dass die Jungs das regeln. Aus Situationen wie dieser kann man auch Energie ziehen.“

... die aktuelle sportliche Situation „Sie ist nicht einfach. Aber wir haben viele Spieler, die schon Erfahrung gesammelt haben im Abstiegskampf, Matthias Ginter zum Beispiel  in Freiburg oder Florian Neuhaus bei 1860 München. Wir stellen uns der Situation und werden da rauskommen.“

... künftige Gespräche mit Top-Beratern „Mino Raiola (Anm. d. Red.: Star-Berater, Marcus Thuram ist sein Klient) wird auch seinen Spaß mit mir haben.“

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