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Borussia Mönchengladbach: Der Fall Michael Cuisance

Borusse war ohne Führerschein unterwegs : Der Fall Michael Cuisance

Borussias Michael Cuisance muss wegen vorsätzlichen Fahrens ohne Führerschein eine Geldstrafe zahlen. Wie tickt der junge Franzose und was sagt sein Trainer über ihn?

In dieser Saison läuft es bei Michael Cuisance alles andere als rund. Bei Borussia Mönchengladbach kommt der Mittelfeldspieler nur äußerst selten zum Zuge. In der gesamten Spielzeit stand er erst einmal in der Startelf, in acht weiteren Partien wurde er eingewechselt. Deswegen hatte Cuisance im Winter Borussias Sportdirektor Max Eberl mitgeteilt, den Verein wechseln zu wollen, um mehr Spielpraxis zu bekommen. Der winkte jedoch ab, weil man bei den Borussen auf den Edeltechniker zukünftig baut. Jetzt hat er aber erst einmal privat Mist gebaut.

Das Amtsgericht Mönchengladbach hatte Cuisance für Mittwochvormittag vorgeladen. Verhandelt werden sollte dort eine Straftat vom 1. August 2018. Cuisance soll in seinem Audi auf der Kaldenkirchener Straße in Mönchengladbach gefahren sein, obwohl er zu diesem Zeitpunkt nicht über eine gültige Fahrerlaubnis verfügte. Gegen den folgenden Strafbefehl legte Cuisance Einspruch ein. Einen Tag vor der Verhandlung lenkte er jedoch ein und sein Verteidiger nahm den Einspruch zurück. Wie das Amtsgericht Mönchengladbach mitteilte, ist damit der Strafbefehl über 30 Tagessätze á 350 Euro, insgesamt 10.500 Euro, rechtskräftig.

Ist Cuisance auf dem Weg, für die Borussen zum Problemfall zu werden? Was denkt sich dieser junge Franzose überhaupt? Wenn man Cuisance beobachtet, kommt er als cooler Typ rüber, ein ruhiger Junge, der jedoch auch von sich selbst überzeugt ist. Über seine Außendarstellung auf Instagram und Co. schrieb die „Bild: „In den Sozialen Netzwerken inszeniert er sich als Schnösel.“

Gladbach-Trainer Dieter Hecking erlebt Cuisance seit Sommer 2017 täglich in der Kabine und auf dem Trainingsplatz. „Mika ist wie 19-Jährige heutzutage nunmal sind. Er ist lebensoffen, probiert aus, macht Fehler, aber auch gute Sachen. Das ist in dem Alter absolut normal“, sagt der 54-Jährige im Gespräch mit unserer Redaktion. Hecking ist selbst fünffacher Vater, darunter sind zwei Söhne, Jonas und Aaron. Er hat erlebt, wie Jungs im Alter von Cuisance ticken. „Diese Jungs probieren einfach aus. Sie dürfen Fehler machen, sie müssen sogar Fehler machen und auch mal Erfahrungen, die schmerzhaft sind. Daraus müssen sie aber die richtigen Schlüsse ziehen, dann ist alles gut.“

Über den Vorfall mit seinem Spieler sagt Hecking: „Das sind Dinge, die ich gar nicht groß kommentieren möchte. Er muss sehen, dass er als Fußballprofi bei Borussia Mönchengladbach seine Sache gut macht, das andere ist Privatsache. Das geht mich auch nicht so viel an.“

Cuisance ist nicht der erste Fußballprofi, der am Steuer mit dem Gesetz in Konflikt gerät. Ein prominentes Beispiel ist Marco Reus. Der Nationalspieler vom BVB fuhr jahrelang ohne Führerschein und wurde 2014 deswegen zu einer Geldstrafe von 540.000 Euro verurteilt.

Warum diese unterschiedlichen Strafen? Anders als Reus registrierten die Behörden bei Cuisance nur einen Fall des Fahrens ohne Führerschein. Außerdem wird die Geldstrafe am Gehalt des Angeklagten bemessen. Ein Tagessatz bei Reus lag 2014 bei 6.000 Euro, beim französischen Talent sind es „nur“ 350 Euro. Auch aus diesem Grund könnte Cuisance zur späten Einsicht gekommen sein und dem Strafbefehl doch noch zugestimmt haben. Im Falle einer Verhandlung hätte er sein Gehalt offenlegen müssen. Die Behörden beziffern sein Jahresgehalt demnach auf 126.000 Euro. Spätestens seit seiner Vertragsverlängerung im Sommer 2018 dürfte Cuisance aber deutlich besser bezahlt werden.

Zuvor war der Franzose nämlich noch Stammspieler und trumpfte in seiner ersten Profi-Saison groß auf. Die Borussia-Fans wählten ihn zum besten Akteur der Saison. Doch jetzt muss Cuisance erstmal seinen sportlichen Frust und seine privaten Probleme in den Griff bekommen, um wieder ähnliche Leistungen abrufen zu können. Immerhin: Mit der französischen U20-Nationalmannschaft war er in den vergangenen Tagen sehr erfolgreich, gewann zwei von drei Testspielen mit seinem Team und bot ordentliche Darbietungen. Am Donnerstag trainiert er wieder am Borussia-Park, am Mittwoch bekommt er einen Tag frei. Dass er an diesem Tag den unangenehmen Gang zum Gericht nicht antreten muss, weil er seinen Einspruch zurückzog, dürfte eine gute Entscheidung gewesen sein.