Xantener Notarzt kritisiert die Pläne des Kreises Wesel

Rettungswesen im Kreis Wesel: Notarzt schlägt gegen Kreis-Pläne Alarm

Frank Marx (59), Notarzt am Xantener Krankenhaus und Professor für Rettungsmanagement an der TH Mittelhessen, ist erschreckt darüber, dass der Kreis den nächtlichen Notarztstandort am St.-Josef-Hospital aufgeben will. Bürgermeister Thomas Görtz hat indes an Landrat Ansgar Müller geschrieben.

Er selbst hat es schon so oft erlebt: Patienten, schwer verletzt oder in einem lebensbedrohlichen Zustand, die vom St.-Josef-Hospital in Xanten mit einem Rettungshubschrauber in eine Spezialklinik im Ruhrgebiet geflogen worden sind. Ein Fall ist ihm dabei besonders in Erinnerung geblieben. „Ein 16-Jähriger, der einen Herzstillstand in einem Fitnessstudio in Xanten erlitten hat. Wäre ich nur eine Minute später gekommen, wäre er tot gewesen“, sagt Frank Marx.

Frank Marx, 59 Jahre alt, ist seit zweieinhalb Jahren Notarzt am Xantener Krankenhaus. Zuvor war der Facharzt für Anästhesiologie mit Zusatzbezeichnung Notfallmedizin ärztlicher Leiter des Duisburger Rettungsdienstes. Seit April ist Marx zudem Professor für Rettungsmanagement an der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) in Gießen. Als Notarzt des St.-Josef-Hospitals schreibt er jetzt an die Redaktion: „Ich bin erschreckt darüber, dass der nächtliche Notarztstützpunkt Xanten und auch derjenige in Rheinberg durch Beschluss des Kreises Wesel aufgegeben werden soll, um ihn durch einen einzigen Notarztstützpunkt in Alpen zu ersetzen.“

Marx bezieht sich damit auf die Berichterstattung in der RP. So war Ende September der Entwurf des neuen Rettungsdienstbedarfsplanes des Kreises Wesel bekannt geworden. Ein Bestandteil ist die Abschaffung der nächtlichen Notarztstandorte in Xanten und Rheinberg sowie die Verlegung der Rettungswache vom Xantener Krankenhaus an den westlichen Rand der Kernstadt.

Die Verwaltung, die „eine massive Verschlechterung im Rettungswachenbereich Xanten“ befürchtet, thematisierte den Plan im Rat. Dieser beschloss einstimmig die Resolution „der Notarztstandort in Xanten muss rund um die Uhr erhalten bleiben“. Mit einem dreiseitigen Anschreiben an Landrat Ansgar Müller (liegt der Redaktion vor) macht Bürgermeister Thomas Görtz nun noch einmal seinen Standpunkt deutlich: „Ich weise in aller Deutlichkeit darauf hin, dass das Vorhaben aus einsatztaktischen Gründen, aus Gründen der Hilfsfristerreichung und aus ethischen Gründen unbedingt verhindert werden muss. Dieses Vorhaben könnte im ungünstigsten Fall Menschenleben kosten.“

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Es sei aus seiner Sicht völlig inakzeptabel, so Görtz, dass in lebensbedrohlichen Lagen, die den Einsatz des Notarztes erfordern, bereits planerisch eine rechtzeitige Hilfe nicht möglich sein soll. Zudem gehöre es zur kommunalen Sicherheitsinfrastruktur, dass neben Feuerwehr und Polizei auch rettungsdienstliche Ressourcen vorgehalten werden, die innerhalb der definierten Hilfsfrist eintreffen. Görtz weiter: „Ich appelliere daher eindringlich an Sie, die vorgesehene nächtliche Abschaffung des Notarztstandortes Xanten nicht weiter zu verfolgen. Sollten Sie wider Erwarten an der beabsichtigten Abschaffung des nächtlichen Notarztstandortes in Xanten festhalten und den Entwurf des Rettungsdienstbedarfsplans dem Kreistag zur Zustimmung vorlegen, behalte ich mir vor, diesen Sachverhalt der Bezirksregierung als zuständige Fachaufsichtsbehörde zwecks Prüfung vorzulegen.“

Auch Notarzt Frank Marx appelliert an den Kreis. Er sagt: „Ein rettungsdienstliches Gutachten orientiert sich an Parametern, die zählbar sind, dem Gesetz entsprechen und dabei den finanziellen Aufwand für eine Maßnahme in den Vordergrund stellen. In der Beurteilung von Rettungsdienstbedarfsplänen heißt es im Gesetz, dass die Aufwendungen ,angemessen’ sein müssen. Das Überleben eines Patienten mit Herzstillstand erscheint mir durchaus angemessen.“ Er habe dabei nicht die absolute Zahl der Einsätze im Auge, sondern die Qualität der Einsätze. „Menschen aus der Stadt Xanten, aber auch aus Sonsbeck und sogar im angrenzenden Kreis Kleve rufen den Notarzt, weil sie sich in höchster Not befinden und sie Angst um ihr Leben haben. Das ist in Großstädten oft nicht der Fall.“

Auch den Einwand von Klaus-Peter Roelvinck, beim Kreis zuständiger Koordinator für den Rettungsdienst, – der Notarzt in Xanten müsse im Fall der Fälle erst im Krankenhaus gerufen werden, in Alpen dagegen wäre er sofort für Notfälle da – lässt Marx nicht gelten: „Unsere Regeln im Krankenhaus sind darauf ausgerichtet, an jedem Tag des Jahres und zu jeder Uhrzeit notärztlich für Menschen in Xanten und Umgebung tätig werden zu können. Wir sind ein eingespieltes Team. Wir behandeln in der Nacht Patienten, die nicht fünf Minuten länger auf einen Arzt warten können.“

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