1. Leben
  2. Goertz und Sieben

Die Störenfriede (18): Herr Goertz hat einen Job für Wolfgang Kubicki (FDP)

Die Störenfriede (18) : Herr Goertz hat einen Job für Wolfgang Kubicki (FDP)

Herr Goertz und Herr Sieben bereiten ihren Wechsel in die Politik vor. Sieben will das Problem „Bahnhof Köln-Deutz“ final lösen. Goertz träumt von einem Ministerium für Dichtung. Am Ende läuft alles auf Wolfgang Kubicki zu. Die 18. Folge der „Störenfriede“.

Einmal in der Woche chatten die Redakteurs-Kollegen Christian Sieben und Wolfram Goertz miteinander, um sich nach dem Befinden des anderen zu erkundigen. Beide verbindet eine satirische Sicht auf die Dinge, ansonsten sind sie streng beim Sie. In ihren Gesprächen geht es oft um Alltägliches, gelegentlich um Grundsätzliches, und manchmal steht am Ende sogar eine Erkenntnis.

Goertz Herr Sieben, wobei störe ich Sie?

Sieben Ich versuche herauszufinden, wer gerade wann, wo und mit wem über was sondiert und hinterher doch nicht darüber sprechen will. Ich fürchte, ich benötige diese Informationen im Laufe der Woche noch beruflich.

Goertz Glauben Sie ernstlich, dass diese Leute innerhalb weniger Tage die Wackersteine aus dem Weg räumen und die Schützengräben begradigen werden, die sie seit vielen Jahren trennen? Ich glaube, die Kanzlerin wird noch Weihnachten 2021 und zu Palmsonntag 2022 Fernsehansprachen halten. Wir sollten eher darüber sinnieren, ob wir uns nicht selbst produktiv einbringen. Leute wie wir, die reflektierend denken können, werden in der Politik gebraucht.

Sieben Sie meinen, wir sollten den sogenannten Hut in den Ring werfen? Dies würde nur gehen, wenn wir uns die Ochsentour durch die Ortsvereine sparen. Ich kann nicht mittwochs um 20 Uhr in der Gaststätte „Zu den Eichen" mit der Basis reden. Sie wollen das auch nicht. Wir sollten sofort auf Staatssekretär-Ebene einsteigen, wenn nicht gar als Minister!

Goertz Genau, denn wenn der Bundestag vergrößert wird, sollte sich das Kabinett nicht lumpen lassen. Wir brauchen mehr Fachkräfte, mehr Minister, die nicht in einer Person für Heimatschutz, Sport, Inneres, Verbraucher, Denkmalpflege und Gartenplanung zuständig sind. Das schafft ja kein Mensch vernünftig. Welches Ressort würde Sie reizen?

Sieben In aller Bescheidenheit möchte ich anmerken, dass ich einige sehr gute Ideen zum Thema Bahnverkehr habe. Wir müssen uns von allen Ausbauplänen, Machbarkeitsstudien, Bürgerbefragungen und Gedöns lösen und große Würfe wagen. Meine erste Maßnahme wäre die Stilllegung des Bahnhofs Köln-Deutz. Da weiß ich die große Mehrheit der Bürger hinter mir.

  • Ellyes Skhiri (r) lässt sich nahc
    Grenzenlose Begeisterung : Köln-Fans feiern „Bundeskanzler Baumgart“
  • Herbstferien zu Hause : Sieben schöne Ausflugsziele für Familien in NRW
  • Pfarrer Günter Puts weihte im Kreuzgarten
    Kirchliches Leben in Nettetal : Neues Kreuz im Kreuzgarten in Schaag geweiht

Goertz Was stört Sie an Deutz? Wäre die Erhaltung des Rechtsrheinischen gerade in Köln nicht schön?

Sieben In Deutz erlebte ich dunkle Minuten. Besonders auf Heimfahrten aus Süddeutschland. Deutz ist ein schwarzes Loch, das Zeit frisst. Halt auf freier Strecke 900 Meter vorm Bahnsteig., Vorbeifahrten von kilometerlangen Lastzügen, lange Standzeiten am Gleis. Und wenn Deutz endlich passiert ist, geht es weiter in Schleichfahrt bis Düsseldorf-Benrath. Neulich hätte ich fast geweint. Deutschland braucht hier eine Lösung.

Goertz Dass Sie im Zug fast geflennt hätten, bringt mich noch im Nachhinein um den Schlaf. Das darf nicht sein. Ich finde jedoch mit Ihnen, dass die Bahnverbindungen aus dem Süden verschlankt werden müssen. Was Ihnen Köln-Deutz ist, das ist für mich auf der ICE-Strecke aus München ein Ort wie Aschaffenburg. Aber Aschaffenburg ist halt noch Bayern, und solange ein Bayer im Amt ist, der nach einer Toilettenmilch benannt wurde, wird Bayern immer favorisiert werden.

Sieben Wir machen es wie Franziska Giffey und geben dem Kind einen sprechenden Namen. Das „Gute-Zugfahrten-ohne-Deutz-und-mit-weniger-Geld-für-Bayern-Gesetz". Welches Amt könnte Sie reizen? Als Finanzminister hat man einen guten „Hebel", liest man oft.

Goertz Neinnein, ich war in Mathe immer schlecht in der Schule, ich würde mich bei Markus Lanz öffentlich verrechnen, auch wenn er mir einen blütenweißen Bierdeckel hinhielte. Nein, ich möchte das neue Dichtungsministerium übernehmen. Förderung der Poesie, öffentliche Poetry-Slam-Vorträge von Gedichten, es muss wieder auswendig gelernt werden, die Glocke, die Bürgschaft, der Erlkönig und der Panther - das alles muss in früher Jugend in Kinderköpfe hinein. Davon zehrt man ein Leben lang. In Ostdeutschland kann niemand mehr Gedichte, die Folgen erleben wir jetzt.

Sieben Da würde ich widersprechen. Letztlich ist die Lektüre von Klassikern in der Schule sinnlos. Der junge Mensch versteht es nicht, es fehlen allerhand Bezüge. Wenn man es ernst mit sich meint, muss man Kafka, Frisch, Dürrenmatt, Shakespeare und Mann mit 40 noch einmal lesen. Mit 15 können Sie auch Schüttelreime in Suaheli auswendig lernen und aufsagen. Der Effekt wäre derselbe. Dann muss ich Finanzminister werden, fürchte ich.

Goertz Bleiben Sie doch beim Verkehr und bei der Bahn, ich finde eine Nord-Süd-Verbindung mit Halt in München, Frankfurt, Düsseldorf, Dortmund, Hannover und Hamburg völlig ausreichend. Ich hingegen spreche noch einmal mit Habeck, der das Dichtungsministerium ursprünglich selbst leiten wollte, dass wir den Zuschnitt ändern. Kindliches Lernen finde ich wichtig, dann meinetwegen ab dem 30. Lebensjahr alle fünf Jahre bevölkerungsnahe Fortbildungsmaßnahmen mit „Prozess“, „Andorra“, „Zauberberg“ und „Winnetou I“. Und nicht „Winnetou III“, da heult das ganze Land.

Sieben Sie und Habeck passen gut zusammen. Sie eint der träumerische Blick. Soll ich Ihnen noch kurz meine Pläne als Finanzminister für ein bedingungsloses Grundeinkommen schildern? Jeder qualifiziert sich, er muss nur im Ministerium drei sinnvolle Hobbys nachweisen können und RTL aus seiner Programmliste löschen.

Goertz Das Beste an Habeck war und ist ja, dass er bei jeder Gelegenheit Wolfgang Kubicki alt aussehen lässt, ohne dass der es selbst merkt. Aber ich weiß, wie wir Kubicki beschäftigen: Er ist ja Anwalt, er sollte den Bahnhof Köln-Deutz juristisch abwickeln, was erst einmal am zähen Widerstand des Kölner Speckgürtels scheitern wird. Dann aber lassen wir ihn ein logistisches Meisterstück absolvieren. Deutz wird getilgt, Düsseldorf lacht – und dann sind ja auch schon wieder Neuwahlen.

Sieben Eine Sache müssen wir dem Wahlvolk allerdings noch verkaufen. Die sinnvollen Hobbys müssen beim neu zu gründenden Ministerium für Sinnhaftigkeit eingereicht werden. Kurz: MfS. Sonst sehe ich uns gut aufgestellt für die Koalitionsverhandlungen. Schauen Sie, Herr Goertz, es geht um Deutschland! Wir sprechen uns noch.