Notarztstandorte in Xanten und Rheinberg in Gefahr

Xanten : Notarztstandorte in Gefahr

Wenn es nach den Plänen des Kreises geht, sollen die nächtlichen Notarztstandorte in Xanten und Rheinberg aufgegeben werden. Stattdessen soll ein neuer in Alpen errichtet werden. Zumindest in Xanten wird das kritisch gesehen. Die Verwaltung bereitet eine Resolution vor. Auch das Sankt-Josef-Hospital schlägt Alarm.

„Da kommste ans Rollen mit.“

Was für den DRK-Mitarbeiter (Name ist der Redaktion bekannt) lange Zeit nur ein Gerücht war, droht nun Wirklichkeit zu werden. Die Kreisverwaltung als Träger des Rettungsdienstes im Kreis Wesel prüft derzeit, die nächtlichen Notarztstandorte in Xanten und Rheinberg aufzugeben und stattdessen einen neuen und zentralen Notarztstandort in Alpen zu errichten. Dieser wäre dann für ein 262 Quadratkilometer großes Gebiet (Rheinberg, Alpen, Sonsbeck und Xanten) und für 74.000 Einwohner zuständig. Zum Vergleich: Der Xantener Notarzt aus dem Sankt-Josef-Hospital deckt heute ein Areal von 163 Quadratkilometern (Xanten, Sonsbeck und Teile von Alpen) und 35.000 Einwohnern ab. Die Rettungswache in Rheinberg, in der ein Notarzt aus dem Sankt-Bernhard-Hospital in Kamp-Lintfort stationiert ist, 99 Quadratkilometer und 39.000 Einwohner. Darüber wurden die Bürgermeister am 11. September durch die Kreisverwaltung informiert. Am Donnerstag, 4. Oktober, 17 Uhr, wird die Xantener Verwaltung die Mitglieder des Hauptausschusses darüber informieren. Und nicht nur das. Es soll eine Resolution gefasst werden. Pankraz Gasseling, Fraktionsvorsitzender der CDU, sagt schon jetzt: „Der Notarztstandort Xanten muss rund um die Uhr erhalten bleiben. Hier geht es um Sekunden, um Leben und Tod.“

Klaus-Peter Roelvinck, beim Kreis der zuständige Koordinator für den Rettungsdienst, bestätigt auf Anfrage unserer Redaktion das Vorhaben. Er stellt aber auch klar: „Es handelt sich derzeit um einen Entwurf, der noch von den politischen Gremien beschlossen werden muss.“ Der Vorschlag basiere auf den Ergebnissen eines externen Gutachters, der sich die nächtlichen Einsatzzahlen des jeweiligen Notarztes in Xanten und Rheinberg angeschaut habe. „Und zwar losgelöst von Emotionen, basierend auf den reinen Fakten“, sagt Roelvinck und ergänzt: „Untersucht wurde ein komplettes Jahr, dabei kam heraus, dass der jeweilige Notarzt eine Einsatzhäufigkeit von unter einem Einsatz pro Nacht hat. Rein planerisch ist es also nicht zu erwarten, dass es zu einer Duplizität kommt.“ Für ihn sei der mögliche neue Standort in Alpen (“Dieser müsste auch noch errichtet werden, wahrscheinlich wäre ein Anbau beim DRK in Alpen.“) auch nicht mit Nachteilen für die Stadt Xanten verbunden: „Der jetzige Notarzt arbeitet im Krankenhaus, muss im Fall der Fälle gerufen werden. In Alpen wäre er sofort für die Notfälle da.“

Michael Derksen, Geschäftsführer des Xantener Sankt-Josef-Hospitals, sieht das völlig anders. „Das ist eine Katastrophe“, sagt er auf Anfrage. In seiner zweiseitigen Stellungnahme (liegt der Redaktion vor) spricht er von geplanten Maßnahmen, die sich nach seiner Einschätzung mit Sicherheit nachhaltig negativ auf eine adäquate Notfallversorgung der Bevölkerung in Xanten und in der Region auswirken. Sein Haus stelle seit Jahrzehnten die notärztliche Versorgung im Einzugsgebiet der Rettungswache Xanten sicher. Seit 2004 gebe es die Rettungswache am Sankt-Josef-Hospital. „Mit Nachdruck hatte der Kreis Wesel damals auf den Bau am Krankenhaus gedrängt, um eine Verkürzung der Hilfsfristen zu erreichen“, so Derksen. Nun plane der Kreis die Rettungswache an den westlichen Ausgang der Kernstadt zu verlegen. Roelvinck bringt die Ecke Gelderner Straße/Trajanring/Augustusring, in Höhe des Landhaus Röschen, ins Spiel. „Dadurch wären die Rettungswagen viel schneller auf den Schnellstraßen. Das hat vor allem auch Vorteile für die Gemeinde Sonsbeck.“

Derksen sieht vor allem Nachteile für sein Krankenhaus: „Auch im Hinblick auf die Standortsicherung unseres Hauses wird sich eine Verlegung des Notarztstandortes negativ auswirken. Als Akutkrankenhaus werden wir aufgrund ausbleibender Notfälle ein deutlich reduziertes Patientenaufkommen verzeichnen und damit an Bedeutung verlieren. Allein dies gefährdet die Existenz unserer Klinik nachhaltig und damit die Sicherung von 260 Arbeitsplätzen.“ Bei einer Umsetzung des derzeit diskutierten Rettungsbedarfsplanes lehne Derksen jede medizinische Verantwortung ab. Er beklagt zudem die fehlende Wertschätzung des Kreises Wesel für eines der besten Krankenhäuser Deutschlands (wir berichteten). Roelvinck relativiert. Seiner Meinung nach sei das Hospital nicht außen vor. „Bei der Besetzung des Notarztes wird das Xantener wie auch das Kamp-Lintforter Krankenhaus natürlich berücksichtigt.“ Er könne sich einen 14-tägigen Wechsel, wie es in anderen Städten auch üblich sei, gut vorstellen.

Werner Schneider, Leiter der Rettungswache Rheinberg, möchte sich zu diesem Thema nicht äußern. „Als Mitarbeiter der Stadt Rheinberg habe ich darüber noch keine Kenntnis.“ Rheinbergs Bürgermeister Frank Tatzel kann dem Entwurf des neuen Rettungsdienstbedarfplanes auch etwas Positives abgewinnen. „Es werden Verbesserungen erzielt. Einzelpunkte möchte ich nicht herausstellen.“ So werden neue Rettungswachen im Kreis Wesel gebaut. Künftig soll in Xanten auch ein zweiter Rettungswagen samstags, sonntags sowie an Feiertagen tagsüber im Dienst sein. „Das hat die Stadt Xanten immer gefordert“, sagt Roelvinck.

Und hier kommen dann die Notfallsanitäter ins Spiel. Das ist die höchste nichtärztliche Qualifikation im Rettungsdienst. Sie sitzen im Rettungswagen und sind die ersten vor Ort.

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