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Xanten-Rheinberg-Alpen-Sonsbeck: Gastronomen dürfen wieder öffnen

Corona-Krise : Gastronomen dürfen wieder öffnen – und haben noch Fragen

Ab diesem Montag dürfen Gaststätten, Restaurants und Cafés unter strengen Auflagen wieder öffnen. Wie setzen sie die Hygiene- und Abstandsregeln um? Vier Beispiele aus Alpen, Rheinberg, Sonsbeck und Xanten.

Zur deutschen Flotte“ ein Alpen Am Mittwoch um 17 Uhr – vorher schließt Ralf Terlinden seine Gaststätte „Zur Deutschen Flotte“ in Veen nicht wieder auf. „Ich muss am Montag erst noch ein paar Dinge mit der Gemeinde klären“, sagt der Wirt. „Ich brauche noch genaue Angaben dazu, wie wir das Hygienekonzept umsetzen müssen.“ Ein Drittel der Tische nimmt Terlinden aus der Gaststätte, um die Abstände einhalten zu können. Stehtische mit jeweils zwei Hockern kommen dazu. Auch im Außenbereich der Gaststätte muss Terlinden reagieren. So darf er nur noch vier statt sechs Stühle an einen Tisch stellen. „Und“, so sagt der Gastronom, „ich muss Listen führen, muss Namen und Adresse von jedem Gast aufschreiben, damit später ggf. Infektionsketten besser nachvollzogen werden können. Ich bin gespannt, ob die Leute das alles mitmachen.“ Seit Mitte März ist die Gaststätte an der Dorfstraße geschlossen. Das kam für Ralf Terlinden damals Knall auf Fall. „Die angebrochenen Bierfässer musste ich natürlich entsorgen“, sagt der Veener, der jetzt gerne etwas mehr Vorbereitungszeit für die Wiedereröffnung gehabt hatte. Er sagt: „Wir sind eine sehr vereinsbezogene Gaststätte“, sagt er. „Was mache ich, wenn 15 Mann von einer Fußballmannschaft kommen? Die muss ich dann wohl an sieben oder acht Tische verteilen. Denn die sind ja nicht alle miteinander verwandt.“ Die meisten Gäste, so vermutet der Wirt, wollten in erster Linie Freunde treffen.

Mehr Abstand im Restaurant: Teatro-Geschäftsführer Massimo Giorgio rückt die Tische neu zurecht. Foto: Fischer, Armin (arfi )/Fischer, Armin ( arfi )

Teatro in Xanten Kaum hatte die Landesregierung entschieden, dass die Restaurants am Montag wieder öffnen dürfen, da riefen schon Dutzende im Teatro im Xanten an, weil sie für nächste Woche einen Tisch reservieren wollten. Aber Gesellschafter Domenico Giorgi und Geschäftsführer Massimo Giorgi mussten sie zunächst vertrösten – weil noch unklar war, welche Auflagen für die Gastronomie gelten werden. Erst am Ende der Woche verschickte die Landesregierung die neuen Regeln, und die Gastronomen konnten abgleichen, was sie schon umgesetzt hatten – weil absehbar gewesen war, was kommen würde – oder ob sie nachbessern mussten. Klar ist nun, dass nur Menschen zusammen ein Restaurant besuchen dürfen, die vom Kontaktverbot im öffentlichen Raum ausgenommen sind. Das Teatro kann also nicht jede Reservierung annehmen.

Das italienische Restaurant liegt direkt am Markt. Wenn das Wetter schön ist, und das war es in den vergangenen Wochen oft, ist normalerweise kaum ein freier Platz zu sehen. Aber wegen der Corona-Pandemie hatte die Gastronomie geschlossen bleiben müssen, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen – mit Erfolg. Doch wirtschaftlich war es eine schwierige Zeit. Er habe schlaflose Nächte gehabt, berichtete Domenico Giorgi. Umso größer sei jetzt die Erleichterung: „Wir freuen uns, dass wir wieder arbeiten dürfen.“

Kim Kevin Reh, Inhaber des Café Sahnehäubchen in Rheinberg, freut sich, seinen Kunden wieder Kuchen kredenzen zu dürfen. Foto: Fischer, Armin (arfi )/Fischer, Armin ( arfi )

Café Sahnehäubchen in Rheinberg Kim Kevin Reh, seit vier Jahren Inhaber des Café Sahnehäubchen an der Gelderstraße in Rheinberg, nimmt den Betrieb erst am Dienstag wieder auf. „Am Montag muss ich erst einmal bei der Corona-Hotline der Stadt anrufen“, sagt er. „Ich habe nämlich noch einige Fragen.“ So wisse er nicht genau, wie viele Gäste er maximal in sein Lokal lassen dürfe. Und wie viele Personen dürfen maximal an einem Tisch Platz nehmen? Beziehungsweise welchen Unterschied macht es, ob die Gäste aus einer Familie oder aus einem Hausstand sind oder nicht? Und wie kann er als Café-Betreiber das feststellen? „Alles nicht so einfach“, sagt Reh, der seine Gäste auch bitten muss, Namen und Anschrift zu hinterlassen. Das wird ebenfalls zur Auflage gemacht. „Die Tische im Café habe ich schon umgestellt“, sagt Kim Kevin Reh. „Statt zwölf bis 13 Tische kann ich vorerst nur noch acht bis neun zur Verfügung stellen.“ Vor dem Lokal ändere sich nicht viel, da habe er eh nur eine Handvoll Tische, und die stehen weit genug auseinander. 1,50 Meter ist der vorgeschriebene Mindestabstand. „Ich hoffe, dass ich bis Dienstag mehr weiß“, sagt der Café-Betreiber. „Denn ich möchte alle Auflagen einhalten und keinen Ärger bekommen.“ Reh wird das Sahnehäubchen vorerst nur von 13 bis 17.30 Uhr öffnen, Frühstück bietet er erst einmal noch nicht an. Den Außer-Haus-Verkauf von Kuchen, den er in den vergangenen Wochen angeboten hat, will er zunächst weiterbetreiben. 

Die Tische sind auseinander gerückt, Lynn Verhaelen deckt sie ein – am Montag öffnet das Landgut am Hochwald wieder. Foto: Fischer, Armin (arfi )/Fischer, Armin ( arfi )

Landgut am Hochwald in Sonsbeck Es ist alles vorbereitet, damit das Landgut am Hochwald in Sonsbeck am Montag wieder öffnen kann. Auf der Homepage von Hotel und Restaurant listen die Inhaber Anja und Markus Bach einen ganzen Katalog an Hygiene-Maßnahmen auf, die sie mit ihren Mitarbeitern umsetzen. Die Gäste könnten sicher sein, dass sie alles für deren Schutz tun werden, sagt Markus Bach. Zum Beispiel sind die Tische bereits auseinander gerückt, auf den Böden kleben Hinweise auf die Abstandsregel, die Spender mit dem Desinfektionsmittel sind aufgebaut, die Schutzmasken für Kellner und Köche liegen bereit. Außerdem werden die Mitarbeiter jeden Gast am Eingang empfangen, ihn zu seinem Platz führen und ihm dann eine große Kreidetafel zum Tisch bringen – auf ihr wird stehen, welche Gerichte es gibt. Die üblichen Speisekarten gibt es vorerst nicht. Aus Hygienegründen.

Dass die Gastronomie wieder öffnen dürfe, gebe ihnen eine Perspektive, sagt Bach, er spricht von einem „schwachem Licht im Tunnel“. Ob es sich unter den aktuellen Bedingungen auch wirtschaftlich lohne, müsse sich aber erst noch zeigen. „Daher schauen wir täglich, ob und wie es wirtschaftlich bleibt.“ Um die Abstandsregeln einzuhalten, dürften sie zum Beispiel maximal 45 der 110 Tische besetzen. Gleichzeitig betrieben sie einen hohen Aufwand, um wieder öffnen zu können. „Also, wir müssen sehen, wie es sich entwickelt, aber das Team zieht voll mit, und wir freuen uns auf die Gäste.“

In vielen Bereichen werden die Corona-Beschränkungen spürbar gelockert - dennoch gibt es zahlreiche Hygieneregeln, die Unternehmer und Kunden beachten müssen. In unserer Übersicht finden Sie alles, was Sie wissen müssen.

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