Wermelskirchen: Mit Rad und Bergischen Fahrradbuss auf der Balkantrasse unterwegs

Fahrradfahren in Wermelskirchen : Mit dem Rad auf der Balkantrasse unterwegs

Mit dem E-Bike entpuppt sich die Strecke von Burscheid nach Hückeswagen als gemütlicher Ausflug – auch dank des Fahrradbusses.

Es tröpfelt. Nach den vielen heißen Tagen kommt der Regen gelegen. Mohamed Charara spannt die Regenschirme im Biergarten des Alten Bahnhofs in Burscheid auf. An den Sonntagen finden für gewöhnlich besonders viele Radfahrer und Wanderer, Familien und Spaziergänger den Weg auf die Balkantrasse. Noch ist es allerdings ruhig. Mohamed Charara hat das traditionsreiche Gebäude an der Trasse modernisiert und als Gaststätte wieder eröffnet. Nun schiebt er behände das schwere E-Bike über den Weg. Seit kurzem hat er eine Kooperation mit Campana Radsport in Burscheid – die hochwertigen Räder können am Wochenende am Alten Bahnhof geliehen und wieder abgegeben werden. Ein willkommener Service. Denn wer in der Umgebung nach einem Verleih für E-Bikes sucht, braucht inzwischen ein bisschen Ausdauer. Die einen haben das Angebot wegen des saisonbedingten Reparaturaufkommens fürs erste eingestellt, die anderen verleihen gar keine E-Bikes mehr. Da scheint die Burscheider Kooperation ein Glücksfall zu sein. Und die 30 Euro sind gut investiert. Helm aufsetzen, Gepäck in dem großen Fahrradkorb verstauen, Motor anwerfen: Die Fahrt beginnt. Wir machen uns auf den Weg von Burscheid bis nach Hückeswagen – rund 20 Kilometer auf der Balkantrasse. Keine große Tour, sondern ein kleiner Ausflug, der für neue Perspektiven sorgen wird.

Es geht 203 Meter hoch und 134 Meter wieder runter – richtig spürbar wird der Höhenunterschied für Waden oder Lunge aber nicht. Fürs erste geht es ohnehin erstmal geradeaus Richtung Wermelskirchen: Die Bäume schützen vor dem Regen, der langsam verebbt, wir passieren die kleine Brücke über die Autobahn. Noch ist es leer auf der Trasse. Hin und wieder überholt uns ein Rennradfahrer, Spaziergänger mit ihren angeleinten Hunden nutzen die Strecke. In Hilgen führt der Abzweig dann direkt zur Waffelstation in Neuenhaus: Rosemarie Fischer von der Evangelischen Kirchengemeinde öffnet gerade die Fenster der Holzhütte und bereitet die Waffeleisen vor. Sie verteilt gut gelaunt Sitzkissen für die noch nassen Bänke, kommt mit Radfahrern und Wanderern ins Gespräch. Später wird sie mit anderen Ehrenamtlichen die beliebten Waffeln backen, um den Ausflüglern eine Pause für Körper und Seele anbieten zu können. Rosemarie Fischer wünscht noch eine gute Reise und es geht weiter – vorbei an einladenden Schildern von Restaurants, Bäckern und Obstmärkten. Man sagt es als Wermelskirchener ungern: Aber dann beginnt einer der ungemütlichsten Teile des gesamten Weges.

Ein Schild mit einer abgebildeten Kuh weist darauf hin, dass auch Kühe die Trasse überqueren könnten. Foto: Theresa Demski

Ampeln, Steigungen, Straßenverkehr, Kreuzungen. Der Abschnitt zwingt die Radler zum Auftauchen aus der Idylle. Die Rückkehr auf die Trasse an der Sparkassenfiliale ist beinahe eine Erleichterung. Endlich gehört die Strecke wieder den weniger eiligen Verkehrsteilnehmern. Inzwischen ist es Mittag und es wird voller. Am Abzweig Richtung Hückeswagen hat eine Woche zuvor noch die Polizei für ein friedliches Miteinander geworben, jetzt blicken einige Rennradfahrer in das Kartenmaterial, das der ADFC hier in einem kleinen, orangefarbenen Kasten kostenlos zur Verfügung stellt. Und die Karte zeigt: Rund die Hälfte des Weges nach Hückeswagen ist geschafft. Am Abzweig beginnt nun der landschaftlich reizvollste Teil der Strecke: Der Blick fliegt dem Rad hier voraus, weil sich der Weg über hunderte Meter vor dem Radfahrer ausgießt und gleichzeitig die Aussicht auf Felder, Wälder und Höfe freigibt. Unterwegs machen wir Halt, weil uns das kleine Hinweisschild auf Kühe so gut gefällt, das den Blick auf die riesige Herde lenkt, die auf der Wiese grast. Die Spuren der Kühe, die abends über die Trasse den Weg nachhause nehmen, sind deutlich zu sehen und sorgen für idyllisches Kopfkino.

Dann geht es weiter Richtung Schloss-Stadt – kurz bergab, die Straße überqueren, dann folgt der einzige nennenswerte Anstieg der Strecke und schon eröffnet sich vor dem Radfahrer der dunkle Höhsiepen-Tunnel. Die Fledermäuse. Zu sehen ist jetzt am Tage keines der Tiere, aber wer sich ein bisschen Zeit nimmt für die Bilder, der lernt viel über die Jäger der Nacht. Den Rest des Weges runter nach Hückeswagen lassen wir rollen. Jetzt denken wir zum ersten Mal an den Fahrradbus, der uns zurückfahren und die Steigung in die andere Richtung ersparen wird.

Der Bergische Fahrradbus, ermöglicht es allen Nutzern der Radwege, eine Strecke oder Teiletappe bequem im Bus zurückzulegen. Foto: Theresa Demski

Gut gelaunt erreichen wir zwei Stunden nach unserem Aufbruch Hückeswagen und legen ein Picknick im Rosengarten am Schloss ein. Ein Blick auf den Fahrplan im Rucksack zeigt: Um 13.36 Uhr startet der Fahrradbus in der Bahnhofstraße. Auf die Minute pünktlich lenkt Busfahrer Frank Tenzer den Bus an die Haltestelle. Heute ist nicht viel los, nur zwei Wanderer haben bereits Platz genommen. Während Frank Tenzer die Handschuhe überstreift und die Räder auf dem Anhänger befestigt, erzählt er vom Alltag im Fahrradbus. „Es herrscht immer eine schöne Stimmung“, sagt er, „die Menschen sind in Urlaubslaune und ihnen fehlt der Stress, der auf anderen Linien häufig mitfährt.“ Mit dem Bus geht es zurück Richtung Burscheid, bergauf und bergab – mit nur drei Zwischenhalten. Jedes Mal wartet Tenzer ein paar Minuten. Denn der Fahrplan ist so ausgelegt, dass er auch für das Be- und Entladen einige Minuten vorsieht. 50 Minuten später steigen wir am Alten Bahnhof in Burscheid wieder aus und geben die Räder zurück. Hochzufrieden. Das war Urlaub direkt vor der eigenen Haustür.

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