Vor 150 Jahren wurde die Postkarte erfunden, eine Sammlung aus Wermelskirchen

Thema 150 Jahre Postkarte : Die WhatsApp-Nachricht des 19. Jahrhunderts

Erfunden haben’s die Österreicher: Vor 150 Jahren wurde die „Corresponzenkarte“ für kurze Nachrichten als Alternative zum Brief eingeführt.

Die Ursprünge der Postkarte gehen sogar noch weiter zurück, bis ins 18. Jahrhundert. Aber es dauerte bis zum Jahr 1869, als die günstige Alternative zum Brief ihren Einstand feiern konnte. Für Motive war damals kein Platz, das sollte noch bis zum 20. Jahrhundert und der flächendeckenden Verbreitung des Drucks dauern. Aber auch heute noch, in Zeiten von WhatsApp, E-Mail und digitaler Massenkommunikation, verbreiten Postkarten Freude. So hat eine repräsentative Online-Umfrage von YouGov Deutschland im Auftrag von MyPostcard ergeben, dass sich 86 Prozent der Deutschen über eine Postkarte im Briefkasten freuen.

Für den Wermelskirchener Hobby-Historiker Claus Füllhase sind Postkarten aus einem ganz anderen Grund ein Quell der Freude: Er sammelt die bedruckten Pappkartons, die in der Regel im DIN A6-Standard-Format produziert werden – also exakt 14,8 mal 10,5 Zentimeter groß sind. Mehr als 1000 Exemplare aus der ganzen Welt und aus über 120 Jahren hat er in den vergangenen Jahren angesammelt.

Claus Füllhase zeigt einen Teil seiner großen Postkartensammlung. Foto: Solveig Pudelski

Für ihn sind auch nur die alten Postkarten von Bedeutung: „Neue und moderne Karten wirken immer so künstlich“, sagt Füllhase. Seine Sammlung hat durchaus einen nicht unbeträchtlichen Wert. Gut erhaltene historische Karten gehen auf entsprechenden Börsen für 15 bis 20 Euro über den Tresen, sagt Füllhase. Er habe auch schon entsprechende Angebote von Sammlern erhalten. „Aber ich will sie noch nicht abgeben“, sagt Füllhase.

Seit zehn Jahren ist der Wermelskirchener Postkartensammler. Ein bisschen ist er dazu wie die Jungfrau zum Kind gekommen, sagt er: „Eigentlich wollte ich gar nicht noch ein Sammelgebiet anfangen, aber dann habe ich sehr umfangreiche Nachlässe überlassen bekommen.“ Aber schon bald sei der Sammler in ihm durchgekommen, wie er schmunzelnd angibt: „Ich habe daran mittlerweile eine große Freude. Gleiches gilt für historische Fotografien aus dem bergischen Land, die sammele ich ebenfalls“, sagt Füllhase. Ein großer Teil seiner Postkarten-Sammlung kommt aus dem Nachlass von Friedrich Schumacher, dem ehemaligen WTV-Vorsitzenden. „Das Alter der Karten fängt 1898 an und geht bis etwa 1924. Es sind natürlich viele Sportlerbilder dabei, aber auch ganz typische Ansichtskarten mit Bildern verschiedener Städte“, sagt Fülllhase.

Die Karte zeigt den Kurpfälzischen Hof, der 1906 abgebrannt ist. Foto: Solveig Pudelski

Der Sammler bewundert vor allem die filigrane Fertigung der alten Karten. „Manchmal sind es zwar auch nur einfache Schwarzweiß-Karten, andere sind aber im aufwändigen Prägedruck gestaltet. Da hat man sich sehr viel mehr Mühe gegeben“, sagt Füllhase. Er hat auch eine große Sammlung an Karten aus Wermelskirchen, die bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts zurückdatieren.

Oben eine Aufnahme vom Freibad aus den 1960ern. Das Motiv unten ist Haus Eifgen. Foto: Solveig Pudelski

„Neue Karten sammele ich nicht“, betont Füllhase. Andere Sammelgebiete beschäftigen sich mit Schloss Burg, dem Altenberger Dom oder der Müngstener Brücke. „Postkarten sind wirklich hochinteressante Sammelobjekte“, sagt der Wermelskirchener.

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