Jüchen : So entstehen die 1000 Zalando-Jobs

Bei der gestrigen Grundsteinlegung im Regiopark wurde konkretisiert, wie der Versandhändler und die Arbeitsagentur die neuen Stellen besetzen wollen. Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) sparte nicht mit Lob am Logistikstandort.

So eine Grundsteinlegung ist auch nicht mehr das, was sie mal war. Zumindest kein Garant dafür, dass ein Bauprojekt bald startet. Im Falle von Zalando schon eher ein Nachweis dafür, mit welchem Hochdruck der Onlinehändler sein neues Logistikzentrum im Regiopark — im interkommunalen Gewerbegebiet der Gemeinde Jüchen und der Stadt Mönchengladbach — hochzieht. Denn als gestern David Schröder, Geschäftsführer von MyBrands Zalando eLogistics, Logistikchef Christoph Stark, Wirtschaftsminister Garrelt Duin, Mönchengladbachs Oberbürgermeister Norbert Bude und Andreas Fleischer vom Investor Goodman zur symbolischen Tat schritten, taten sie dies unter Bagger-Dröhnen und vor dem bereits stehenden Gerippe einer künftigen Halle. Auch Jüchens Bürgermeister Harald Zillikens war bei der Grundsteinlegung dabei.

Erst Ende September war der Deal festgezurrt worden, seit dem 19. Oktober wird gebaut. "Wir könnten heute eigentlich schon Richtfest feiern", sagte Bude. Runter wie Öl gingen ihm die vielen lobenden Worte aus Richtung Zalando, Goodman und Ministerium: Gladbach sei den "Strukturwandel erfolgreich angegangen" (David Schröder), die Lage "in namhafter Umgebung zu weiteren großen Marken" sei optimal (Andreas Fleischer), ein "bedeutendes Drehkreuz für Logistik" sei entstanden (Garrelt Duin).

Das alles ist schön und gut, doch was Zählbares einbringen wird, sind — neben der Gewerbesteuer — die 1000 Jobs, die im Regiopark nicht etwa von anderswo zusammengezogen werden, sondern völlig neu entstehen. Sie entstehen im Zweischichtbetrieb und in Vollzeit, sind sozialversicherungspflichtig, beinhalten betriebliche Altersvorsorge, Tarifbezahlung (8,53 Euro pro Stunde) sowie Zuschüsse zum VRR-Ticket. Und richten sich in erster Linie an Niedrigqualifizierte. "Zalando hat uns den Generalauftrag gegeben, ab Juli und bis zum Jahresende die ersten hoffentlich 500 Stellen zu besetzen", sagt Angela Schoofs, Leiterin der Agentur für Arbeit. "Hier entstehen Stellen für Menschen, die arbeiten wollen." Dafür richtet die Arbeitsagentur ab Juni ein eigenes Projektbüro an. Ab April/Mai wird rekrutiert, in einem Trainingscenter sollen die geeigneten Bewerber für je zwei Wochen qualifiziert werden, im Juli soll es die ersten 150 Einstellungen geben. "Der große Schwung kommt dann 2014", sagt Schoofs, die die Neuansiedlung als Segen für den Arbeitsmarkt in Gladbach und dem Rhein-Kreis Neuss begreift.

Bereits im April soll der erste Hallenabschnitt übergeben werden, die Fertigstellung ist für Juli geplant. Mehr als 10 000 Zalando-Pakete sollen künftig vom Regioparkring aus täglich verschickt, Millionen Artikel dort gelagert werden. Der Probebetrieb soll im Herbst starten. 78 000 Quadratmeter ist die Immobilie groß, außerdem hat Zalando die Option auf weitere 50 000. "Darüber wird später zu sprechen sein", sagt David Schröder, der mit seinem Kollegen Stark dem Mönchengladbacher Oberbürgermeister Bude bei einem ersten Ortstermin zunächst wie eine "Boygroup" vorkam — wegen ihres studentisch-jugendlichen Aussehens.

In Erfurt, wo Zalando bereits ein ähnliches Großlager errichtet hat, das in Kombination mit Gladbach künftig ganz Deutschland sowie 13 europäische Auslandsmärkte beliefern soll, zog das 2008 gegründete Unternehmen noch vor Eröffnung des Lagers die Option auf die Erweiterungsfläche.

(NGZ/jco)