Hockey : Drei Minuten fehlen zum Happy-End

Zehn Minuten durfte der HTC SW Neuss vom Verbleib in der Hallenhockey-Bundesliga träumen. So lange lag er im "Endspiel" gegen Düsseldorf in Front. Dann traf Maximilian Schröter zum 4:4 und stürzte Neuss ins tiefe Tal der Tränen.

Zehn Minuten durfte der HTC Schwarz-Weiß Neuss von einer weiteren Saison in der Hallenhockey-Bundesliga träumen. So lange, von der 48. bis zur 58. Minute des "Abstiegsendspiels" gestern Mittag lag der Deutsche Hallen-Vizemeister von 2008 gegen den Düsseldorfer HC in Führung. Dann verwandelte Maximilian Schröter die dritte von insgesamt sechs Strafecken der Gäste zum 4:4 – und stürzte die Neusser ins tiefe Tal der Tränen.

Ein entscheidender Moment: Patrick Lunau-Mierke hätte vier Minuten vor dem Abpfiff auf 5:3 erhöhen können, scheitert aber an DHC-Keeper Sebastian Folkers. Foto: Woitschützke, Andreas (woi)

Drei Minuten fehlten den Schwarz-Weißen zum Klassenverbleib, "doch verspielt haben wir den nicht heute", fasste Manager Stephan Busse eine Saison der vergebenen Chancen zusammen, um gleich darauf trotzig anzukündigen: "Egal. Das wirft uns nicht um. Jetzt steigen wir erst mal auf dem Feld wieder auf und dann sehen wir weiter."

Dort führen die Neusser einen Spieltag vor Ende der Hinrunde die Tabelle der Zweiten Liga Nord ohne Verlustpunkt an. Einen "Knacks" in der Siegermentalität des Erstliga-Absteigers fürchtet Trainer Andreas Bauch durch den Absturz in der Halle nicht: "Das spielt draußen keine Rolle. Da haben wir dann auch wieder einen größeren Kader." In der Tat scheiterten die Neusser unterm Hallendach an der fehlenden Breite im Aufgebot: Nach den haarsträubenden Fehlern, mit denen Thomas Zilkens die frühe 2:0-Führung der Gäste ermöglichte, hätte der übernervöse 22-Jährige eigentlich gar nicht mehr aufs Parkett gedurft. Doch Bauch benötigte in dieser Spielzeit jeden, der halbwegs geradeaus laufen konnte – und so war Zilkens an fünf Strafecken der Gäste und dem Siebenmeter, den Dominic Giskes zum 2:0 verwandelte, nicht unbeteiligt.

Den einen fehlt die Erfahrung auf schwarz-weißer Seite, die anderen haben ihren Hockey-Zenith überschritten: Vor ein paar Jahren hätte Patrick Lunau-Mierke, allein vor Sebastian Folkers, den Düsseldorfer Torhüter locker umspielt. So aber schoss er das Spielgerät auf dessen Schienbeinschoner – es wäre vier Minuten vor Schluss das 5:3 und der wohl ziemlich sichere Abstieg der zu diesem Zeitpunkt von einem leichten Fehler in den nächsten stolpernden Düsseldorfer gewesen. "Die waren nicht besser als wir, die haben uns nur durch Ecken und Siebenmeter besiegt", zog Stephan Busse Bilanz. Freilich: Auch Schwarz-Weiß erzielten alle Treffer nur aus Ecken. Spielerisch haben die Neusser in dieser Saison weitaus bessere Partien abgeliefert, vor allem im ersten Durchgang "waren wir mental und auch körperlich gar nicht richtig da", bemängelte Co-Trainer Oliver Peters einen Missstand, der nicht zum ersten Mal entscheidend war.

In kämpferischer Hinsicht boten sie den über 800 Zuschauern in der überfüllten Stadionhalle bis zur letzten Sekunde eine große Vorstellung, "da kann ich den Jungs keinen Vorwurf machen", meinte Bauch. Mit Blick auf das zwar nicht niveauvolle, jedoch packende Duell, die vollbesetzten Ränge und die Stimmung brachte ein DHC-Anhänger die Sache auf den Punkt: "In der West-Liga dürfte es eigentlich gar keinen Absteiger geben." Für Neuss ein schwacher Trost.

(NGZ)