Wahlkampf : FDP will auf kleine Plakate verzichten

Neuer Vorstoß: Die Liberalen wollen mit Blick auf den Wahlkampf sehr behutsam mit Plakaten umgehen. „Normalerweise werden sechs Wochen vor der Wahl dann die Bäume in unserer Stadt mit schönen, weniger schönen, kreativen oder auch sehr wenig aussagenden Plakaten zugehängt“, meint der neue FDP-Chef Alexander Steffen.

Das Ärgernis ist wieder da, und es hat bereits Tradition: Wahlplakate verschandeln die Natur, zum Beispiel die Bäume am Hauser Ring. Hintergrund: Am 13. September stehen die Kommunalwahlen an. Die Parteien haben sich zuletzt in diversen Wahlversammlungen personell aufgestellt und stecken nun in den Vorbereitungen für den Wahlkampf. Besonders viel Zeit, Geld und Mühen werden dabei in Plakate gesteckt. „Normalerweise werden sechs Wochen vor der Wahl dann die Bäume in unserer Stadt mit schönen, weniger schönen, kreativen oder auch sehr wenig aussagenden Plakaten zugehängt“, meint der neue FDP-Chef Alexander Steffen.

Immer wieder bekomme man zu hören, dass diese Plakate das Stadtbild massiv stören, Bäume beschädigt werden und Dreck übrig bleibt. Selten bis nie habe man das Gefühl, dass der Bürger, der ja auch zugleich Wähler ist, sich über die Auswahl an Plakaten wirklich freut, kommentiert Steffen.

Was aus seiner Sicht klar ist: Es braucht einen intensiven Wahlkampf. Es muss jeder mitbekommen, dass Wahlen anstehen und zwischen den Parteien sehr wohl Unterschiede bestehen. Daher benötige man Werbung im öffentlichen Raum, wie beispielsweise Großflächenwerbung an Hauptstraßen oder Werbung an Bushaltestellen. Dazu kommen die Infostände und der direkte Austausch mit den Kandidaten sowie der Posteinwurf von Flyern und Broschüren.

Und ebenfalls bietet der digitale Raum unendlich viele Möglichkeiten der Werbung an. Bei so vielen Möglichkeiten stellt sich aus Sicht von Steffen deswegen die Frage: Sind Plakate an den Bäumen in der heutigen Zeit noch angemessen und notwendig?

Die FDP prescht nun vor und möchte allen Parteien und Bürgern nach eigenen Angaben ein faires Angebot machen. Die Liberalen fordern auf: „Verzichten wir alle gemeinsam auf kleine Plakate im Wahlkampf. Schonen wir unsere Umwelt, sparen wir unsere Kräfte, lassen wir unser Stadtbild während des Wahlkampfs in Frieden, investieren wir unser Geld in sinnvollere Projekte. Gehen wir mit Ratingen vorweg und setzen ein Zeichen der Vernunft!“

Eine erste Reaktion auf den Vorstoß kommt von der Alternative für Deutschland (AfD): „Seitens des Stadtverbandes der AfD in Ratingen begrüßen wir diesen Vorschlag und unterstützen ihn. Ich persönlich habe beim Plakatieren die gleichen Erfahrungen gemacht. Es war den Bürgern unserer Stadt schwer zu erklären, dass das Plakatieren zwar an Bäumen erlaubt, an Masten hingegen untersagt ist.“ Dies betonte Bernd Ulrich, der Sprecher des AfD-Stadtverbandes.

Zuletzt hatte es Ärger bei der Landtagswahl 2017 gegeben. Auch damals gab es Plakate an Bäumen. Die Stadt betont, dass man im Grunde keine ordnungsrechtliche Handhabe gegen dieses wilde Plakatieren habe. Man müsse lediglich darauf achten, dass die Plakate nicht die Verkehrssicherheit gefährden. Das Rennen um die besten Plakat-Plätze nahm damals teilweise groteske Formen an: So kam es vor, dass an einer Laterne gleich mehrere unterschiedliche Portraits hingen – von unten nach oben aufgereiht.

Möglicherweise könnte es auch vor der Kommunalwahl wieder so sein. Einige Beobachter befürchten den Effekt, dass andere Parteien mit dem wilden Plakatieren nachziehen werden. Die ersten Plakate mit dem Konterfei von Bürgermeister Klaus Pesch, der für die CDU kandidiert, hingen bereits in der vergangenen Woche am Hauser Ring.