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Heiligenhaus: Start in den "Kleinen Kultursommer"

Heiligenhaus : Straßenpremiere für den Kultursommer

Die Theatergruppe „Drama Hilinci“ eröffnete das Mini-Festival des Kulturbüros. Mit ganz viel Nostalgie machte sie die Straße zur Bühne. Das Motto der Heiligenhauser Truppe: „Theater statt Fest“.

Na, wer erinnert sich? An Gummitwist und Kicken mit den Freunden auf der Straße oder dem Schulhof? An Telefone mit Schnur, bei denen buchstäblich jede Minute zählte? Oder an das Lagerfeuer auf Klassenfahrt in Bergneustadt? Wer hatte auch die Nachbarin mit Schürze, die mit dem Besen und dem Staubwedel in der Hand, resolut auf die Einhaltung der Mittagspause von 13 bis 15 Uhr pochte? Und wer vermisst sie in diesem Jahr auch, so manche liebgewonnene Stadtfest-Tradition?

Am Samstag lud eine ganz besondere Reisegruppe zu einer „Magical Myster Tour“ in die Erinnerung ein und zeichneten mit wenigen Kniffen bunte Szenen in den Alltag - und die dürften bei so ziemlich jedem der Zuschauer den Diaprojektor im Kopf angekurbelt haben. Die Zuschauer, die saßen am Samstag am heimischen Fenster oder Balkon auf einem Logenplatz und konnten von daheim die Darbietung der Theatergruppe „Drama Hilinci“ erleben. Mit einer halbstündigen Premiere eröffneten sie am Wochenende auf einem Wendehammer in der Unterilp den „Kleinen Kultursommer“ des Kulturbüros - an einem Samstag, an dem eigentlich der dritte Tag des Stadtfest wäre, mit Trödelmeile, Beachvolleyball-Turnier und Livemusik auf dem Rathausplatz. Mit dem „Kleinen Kultursommer“, der neben dem Straßentheater noch sieben Termine zu Wendekammer-Konzerten im Gepäck haben wird, hat das Kulturbüro kurzerhand ein Angebot entwickelt, das auch bei sonst kritischen Stimmen gut ankommt. An gleich vier Orten stand am Wochenende Nostalgie auf dem Programm. In einer kleinen Online-Umfrage hatte Regisseurin Ute Kranz die Heljenser nach Erinnerungen gefragt, aus den Fragmenten und Improvisationen der Darstellerriege ist ein gut halbstündiges Stück entstanden – in denen Szenen und Bilder auf die Straßen gemalt wurden, mit denen viele etwas verbinden können. Über Kindheit und Klassenfahrt, über Heljensbad-Besuche und Stadtfest. Und dank des lebendigen Spielortes wurde auch das Ausparken der Anwohner quer über die Spielfläche kurzerhand zum Element des Stücks improvisiert. Und so gab es auch für die neun Schauspielerinnen, einen Schauspieler und die Regisseurin ein paar Premieren – in die sich alle schwungvoll in die wohl länger aufgestauter Spielfreude warfen. Mit Applaus hatten sie zwar, wegen der Entfernung zum Publikum nicht gerechnet, den gab es aber trotzdem und zwar höchst verdient. „Ich hätte noch viel länger zuschauen können“, fand da eine Zuschauerin – und steckte kurz danach in einem Gespräch über Gummitwist, Finger-Fadenspiele und Süßigkeiten, die es früher für ein paar Pfennig gab. Ute Kranz: „Wir wollen die Menschen auf andere Gedanken bringen.“ Mission gelungen, Fortsetzung erwünscht.