Krefeld: Kripo sucht Brandstifter aus der Todesnacht

5000 Euro Belohnung in Krefeld : Kripo sucht Brandstifter aus der Todesnacht

Bei dem Hausbrand an der Spinnereistraße starben zwei Menschen. Die Polizei sucht mit Foto und Video einen Mann, der in der Nähe des Tatorts einen Container angezündet hat.

Die Kripo hat eine erste Spur im Fall der Brandstiftung an der Spinnereistraße, bei der zwei Menschen gestorben sind: Auf Beschluss des Amtsgerichts fahndet die Polizei mit einem Foto und Video nach einem Brandstifter. Der Mann hat in der Brandnacht am Donnerstag, 12. September, gegen 3 Uhr auf dem Gelände der Firma Lidl an der Gladbacher Straße einen Abfallcontainer angezündet. „Nach derzeitigem Ermittlungsstand handelt es sich bei der Brandursache um eine vorsätzliche Brandstiftung“, teilt die Polizei mit. Der männliche Tatverdächtige war mit einer blauen Jeanshose bekleidet und trug dunkle Schuhe. Er trug außerdem dunkle Oberbekleidung mit Kapuze und hell abgesetzten Ärmeln. Der Lidl-Tatort liegt in unmittelbarer Nähe des Brandhauses. Foto und Video des Tatverdächtigen unter https://polizei.nrw/fahndungen/unbekannte-tatverdaechtige/krefeld-vorsaetzliche-brandstiftung. „Ob ein Zusammenhang zwischen dem Containerbrand und dem Brand des Mehrfamilienhauses an der Spinnereistraße in derselben Nacht besteht, wird derzeit geprüft“, so die Kripo. „Die Ermittlungen dauern an.“ Die Staatsanwaltschaft hat eine Belohnung in Höhe von 5000 Euro ausgelobt.

Die Polizei Krefeld sucht diesen Mann. Foto: Polizei Krefeld

Ein rumänisches Ehepaar war in der Dachgeschosswohnung an der Spinnereistraße ums Leben gekommen. Nach Informationen der Polizei soll der Brand ebenfalls gegen drei Uhr im Bereich hinter der Haustür des der dreigeschossigen Gebäudes ausgebrochen sein. „Ein möglicher technischer Defekt, der das Feuer verursacht haben könnte, ist mittlerweile ausgeschlossen“, erklärt Oberstaatsanwalt Axel Stahl. Der Staatsschutz ist in die Untersuchungen eingeschaltet. „Wir ermitteln in alle Richtungen“, so Stahl. Sowohl eine „externe als auch eine interne Brandstiftung“ sei möglich. In dem Haus sollen mindestens 20 Personen gewohnt haben. „Natürlich überprüfen wir ebenfalls, ob es zwischen den Bewohnern Streitigkeiten gegeben haben könnte“, ergänzt der Staatsanwalt.

Auch das Umfeld um das Brandhaus, in dem vor allem Rumänen gemeldet waren, hat die Polizei umfassend untersucht. Eine Mordkommission versucht, den möglichen Tatablauf zu rekonstruieren. „Wir haben Anwohner in mehr als 50 Häusern auf der Spinnereistraße und der Gladbacher Straße befragt“, erklärt eine Sprecherin der Polizei. Nach Informationen unserer Redaktion sollen rund 600 Menschen im Südbezirk angesprochen worden sein. Neben Experten der Kripo waren auch Bereitschaftspolizisten unterwegs. „Die Ergebnisse werden derzeit zusammengetragen und ausgewertet“, erklärt Stahl.

Bei den beiden Todesopfern handelt es sich um eine 46-Jährige und ihren 47 Jahre alten Ehemann. „Das Paar wohnte in der obersten Etage, es hatte keine Chance“, so ein Polizist in der Brandnacht. Das hölzerne Treppenhaus habe in Flammen gestanden und den Fluchtweg versperrt. Drei Verletzte die unter anderem über Drehleitern und Sprungkissen gerettet und anschließend ins Krankenhaus eingeliefert worden waren, haben die Klinik inzwischen alle wieder verlassen. „Der Brandschutzsachverständige hat seine Arbeit in dem Gebäude inzwischen abgeschlossen“, ergänzt die Polizei.

Vielen Menschen im Südbezirk waren die Zustände in dem Haus schon lange nicht geheuer gewesen. „Dort lebten zeitweise 50 Leute, fünf waren gemeldet“, berichtet Bernd Albrecht, Vorsitzender des Bürgervereins Lehmheide. Er habe seit Jahren vor den Zuständen gewarnt, auch in der Bezirksvertretung. Die Menschen in dem Gebäude hätten dort mehr gehaust denn gewohnt. Es waren Südosteuropäer; Schrotthändler, die ihren Schrott in mehreren Garagen gelagert hätten. „Kühlschränke, Autoreifen, Fahrräder“, so Albrecht. Auch wenn eine Garage einmal polizeilich geräumt worden sei – für Albrecht ist klar, dass sich die Behörden zu wenig um das Haus, seine Bewohner und ihr Gewerbe gekümmert haben.

Die Stadt hat sich ebenfalls in die Ermittlungen sowie die Betreuung der rumänischen Bewohner eingeschaltet. „Die Stadt Krefeld beherbergt in der Unterkunft an der Feldstraße derzeit fünf Personen infolge des Brandes an der Spinnereistraße“, erklärt eine Sprecherin. Eine Familie – zwei Erwachsene und ihr 17-jähriges Kind – sowie zwei alleinstehende Männer haben dort vorerst eine Bleibe gefunden. „Wir haben keine Kenntnis davon, wo die anderen Bewohner untergekommen sind“, ergänzt die Verwaltung. Und: Die städtische Bauaufsicht kann erst am Montag etwas zur Situation des Gebäudes sagen, da noch „Abstimmungen“ laufen. Ermittler, die in der Brandnacht vor Ort waren, hatten nur unter schwierigsten Bedingungen ihre Arbeit durchführen können, da nicht auszuschließen war, dass das Gebäude einsturzgefährdet ist. So wurde der Korb der Drehleiter eines Feuerwehrfahrzeugs mehrere Male über dem teilweise offenen Dach des stark beschädigten Altbaus positioniert. Von dort aus versuchten sich Experten ein erstes Bild der Lage zu machen. Sie kletterten schließlich durch ein Fenster ins Obergeschoss, in dem die Leichen lagen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Brand in Mehrfamilienhaus in Krefeld

(mba)
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