Krefeld: Ex-KFC-Spieler Erhan Albarak ist Trainer in der B-Juniorinnen-Bundesliga

Ehemaliger Spieler und Trainer des KFC Uerdingen : Was macht eigentlich... Erhan Albarak?

Der Rekordtorschütze der türkischen U21-Nationalmannschaft war als Spieler und Trainer für den KFC Uerdingen aktiv. Zuletzt spielte er beim Budenzauber für die Traditionsmannschaft „Uerdinger Legenden“. Jetzt hat der 42-Jährige einen neuen Trainerjob angenommen: als Coach des Aufsteigers in die B-Juniorinnen-Bundesliga Harburger TB.

Es war im Dezember 2009, als Selim Özdemir ziemlich große Augen machte. Da hatte ihm der damalige Vorsitzende des KFC Uerdingen, Agissilaos „Lakis“ Kourkoudialos, mitgeteilt, wer denn demnächst sein neuer Mannschaftskollege sein würde: Erhan Albayrak. „Wirklich DER Erhan Albayrak?“, hatte Özdemir, der heute in der zweiten türkischen Liga bei Sivas Belediye Fußball spielt, mit ungläubigem, ja schon fast ehrfürchtigem Blick gefragt. Lakis, der kurze Zeit später auch noch den Transfer von Ailton bekannt geben sollte (der damit den Coup von Albayraks Verpflichtung deutlich in den Schatten stellte), nickte mit einem Grinsen.

Ja, er hatte eben jenen Erhan Albayrak verpflichtet – der allerdings im deutschen Fußball nicht vielen ein Begriff war. Wohl aber im türkischen: Er war einst Kapitän der türkischen Nationalmannschaft der unter 21-Jährigen, absolvierte von 1998 bis 2000 in diesem Team 24 Spiele für sein Heimatland und schoss dabei sieben Tore – ein Wert, der heute noch Rekord in der Türkei ist.

Bei der Verpflichtung: Erhan Albayrak und mit dem damaligen KFC-Präsidenten Lakis. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Schon vorher hatte der gebürtige Hamburger eine Karriere als Profi eingeschlagen. Seit 1990 beim Hamburger SV, war er 1993 zu Werder Bremen gewechselt, und unter dem damaligen Trainer Aad de Mos durfte er 1995 gegen Fortuna Düsseldorf erstmals Bundesliga-Luft schnuppern. Im gleichen Jahr sammelte er auch international Erfahrung, als er im Spiel des UEFA-Cup gegen Glenavon FC für Mario Basler eingewechselt wurde.

Nach der Saison begann für ihn eine ständiger Wechsel der Clubs. Zunächst ging er in die Türkei zu Kocaelispor, um weitere Umwege ging es dann 2001 in die Zweite Bundesliga zur Bielefelder Arminia (43 Einsätze, Aufstieg in die Bundesliga), wieder zurück in die Türkei zu Fenerbahce Istanbul und, mit vier weiteren Stationen, schließlich zum KFC Uerdingen, der damals in der sechsten Liga spielte, wo die Gegner plötzlich SV Hönnepel-Niedermörmter & Co. hießen und es auch Partien auf Plätzen gab, auf denen Butterblümchen wuchsen.

Als Kapitän führte Erhan Albayrak den KFC zum Aufstieg in die NRW-Liga. 16 Treffer steuerte der Mittelfeldspieler dazu bei. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Am 1. Januar 2010 begann sein Vertrag in Krefeld, aber erst in der Saison danach schaffte der Club den Aufstieg in die NRW-Liga. Albayrak war seinerzeit Kapitän, und 16 Tore steuerte der offensive Mittelfeldspieler zu dem Erfolg bei. Anschließend wechselte er, ziemlich überraschend (und zum Unmut von so manchem Fan), zu TuRU Düsseldorf.

Knapp ein Jahr später kehrte er überraschend zum KFC zurück – gemeinsam mit dem ehemaligen Uerdinger Torwart Ronny Kockel beerbte er den glücklosen Trainer Jörg Jung bis zum Ende der Saison. Dann kam Eric van der Luer, den Albayrak ähnlich überraschend wie zwei Jahre zuvor auch schon beerbte. Allerdings endete die Trainerstation schlagartig: Bereits zwei Spiele später musste Albayrak wieder gehen, ihn beerbte sein damaliger Co-Trainer Murat Salar. 2016 ging er als Trainer zu Rot-Weiß Ahlen, von dort zum FSV Duisburg.

Gemeinsam mit Murat Salar trat Erhan Albayrak seinen zweiten Trainerjob in Uerdingen an. Salar beerbte ihn nach seinem Ausscheiden als Chefcoach. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Seit diesem Sommer nun hat der inzwischen 42-Jährige Neuland betreten: als Trainer der B-Juniorinnen-Mannschaft des Harburger TB, der so eben in die Bundesliga aufgestiegen ist. „Ich wohne nur 500 Meter von der Platzanlage entfernt und habe vor zweieinhalb Jahren noch für die erste Mannschaft des Vereins in der Landesliga gespielt. Bei den U 17-Juniorinnen ist Aufstiegstrainer Can Özkan nun auf die Position des Managers gewechselt. Ich will als neuer Trainer sein Werk beim Harburger TB fortsetzen“, sagte Albayrak, der 2016 seine Trainer-A-Lizenz bestand, jetzt in einem Interview mit fussball.de. Eine reizvolle Aufgabe: „Eine Bundesligamannschaft trainieren zu dürfen, egal in welcher Liga, ist ein Privileg. Ich habe noch nie eine Jugendmannschaft betreut und damit absolutes Neuland betreten. Mein Ziel ist es, die Spielerinnen besser zu machen. Auch als Bundesligatrainer einer Juniorinnenmannschaft steht man im Rampenlicht. Wir haben mit dem VfL Wolfsburg, SV Werder Bremen und dem Hamburger SV auch sehr viele attraktive Gegner.“

Seine Karriere als aktiver Fußballprofi hat er inzwischen beendet, auch wenn er in der vergangenen Saison noch einige Male für den Harburger TB in der Landesliga mitgespielt hat. „Ich spiele neben der Traditionsmannschaft von Werder Bremen nur noch für die Alten Herren des Hamburger SV. Dort stehe ich unter anderem mit Michael Oenning, Richard Golz oder HSV-Legende Peter Nogly auf dem Platz. Ich habe seit 2016 die A-Lizenz als Trainer und möchte mittelfristig auch Fußball-Lehrer werden“, sagt Albayrak. Und auch für den KFC Uerdingen ist er nach seiner Profi-Karriere noch einmal aufgelaufen: in der Reihen der „Uerdinger Legenden“, jene Traditionsmannschaft, die beim „Budenzauber“ in Krefeld mit am Start war.

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