Krefeld: Fußball-Drittligist KFC Uerdingen beschäftigt Videoanalyst Patrick Dippel

Videoscouting beim KFC : Patrick Dippel: Filme aus der Vogel-Perspektive

Der 38-Jährige gehört seit dieser Saison dem Trainerstab des KFC Uerdingen an. Seine Aufgabe sind Videoaufnahmen aus großer Höhe.

Nein, Videoassistent oder auch Videoscout  möchte er nicht genannt werden. „Spielanalyst ist die korrekte Bezeichnung für das, was ich im Trainerstab tue“, sagt der 38-jährige Patrick Dippel, der seit Mai dieses Jahres zur Gilde der Assistenztrainer beim KFC Uerdingen zählt – auf ausdrücklichen Wunsch des neuen Cheftrainers Heiko Vogel.

Das Aufnehmen von Spiel- und Trainingseinheiten auf Video gab es beim KFC schon seit vielen Jahren. Fans, die dem Verein sehr nahe standen, stellten ihr Videoequipment zur Verfügung und versorgten die Trainer – gleich ob sie Eric van Luer, Michael Boris, André Pawlak, Michael Wiesinger oder Stefan Krämer hießen – mit selbst gebrannten DVDs. Jetzt aber ist auch dieser Bereich professionalisiert und das auf höchstem Niveau, denn Patrick Dippel darf mit aller Bescheidenheit als Mann der Ersten Stunde in diesem Bereich bezeichnet werden.

Das Arbeitsgerät von Patrick Dippel: Auf dem sieben Meter hohen Mast ist eine Kamera befestigt, mit der er Bilder von den KFC-Spielen macht. Auf der Halterung ist ein Bildschirm montiert, mit der er die bewegten Bilder direkt sehen kann. Foto: Revierfoto

Im Jahr 2005 – Dippel studierte gerade Politologie in Bonn (was er später auch mit dem Magister abschloss) – sprach ihn ein Freund, der an der Sporthochschule Köln studierte, auf ein Projekt des DFB an, das WM-Scouting 2006 hieß. Dippel, der in seiner nordhessischen Heimat selbst im oberklassigen Amateurbereich gespielt hat, war sofort Feuer und Flamme. Dippel erstellte Spieler- und Mannschaftsprofile des Teams von Costa Rica, dazu lieferte er  leistungsimmanente Informationen zum deutschen Auftaktgegner der WM 2006. 4:2 für Deutschland endete die Partie für das von Jürgen Klinsmann trainierte Team. Eine Urkunde, die vom heutigen Bundestrainer Joachim Löw unterzeichnet ist, erinnert ihn noch heute. Mit diesem Ritterschlag versehen folgten von 2008 bis 2015 sieben Jahre bei der weltweit agierenden STATS Analytics Deutschland GmbH. Eine Firma, die als Komplettanbieter für sämtliche Anforderungen im Sportbereich agiert. Datenfeeds, gehostete Weblösungen, Sportinhalte, Fantasy-Projektionen oder Spielernachverfolgungstools – all das entwickelte der Inhaber der Trainer B-Lizenz mit. Zu seinen Kunden zählten Schweizer Vereine wie der FC St. Gallen oder die Grasshopper Zürich, die Fußballverbände von Serbien oder Weißrussland aber auch deutsche Erstligisten wie der VfB Stuttgart, Bayer Leverkusen und der FC Bayern München, der Dippel von 2015 bis 2017 dann persönlich haben wollte. Hier kreuzten sich die Wege von Vogel und Dippel und –„obwohl wir beide grundverschieden sind“, so Dippel – arbeiten wir seit der Zeit immer zusammen, so auch bei Sturm Graz, wo der Sieg im österreichischen Pokal gelang. Eigentlich stand Dippel gerade vor einem Engagement bei der FIFA in Zürich, als Vogel anrief und ihn vom Projekt des KFC begeisterte. Stattliche sieben Meter hoch ist der eigens für ihn angeschaffte fahrbare Kameramast, den Dippel bei jeder Trainingseinheit oder jedem Testspiel des KFC aufbaut. Mannschaftsbetreuer Andreas Bosheck musste eigens einen größeren Transporter anmieten, um diesen Mast und das sonstige Equipment  ins Trainingslager ins österreichische Werfenweng zu transportieren. Dippel sieht man häufig an dem Monitor sitzen, der unten an dem Mast angebracht ist. Dazu stehen ihm alle benötigten Softwareprogramme zum Auslesen und Werten zur Verfügung. „Ich habe Mikhail Ponomarev mein Konzept vorgestellt, und er ist mir in jedem Punkt gefolgt, hat meine sämtlichen Wünsche erfüllt“, sagt Dippel über den starken Mann im Uerdinger Fußball. Und bereut von daher seine Entscheidung, nicht zur FIFA sondern zum KFC zu gehen, in keiner Weise.

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