KFC Uerdingen: Warum Maximilian Beister den Elfmeter schießen durfte

Gerangel vor Strafstoß : Beister genießt großes Vertrauen beim KFC Uerdingen

Der Offensivspieler Maximilian Beister des KFC Uerdingen erzielt gegen den VfL Osnabrück sein elftes Saisontor und führt damit die Torschützenliste der Blau-Roten an. Doch wie es dazu kam, offenbarte auch etwas über die Hierarchie im Team.

Zwölf Minuten vor dem Spielende der Begegnung zwischen dem KFC Ueridngen und dem VfL Osnabrück wird Stefan Aigner in die Zange genommen und gefoult. Schiedsrichter Timo Gerach aus Landau zeigt auf den ominösen Punkt. Maximilian Beister geht Richtung Ball, doch bevor er ihn aufnehmen kann, schnappt sich Roberto Rodriguez das Spielgerät. Beister ist verdutzt. Doch bevor er dazu etwas sagt oder aktiv wird, eilen Manuel Konrad und Dominic Maroh herbei. Sie nehmen dem Schweizer kurzerhand den Ball ab und drücken ihn Maximilian Beister in die Hand. Der legt ihn sich zurecht und trifft zum 1:3 ins Netz. Es ist bereits das elfte Saisontor des Torjägers, das zweite vom Elfmeterpunkt.

Wir konnte es zu dieser Unstimmigkeit kommen? Rodriguez ist auch ein sicherer Schütze vom Punkt aus. 14 Mal trat er in der Schweiz für den FC St. Gallen und den FC Zürich zum Strafstoß an, nur einen einzigen hat er verschossen. Mit diesem Selbstbewusstsein schnappte er sich den Ball, um auch beim KFC seine Stärke zu demonstrieren. Doch der erst Ende Januar gekommene Mittelfeldspieler wurde von seinen Mitspielern gestoppt – in der Hierarchie ist er nach zweieinhalb Monaten noch nicht so weit oben angekommen.

Das wiederum ist freilich nicht verwunderlich. Maximilian Beister hingegen hat sich den Status eines Leistungsträgers in den 15 Monaten seines Engagements beim KFC erarbeitet. Erst hat er die Uerdinger mit seinen Toren sowie den Vorbereitungen in die Dritte Liga geschossen, dann war zwar etwas Sand im Getriebe, doch seit November ist er wieder in Form. Mehr noch, er hat sich in der Krise als Führungsspieler erwiesen. Seine Einstellung war vorbildlich, seine Leistung meist gut, seine Erfolgsquote immer besser. In den zurückliegenden sechs Pflichtspielen traf er in fünf Begegnungen jeweils einmal.

Damit hat sich Beister innerhalb der Mannschaft einen heraus gehobenen Status erarbeitet, was gegen Osnabrück deutlich wurde. Obwohl es nicht sein bester Tag war, vertrauten ihm seine Mitspieler und gaben ihm den Ball.

Dieses kleine Gerangel um den Ball war für Trainer Frank Heinemann kein Problem. „Es spricht doch für die Spieler, wenn sie sich das zutrauen“, sagte der Coach entspannt. „Die Spieler haben das doch gut geregelt.“ Heinemann bestätigte, dass es von ihm keine Vorgaben bezüglich des Schützen gibt. „Es muss der schießen, der sich sicher fühlt. Maxi hatte die letzten geschossen, von daher war es doch völlig okay.“ Dass es ohne klare Absprache zum Streit oder zumindest zu einer Irritation des Schützen kommt, befürchtet Heinemann nicht. Beister, der die Nerven behielt, bestärkt ihn in der Auffassung. Der verwandelte Elfmeter reichte freilich nicht, um die Niederlage zu verhindern. „Aber ganz, ganz viele Dinge haben geklappt“, sagt Heinemann. Auch die Wahl des Elfmeterschützen.

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