Heimatbesuch für’s Comeback Weigls Verletzung ist für ihn und Borussia sehr bitter

Mönchengladbach · Mittelfeldspieler Julian Weigl hat sich einen Teilriss des Syndesmosebandes zugezogen, er wird Borussia mindestens bis Anfang April fehlen. Für den Klub und für den Spieler ist das auch verschiedenen Gründen sehr bitter.

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Foto: Jens Dirk Paeffgen/Jens Dirk Paeffgen (jdp)

Bis zum Schalke-Spiel war alles in Ordnung für Julian Weigl. 13 Spiele in Folge gehörte der Sechser zu Borussias Startelf und verpasste keine Minute. Dafür hat er sich von Benfica Lissabon nach Gladbach ausleihen lassen: Er wollte zurück in die Bundesliga, vor allem wollte er wieder regelmäßig spielen. Das durfte er beim portugiesischen Top-Klub nicht mehr, so recht passt der ausgemachte Ballbesitzspieler nicht ins Konzept des deutschen Trainers Roger Schmidt bei Benfica.

Dann kam das Spiel gegen Schalke, das Weigls Lauf beendete. Er sah seine fünfte Gelbe Karte und wurde nach 60 Minuten ausgewechselt, weil Trainer Daniel Farke, ein großer Fan des Weigl’schen Spiels, etwas für die Offensive tun wollte durch die Hereinnahme Alassane Pleas. In gewisser Weise war die damit verbundene Rückversetzung Christoph Kramers auch ein Vorgriff auf das nächste Spiel, in dem Weigl gesperrt sein würde: Kramer konnte sich 30 Minuten wieder als Sechser akklimatisieren. Dass Weigl den Job nach seiner Rückkehr wiederbekommen würde, war aber ausgemachte Sache. Beim 1:4 gegen Hertha BSC setzte er aus.

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Foto: dpa/Swen Pförtner

Dann handelte er sich jedoch einen Magen-Darm-Virus ein und verpasste einige Trainingseinheiten im Vorfeld des Bayern-Spiels – das kostete ihn die Startelfteilnahme. Weigl wurde nach 56 Minuten eingewechselt, doch dann kam der folgenschwere Zweikampf mit Leroy Sané, Weigl machte zunächst weiter, musste aber kurz vor Schluss wieder raus.

Nach dem Sieg schickte er noch einen Post bei Twitter raus mit einem Jubelfoto und dem Ergebnis des Bayern-Spiels, tags darauf war der Ton weit gedämpfter: „Manchmal liegen Freude und Leid nah beieinander. Ich falle leider die nächsten Wochen aus“, schrieb der Mittelfeldspieler. Zuvor hatte Borussia die Diagnose der MRT-Untersuchung bekannt gegeben: Weigl hat einen Teilriss des Syndesmosebandes. Operiert wird er nicht, aber es wird dauern.

In der Hinrunde feierte Weigl beim 0:1 gegen Mainz 05 ein Kurzzeit-Debüt, danach gegen Freiburg gehörte er erstmals zur Startelf. Nun begann in der Woche vor dem Mainz-Rückspiel die Arbeit am Comeback. Der Kreis schließt sich anders, als Weigl gedacht hatte. Statt mit Borussia in Mainz zu spielen, postete er Bilder aus München, wo er in der Nähe seiner Heimat offenbar Teile seiner Reha absolviert. Auch bei seinem Jugendklub 1860 München schaute er vorbei.

Für Weigl ist es die zweite große Verletzung seiner Karriere. 2017 zog er sich, damals noch beim BVB angestellt, einen Bruch des Sprunggelenks zu, da fehlte er über drei Monate. Mindestens bis Anfang April wird es nun dauern, bis Weigl wieder spielbereit ist, das hat Daniel Farke gesagt. Die Verletzung dürfte Weigl mindestens sechs Spiele kosten. Das bei Eintracht Frankfurt Mitte April könnte ein (sehr frühes) erstes Ziel sein. Realistischer als möglicher Termin für die Rückkehr ist darauf die Woche der Vergleich mit Union Berlin.

Für Borussia und Weigl ist das enorm bitter. Es geht in die entscheidende Phase der Saison und mit dem Sechser fehlt Farke nun eine Stammkraft. „Das ist ein bitterer Rückschlag für uns, weil Julian für unser Spiel eine hohe Wertigkeit hat. Das ist ungefähr so, wie wenn Joshua Kimmich bei den Bayern fehlt“, sagte Farke.

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Foto: Dirk PŠffgen/Dirk Paeffgen (dirk)

Was es doppelt schwierig macht: Weigl ist nur für die laufende Spielzeit ausgeliehen. Über die Saison hinaus hat er einen Vertrag bei Benfica, doch mit Schmidt als Trainer liegt in Portugals Hauptstadt nicht seine Zukunft. Darum wollte er sich zeigen, den Borussen, aber auch der Bundesliga, falls es mit dem endgültigen Kauf der Gladbacher nichts wird. Nun „verschwindet“ Weigl in der Reha.

Gladbach ist eigentlich der Klub, der ihn möchte und bei dem er sich vorstellen kann, zu spielen, das haben beide Seiten kommuniziert. Dass die Borussen nun mit Mo Dahoud in Verbindung gebracht werden, spricht nicht gegen Weigl. Er ist ein ganz anderer Sechser-Typ als Dahoud, der eher ein Ersatz für Manu Koné wäre. Das Duo Weigl/Dahoud gab es beim BVB 34-mal und einmal in der U21. Ob das auch für Gladbach eine Option wird, bleibt abzuwarten.

Julian Weigl fällt wohl gut acht Wochen aus.

Julian Weigl fällt wohl gut acht Wochen aus.

Foto: dpa/David Inderlied

Eine Handvoll Spiele bleiben Weigl wohl übrig, bevor seine Zeit in Gladbach – Stand jetzt - vorerst abläuft. Doch dürfte Weigls Zukunft in seiner Abwesenheit ein Thema sein, denn die Planungen für die neue Saison laufen und entsprechend ist Borussia mit Benfica in Kontakt. „Ich glaube, die Chancen für einen endgültigen Wechsel im Sommer sind höher als viele vermuten. Das hat zum einen damit zu tun, dass Gladbach und Julian diesen Wechsel wollen, aber vor allem, weil Benfica ebenfalls großes Interesse hat den Spieler zu verkaufen“, sagte zuletzt Duarte Monteiro, Benfica-Experte bei „ZeroZero“ und „Elevensports“, unserer Redaktion.

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