Ungewollte Rotation Borussias seltsame Torwart-Saison setzt sich fort

Mönchengladbach · Fünf Torhüter hat Borussia Mönchengladbach in dieser Saison in 24 Pflichtspielen schon eingesetzt. Welche kuriose Konstellation es außerdem gab und wie die personelle Lage vor dem Freiburg-Spiel auf der Torwart-Position ist.

Noten Borussia Mönchengladbach: Einzelkritik zum 0:4 in Mainz
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Mainz - Borussia: die Fohlen in der Einzelkritik

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Foto: dpa/Thomas Frey

Der Freitag kannte aus Sicht von Borussias Torhüter-Trio nur Verlierer – und das nicht nur wegen der 0:4-Pleite. Jonas Omlin verletzte sich in Mainz bei einem Pass, der obendrein das 0:1 einleitete. Ersatzmann Tobias Sippel kam rein und musste noch dreimal hinter sich greifen. Und Jan Olschowsky, die eigentliche Nummer zwei, musste vor dem Fernseher mit ansehen, wie ihm sein dritter Bundesligaeinsatz entging.

Immerhin: Omlin hat sich keine schwere Verletzung zugezogen. Allerdings wird sich erst im Laufe der kommenden Trainingswoche entscheiden, ob die in Mainz erlittene Zerrung bis zum Heimspiel am Samstag gegen den SC Freiburg (15.30 Uhr, Sky) ausgeheilt ist. „Das Spiel gegen Freiburg ist definitiv sehr fraglich, aber wir haben eine gewisse Resthoffnung“, sagte Farke am Samstag, nachdem Omlins rechter Oberschenkel mittels einer MRT-Untersuchung nach der Rückkehr am Borussia-Park genauer untersucht worden war.

Ein Kaltstart für Tobias Sippel: Beim Stand von 0:1 musste er in Mainz nach einer halben StundeJonas Omlin ersetzen.

Ein Kaltstart für Tobias Sippel: Beim Stand von 0:1 musste er in Mainz nach einer halben StundeJonas Omlin ersetzen.

Foto: IMAGO/Jan Huebner/IMAGO/Harald Bremes

Fällt Omlin gegen Freiburg aus, steht Ersatzmann Jan Olschowsky bereit. Seinen Einsatz bezeichnete Farke zwar ebenfalls noch als „fraglich“, doch die Sehnenverletzung am Daumen hat der 21-Jährige auskuriert. Kürzertreten musste Borussias Eigengewächs in den Einheiten vor dem Mainz-Spiel vor allem aufgrund eines Magen-Darm-Infekts. Geplant ist, dass er zum Start in die Trainingswoche am Dienstagnachmittag wieder einsteigt, Omlin dürfte dann noch fehlen.

So oder so geht die Rotation auf der Torhüter-Position wohl weiter. Sippel, der in Mainz beim Abpfiff auf dem Platz stand, wird seinen Platz wieder räumen müssen. Sind Omlin und Olschowsky fit, wird Sippel, der zuletzt nicht den Eindruck vermittelte, ein sicherer Rückhalt zu sein, sogar wieder auf der Tribüne sitzen.

Damit wird das „Torhüter wechsle dich“-Spiel in dieser Saison fortgesetzt: Moritz Nicolas stand beim 9:1-Erfolg im DFB-Pokal im ersten Pflichtspiel der Saison im Kasten. Dann übernahm Yann Sommer, ehe er sich beim Pokal-Aus in Darmstadt verletzte und Sippel, damals noch die offizielle Nummer zwei, das Tor nach Darmstadt zunächst noch dreimal hütete. Es folgten Olschowsky im November und der neu verpflichtete Omlin im Januar, der nun in Mainz von Sippel ersetzt wurde.

Gladbach: Verabschiedung von Yann Sommer mit Blumen und drei Toren
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So verabschiedete sich Borussia von Yann Sommer

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Foto: dpa/Federico Gambarini

Der Wechsel auf Omlin oder Olschowsky gegen Freiburg wird der sechste auf der Torwart-Position im 25. Pflichtspiel sein. Ein Fakt, der absoluten Seltenheitswert besitzen dürfte, vier Torhüter hat Borussia in einer Bundesliga-Saison sonst nur 2003/04 und 2008/09 eingesetzt – ein Rekord, den sich der Klub gerne erspart hätte. Schon Olschowskys Bundesliga-Debüt in Bochum hatte für eine Kuriosität gesorgt: Auf der Bank saß der damals 17-Jährige Florian Dimmer (U19), beim Aufwärmen war zudem der 16-Jährige Tiago Pereira Cardoso (U17) dabei – der Altersschnitt hatte etwas von „Jugend forscht“.

Omlins Verletzung und Sippels Einwechslung setzten die seltsame Torwart-Serie fort. Das bisher eingesetzte Quintett teilt sich 42 Gegentore in 24 Partien – kein gutes Zeugnis für die gesamte Defensive, die Trainer Daniel Farke vor der Saison unbedingt verbessern wollte. „Natürlich hat uns die Verletzungspause von Yann Sommer in der Hinrunde nicht gutgetan“, sagte Farke in Mainz.

Über Sommers zwischenzeitlichen Paradenrekord mit 19 abgewehrten Bällen beim 1:1 in München wird noch in einigen Jahren gesprochen werden. In den zehn Ligaspielen für Gladbach kassierte Sommer 3,7 Gegentore weniger als es aufgrund der Qualität der gegnerischen Chancen zu erwarten gewesen wäre - das ist Ligaspitze. Nur Sommers Bayern-Vorgänger und künftiger Konkurrent Manuel Neuer kommt auf den gleichen Wert. Omlin hingegen ist dort wie zahlreiche andere Bundesliga-Torhüter im Minusbereich unterwegs (-2,3), was nicht zwingend für eine schlechte Torwartleistung spricht, sondern in Bezug auf Borussia ausdrückt, dass beispielsweise zuletzt Hertha, Bayern und Mainz effektiv in der Chancenverwertung waren.

Ein Spiel konnte Omlin für Borussia bisher aber auch noch nicht gewinnen. Damit das passiert, werden sich nach seiner Rückkehr in erster Linie seine Vorderleute steigern müssen. Von ihnen hatte er bereits vor dem Duell mit den Bayern in einem „Sport1“-Interview gefordert: „Wir müssen mehr Mentalität an den Tag legen. Sonst kriegen wir gegen jede Mannschaft Tore. Wir brauchen eine andere Einstellung, um Spiele zu gewinnen“, sagte Omlin. Der Auftritt in Mainz hat den Worten des Schweizers noch einmal Futter gegeben. Gegen Freiburg muss das Ziel sein, dass Omlin sich nicht noch einmal bestätigt fühlen darf – unabhängig davon, wer letztlich im Tor stehen wird.

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