Karriereknick für Innenverteidiger Borussias Friedrich hat gegen Bremen den nächsten Nackenschlag erlebt

Mönchengladbach · Marvin Friedrich hat in diesem Jahr unter Daniel Farke erst eine Minute für Gladbach gespielt. Gegen Bremen war Friedrichs Einwechslung geplant, am Ende kam er gar nicht – obwohl er für eine bestimmte Rolle prädestiniert gewesen wäre. Im Sommer steht eine Grundsatzentscheidung bevor.

Borussia Mönchengladbach: So tickt Marvin Friedrich
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Das ist Marvin Friedrich

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Foto: Dirk PŠffgen/Dirk Paeffgen (dirk)

Nassgeschwitzt machte sich Marvin Friedrich am späten Freitagabend auf den Weg in die Kabine. Während seine Mitspieler ihrem Ärger über das späte Gegentor zum 2:2-Ausgleich gegen Werder Bremen in Interviews Luft machten, hatte Friedrich noch einen anderen Job zu erledigen: Gemeinsam mit den übrigen Ersatzspielern, die spät oder gar nicht eingewechselt worden waren, musste er unter Aufsicht der Athletiktrainer im fast leeren Borussia-Park über den Rasen sprinten – ein Programm, an das sich Friedrich mittlerweile gewöhnt hat, das er als Stammspieler von Union Berlin bis Januar 2022 aber über Jahre nicht abspulen musste.

Stammspieler war er auch in der ersten Saisonhälfte, die Verletzung Ko Itakuras machte den Weg frei für Friedrich, der beim 5:2-Derbysieg im vergangenen Oktober sein erstes und bisher einziges Tor für Borussia erzielte. In diesem Jahr kommt er bislang auf eine Einsatzminute, bei der 0:1-Niederlage in Augsburg Ende Januar kam er spät rein, aus taktischen Gründen allerdings für die Offensive, um mit seiner Größe von 1,93 Metern lange Bälle zu sichern und womöglich noch den Ausgleich zu erzwingen.

Gegen Bremen hatte Gladbach-Trainer Daniel Farke Friedrichs Hereinnahme nach langer Zeit mal wieder geplant, Friedrich machte sich beim Stand von 2:1 kurz vor Schluss bereit und stand an der Seitenlinie, doch der zweite Treffer Marvin Duckschs verhinderte Friedrichs Einwechslung. Dabei wäre er bereits unmittelbar nach dem Tor zur 2:1-Führung durch Florian Neuhaus in der 73. Minute prädestiniert dafür gewesen, Christoph Kramer in der Dreierkette zu ersetzen. Damit hätte Borussia einen großen und kopfballstarken Spieler im Zentrum gehabt, um die zu erwartenden langen Bälle der Bremer zu klären.

70,5 Prozent seiner 44 Luftzweikämpfe hat Friedrich in dieser Saison bislang gewonnen, Elvedi (58,1 Prozent von 74 Luftzweikämpfen) und Itakura (58,5 von 53) kommen auf deutlich schlechtere Werte. Dass Borussia in doppelter Überzahl einen langen Ball im eigenen Sechzehner vor dem 2:2 nicht verteidigen konnte, stützt diese These, doch offenbar wollte Farke das Ergebnis erst kurz vor Schluss sichern und Kramer so lange wie möglich als Aufbauspieler auf dem Feld lassen.

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Foto: Dirk Päffgen

Dass Friedrich am Ende gar nicht mehr kam, ist für den 27-Jährigen ein weiterer Nackenschlag, obwohl sogar eine Einwechslung zur Pause naheliegend gewesen wäre. „Marvin spielt in meinen Überlegungen immer eine Rolle und ist ganz eng dran“, hatte Farke Anfang März gesagt, doch selbst als Nico Elvedi über Wochen ein Defensiv-Schwachpunkt war, bekam Friedrich keine Einsatzminute. Begründet wurde das von Farke damit, dass Friedrich bisher überwiegend auf der rechten Innenverteidiger-Position zum Einsatz gekommen sei – und eben nicht auf Elvedis linker Seite. „Nico Elvedi ist dort ein gestandener Schweizer Nationalspieler und hat herausragende Spiele für Borussia Mönchengladbach gemacht“, sagte Farke.

Dass Friedrich, der in Gladbach einen Vertrag bis 2026 besitzt, sich im Januar mit einem Wechsel beschäftigt hat, ist ihm nicht zu verdenken. Farke mag ihm grundsätzlich vertrauen, doch in Spielminuten spiegelt sich das in der zweiten Saisonhälfte nicht wider, dabei kann sich Friedrich noch nicht einmal an Joker-Einsätzen hochziehen – was auch seiner Position geschuldet ist, auf der Trainer grundsätzlich nicht gerne rotieren.

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Foto: jdp/Jens Dirk Paeffgen

Im Sommer wird Friedrich ebenso wie Elvedi vor der Grundsatzentscheidung stehen: Gehen oder bleiben? Ein Abgang Elvedis, dessen Vertrag 2024 ausläuft, könnte bei Friedrich noch mal ein Umdenken auslösen, sofern er eindeutige Signale erhält, dass kommende Saison auf ihn gebaut werden soll. Andernfalls wird er sich eingestehen müssen, mit dem Wechsel nach Gladbach einen persönlichen Karriereknick eingeleitet zu haben. Sein Ex-Verein Union Berlin ist aktuell auf Champions-League-Kurs.

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