DFB-Enttäuschung Gladbachs Hofmann gibt gegen Bremen die fast perfekte Antwort

Mönchengladbach · Jonas Hofmann war beim 2:2 gegen Werder Bremen Gladbachs auffälligster Spieler. Kaum ein Angriff lief ohne den 30-Jährigen ab, der mehrere beeindruckende Werte lieferte. Nach dem Spiel hat er über seine eigene Leistung und die Nicht-Berücksichtigung von Bundestrainer Hansi Flick gesprochen.

 Gladbach-Profi Jonas Hofmann, hier im Duell mit Bremens Niklas Schmidt, wurde von Bundestrainer Hansi Flick nicht für die Nationalmannschaft nominiert.

Gladbach-Profi Jonas Hofmann, hier im Duell mit Bremens Niklas Schmidt, wurde von Bundestrainer Hansi Flick nicht für die Nationalmannschaft nominiert.

Foto: IMAGO/kolbert-press/IMAGO/kolbert-press/Ant Palmer

Wann Jonas Hofmann dem eigenen Treffer am Freitagabend am nächsten war, lässt sich rückblickend schwer beurteilen. Da wäre die Chance in der 55. Minute zu nennen, als Hofmann nach einem Zuspiel von Joe Scally freistehend vor dem Tor zunächst über den Ball trat, diesen dann an Bremens Torwart Michael Zetterer, nicht aber am vor der Linie klärenden Mitchell Weiser vorbeibrachte. Oder eine ähnliche Szene in der 78. Minute, als das Zuspiel von der rechten Seite von Alassane Plea kam, Lee Buchanan im Strafraum aber einen Tick schneller als Hofmann am Ball war.

Hofmann, Borussias Dreh- und Angelpunkt in der Offensive, hätte mit einem Tor für klare Verhältnisse sorgen können – und seine insgesamt starke Leistung damit noch mehr unterstrichen. „Gefühlt war es so, dass nur noch das Tor gefehlt hat bei mir. Wobei ich mich einmal auch beim Linienrichter bedankt habe, dass er Abseits angezeigt hat“, sagte Hofmann schmunzelnd. Zetterer war in der 79. Minute schon überspielt, Hofmann hätte den Ball nur noch ins leere Tor schieben müssen, traf aus spitzem, aber nicht unmöglichem Winkel das Außennetz, der Assistent hob die Fahne. Eine knappe Sache, möglicherweise hätte der VAR das Tor nach einem Steckpass von Florian Neuhaus im Nachhinein sogar anerkannt.

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Letztlich wurde es aber nichts mit Hofmanns neuntem Saisontor, sein Vorlagen-Konto stockte er mit dem Hackenpass auf Marcus Thuram vor dem 1:0 auf. Es hätten noch weitere Assists sein können, hätten Thuram und Kapitän Lars Stindl Hofmanns Zuspiele verwertet. Auf zehn Torschussvorlagen kam Hofmann am Ende – ein Wahnsinns-Wert, der zuletzt von Emil Forsberg (RB Leipzig) vor sechs Jahren übertroffen wurde.

Ebenfalls beeindruckend: Fünf Großchancen, die jeweils ab einem Expected-Goal-Wert von 0,3 als solche gewertet werden, bereitete der 30-Jährige vor. Seit Beginn der Datenerfassung ist das in Arjen Robben, Joshua Kimmich, Roberto Firmino und Thomas Müller nur vier weiteren Spielern in der Bundesliga gelungen.

Gladbach zeigte sich unter Trainer Daniel Farke in der Offensive flexibel, nach der Umstellung auf eine Dreierkette war Hofmann in der zweiten Halbzeit noch öfter im Zentrum zu finden – und tauchte rund um den Strafraum durch clevere Laufwege häufig in gefährlichen Positionen auf. „Da habe ich fast schon als zweite Spitze gespielt. Das hat gut geklappt und harmoniert“, sagte Hofmann, der sich über den 2:2-Endstand und den Ausgleich durch Doppel-Torschütze Marvin Ducksch kurz vor Schluss wie seine Kollegen ärgerte: „Wir dürfen das Tor in doppelter Überzahl nicht kriegen. Aber nicht nur hinten war es ein Problem, wir haben vorne unsere Chancen nicht genutzt.“

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Das 2:2 gegen Bremen war für Hofmann das Ende einer bewegenden Woche. Am Dienstag hatte er der Öffentlichkeit mitgeteilt, dass er und seine Verlobte Laura Winter Nachwuchs erwarten, sportlich musste er mit der Nicht-Berücksichtigung von Bundestrainer Hansi Flick eine Enttäuschung verkraften. „Hansi hat mich angerufen und es mir erklärt. Er möchte den Etablierten eine Pause gönnen und im März anderen eine Chance geben“, sagte Hofmann. „Das muss man natürlich akzeptieren, aber da ist man erst mal enttäuscht. Für mich war es von Anfang an immer das Größte, für Deutschland aufzulaufen. Ich hoffe, das spürt man auch.“

19-mal hat Hofmann seit seinem Debüt im Oktober 2020 das Trikot der Nationalmannschaft getragen und unter Flick sowohl als Rechtsverteidiger als auch in der Offensive gespielt – eine Rolle, die nun der Dortmunder Marius Wolf ausfüllen könnte. „Man sollte vielleicht darauf vertrauen, was der Bundestrainer vorhat – gerade dann, wenn man schon viel Vertrauen geschenkt bekommen hat“, sagte Hofmann, der seinen 20. Länderspieleinsatz aber noch nicht abgeschrieben hat. „Solange man im Juni wieder dabei ist, ist alles gut.“

Mit seiner engagierten und auffälligen Leistung hat er am Freitag die richtige Reaktion gezeigt, zuvor war er wie die gesamte Mannschaft drei Spiele in Folge ohne Torbeteiligung geblieben. Seine 17 Scorerpunkte machen ihn zum wertvollsten Spieler der Gladbacher, was aber auch zeigt, wie abhängig Farkes Team von Hofmann ist. Nur zwei der acht Siege gelangen ohne Torbeteiligung des Offensivallrounders. Steuerte Hofmann einen Scorerpunkt bei, gewann Gladbach sechsmal und holte zwei Unentschieden. Fiel er verletzt aus, gab es drei Niederlagen.

Noch mehr Effizienz in seinem Spiel würde den Borussen in zwei Wochen im Auswärtsspiel beim 1. FC Köln helfen. In der Hinrunde wurde Hofmann mit drei Vorlagen zu einem der Matchwinner beim 5:2-Derbysieg. Nun geht es nach Köln - und damit in das Stadion, in dem Hofmann einst sein Länderspiel-Debüt gefeiert hat.

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