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Bayer Leverkusen: Peter Bosz kritisiert ungleiche Corona-Regeln für Klubs

Streitpunkt Abstellungspflicht : Bosz kritisiert ungerechte Regeln für Nationalspieler

Die Pandemie hat die Werkself erreicht: Edmond Tapsoba ist infiziert und muss in Quarantäne. Trainer Peter Bosz beklagt die ungleichen Regeln bei der Abstellung von Nationalspielern – und nimmt dabei Bezug auf den kommenden Gegner Bielefeld.

Schlechte Nachrichten nach Länderspielpausen ist Peter Bosz mittlerweile gewohnt. Charles Aránguiz, Exequiel Palacios und Santiago Arias haben sich bei ihren Nationalmannschaften teils schwer verletzt – und am Donnerstagabend erreichte ihn erneut ein unschöner ein Anruf von Mannschaftsarzt Dr. Karl-Heinrich Dittmar. Der bestätigte, dass Edmond Tapsoba positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Der Innenverteidiger war mit Burkina Faso in der Qualifikation für den Afrika-Cup unterwegs. „Leider ist es so, dass es uns jetzt auch erwischt hat“, sagt Bosz vor dem Ligaspiel am Samstag bei Arminia Bielefeld (15.30 Uhr).

Persönlich habe er noch keinen Konktakt zu Tapsoba gehabt, doch der Teamarzt habe ihm versichert, dass es dem 21-Jährigen gut gehe. „Er fühlt sich wohl und war überrascht von dem Testergebnis. Jetzt muss er in Quarantäne.“ Wie lange der Stammspieler ausfällt, der bislang noch keine Minute in der Bundesliga verpasst hat, ist unklar. Sicher ist, dass er gegen Bieledeld nicht spielen wird – und vermutlich auch nicht am Donnerstag in der Europa League gegen Hapoel Be´er Sheva. Alles weitere wird in Absprache mit dem zuständigen Gesundheitsamt geregelt.

Immerhin: Der Test hat direkt nach Tapsobas Eintreffen in einem Labor in Leverkusen und nicht in der BayArena stattgefunden. Deshalb hatte der Innenverteidiger keinen Kontakt zur restlichen Mannschaft. Bosz ist irritiert darüber, wie unterschiedlich die Regelungen zur Abstellung von Nationalspielern in Deutschland sind. „Ich finde es fremd“, sagt der 56-Jährige. „Bielefeld musste seine Nationalspieler nicht abstellen – und das ist nicht gerecht.“

Beim kommenden Gegner sieht man sich in der Nicht-Abstellung der Nationalspieler indes bestätigt. „Das war für uns alternativlos“, sagte Arminias Geschäftsführer Samir Arabi am Donnerstag. Im Mittelpunkt stand dabei die Sorge, dass die Auswahlspieler nach ihren Reisen in Risikogebiete gemäß den Regeln in Bielefeld in Quarantäne müssen und nicht für das Spiel gegen Leverkusen zur Verfügung stehen. Betroffen waren fünf Profis des Aufsteigers.

Der Weltverband FIFA hatte zudem im Oktober die Regeln zur Abstellungspflicht bis zum Jahresende geändert. Demnach müssen Klubs ihre Nationalspieler nicht abstellen, wenn am Ort des Vereins oder am Ort des Länderspiels „eine zwingende Quarantäne oder Selbstisolation von mindestens fünf Tagen“ einzuhalten ist oder eine Reisebeschränkung besteht. Auch Werder Bremen machte neben Bielefeld bereits von diesem Recht gebrauch.

Von Wettbewerbsverzerrung will Bosz nicht reden, aber er wundert sich über die Ungleichheit. „Bei uns waren es zwölf Spieler, die unterwegs waren“, betont der Niederländer. „Ich bin jetzt eine Weile in Deutschland und weiß, dass es verschiedene Bundesländer gibt, die auch noch verschiedene Gesundheitsämter haben – und am Ende sind die Regeln für alle Vereine unterschiedlich.“ Mit Gleichheit und Fairness habe das nicht viel zu tun. „Aber wir müssen jetzt damit umgehen.“

In Bielefeld wollen Bosz und sein Team mit der gleichen Energie bestehen, die vor der Länderspielpause zu einem 4:3-Heimsieg gegen Mönchengladbach geführt hat. Allerdings erwartet der Trainer am Samstag ein völlig anderes Spiel. Die Arminia hat zuletzt fünf Partien in der Liga verloren und steht mit dem Rücken zur Wand. „Sie hatten ihre Mannschaft jetzt zwei Wochen zusammen, konnten vollzählig trainieren und werden versuchen, es uns richtig schwer zu machen. Wir müssen von Anfang an voll da sein.“ Der Gegner werde wenig Räume zulassen und das Tempo im Spiel bewusst drosseln, um Bayer seine Stärken zu nehmen. „Dafür müssen wir Lösungen finden“, sagt Bosz. „Es liegt an uns, wie dieses Spiel ausgeht.“