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Bayer 04 Leverkusen: Lucas Alario hat, was Patrik Schick noch fehlt

Konkurrenzkampf im Sturm : Lucas Alario hat, was Patrik Schick noch fehlt

Bayer Leverkusens treffsicherer Argentinier Lucas Alario ist dem tschechischen Sommerzugang Patrik Schick derzeit vor allem physisch einen Schritt voraus. Trainer Peter Bosz weist darauf hin, dass Schick behutsam an die Englischen Wochen herangeführt werden müsse.

Die Stellenbeschreibung eines Stürmer ist relativ schnell zusammengefasst. Natürlich sollen Angreifer auch defensiv mitarbeiten, sich gegebenenfalls ins Aufbauspiel einschalten und Gegner energisch anlaufen. Aber ihre wichtigste Aufgabe ist, Tore zu erzielen. Lucas Alario erledigt diesen Auftrag derzeit mit Bravour. In wettbewerbsübergreifend zehn Pflichtspielen traf er neun Mal und bereitete ein Tor vor. Dafür gibt es von allen Seiten Sonderlob – auch von Bayers Trainer Peter Bosz.

„Schon im letzten Jahr war er innerhalb des Sechzehners unser Bester. Aber Fußball ist mehr, als nur der Strafraum“, sagt der Niederländer. Er attestiert dem Argentinier, der beim 2:0-Sieg seines Heimatlandes gegen Peru in der Nacht zu Donnerstag 90 Minuten auf der Bank saß, auch außerhalb des Strafraums viel dazugelernt zu haben. „Es ist meine Aufgabe als Trainer, Spieler zu entwickeln. Seit ich da bin, hat auch Lucas eine Entwicklung durchgemacht. Er kennt unsere Spielweise und macht es sehr gut.“

Tatsächlich ist auffällig, dass der 28-Jährige inzwischen mehr als ein klassischer Strafraumstürmer ist. Er spielt mit, arbeitet nach hinten, macht mit seiner Kopfballstärke Bälle in der gegnerischen Hälfte fest und schüttelt wie beim 4:3-Sieg gegen Mönchengladbach vor der Länderspielpause Traumtore aus dem Fußgelenk. Dass er in den vergangenen drei Ligaspielen gegen Augsburg, Freiburg sowie Gladbach jeweils einen Doppelpack schnürte, spricht ebenfalls für sich.

Doch die Medaille hat eine Kehrseite. Durch die Verletzung von Sommerzugang Patrik Schick ist Alario im Dauereinsatz. Beim 1:1 in Stuttgart zog sich der Tscheche einen Muskelfaserriss zu. Inzwischen ist er wieder im Training und macht einen fitten Eindruck, doch laut Bosz ist es für den Stürmer noch ein weiter Weg bis zur vollen Belastbarkeit – nicht nur wegen der wochenlangen Zwangspause.

„Wir wussten schon bei seiner Ankunft, dass er nicht so belastbar ist, zwei oder drei Spiele in einer Woche über 90 Minuten zu bestreiten“, sagt der Coach. „Wir arbeiten an seiner körperlichen Verfassung. Wenn man ihm im Training beobachtet, denkt man vielleicht, dass er fit ist. Aber wenn er jetzt zwei Spiele in Folge machen müsste, würde er sich womöglich in der Woche darauf wieder verletzen.“ Der 56-Jährige warnt daher vor zu hohen Erwartungen an Schick. Der Königstransfer dieses Sommers wird behutsam an die Englischen Wochen herangeführt.

Bosz zufolge hat der Tscheche physisch einen Rückstand, der nicht alleine mit dem Faserriss erklärbar ist. „Wir müssen seine Rumpfstabilität trainieren. Wenn die nicht gut ist, bekommt man Probleme an den Adduktoren, Faserrisse und andere Verletzungen.“ Wie lange das dauert, vermag der Trainer nicht einzuschätzen. Das Dilemma ist aber offensichtlich: Solange Schick noch im Aufbautraining ist, gibt es keine ernsthafte Alternativen für Alario. Immerhin gibt es nun eine Antwort auf die sich anbahnende Diskussion, wer von den beiden nun eigentlich Stürmer Nummer eins ist: An dem formstarken Argentinier führt im Moment kein Weg vorbei. Allerdings ist auch bei ihm freilich Vorsicht geboten – trotz der im Vergleich zu Schick stabileren physischen Konstitution.

„Nach der Verletzung von Patrik musste Lucas sehr viel spielen“, sagt Bosz. „Ich habe ihn deswegen mal nach 60, mal nach 70 Minuten und mal zur Pause ausgewechselt, um ihn zu schützen – damit er sich nicht auch noch verletzt.“ Ein Ausfall des Angreifers wäre in der Tat ein mittelschweres Desaster, selbst wenn zur Not Leon Bailey oder Nadiem Amiri in die vorderste Spitze rücken könnten. Gelernte Mittelstürmer sind die beiden allerdings nicht.

Am Samstag steht für die Werkself das Ligaspiel in Bielefeld an (15.30 Uhr). Gut möglich, dass Alario wieder in der Startelf steht, obwohl er erst sehr spät und vermutlich mit gehörigem Jetlag aus Argentinien zurückkehrt. Bosz ist jedenfalls froh, dass angesichts des engen Spielplans vorerst keine Länderspielreisen mehr für seine Profis anstehen: „Dass Nationalspieler keine Ruhe mehr bekommen, ist ein Problem. Für sie ist das extrem schwer.“