1. Sport
  2. Fußball
  3. Bayer 04 Leverkusen

Bayer 04 Leverkusen: Leon Bailey - wie Phönix aus der Asche

Auf dem Weg zu alter Stärke : Leon Bailey – wie Phönix aus der Asche

Der Jamaikaner Leon Bailey galt im Sommer als ein Wechselkandidat. Jetzt ist der Flügelstürmer von Bayer Leverkusen einer der Hauptverantwortlichen für den Aufschwung des Werksklubs.

Plötzlich ging es extrem schnell. Gerade hatte Borussia Mönchengladbach eine gigantische Doppelchance, in Führung zu gehen, doch Lars Stindl scheiterte am überragend parierenden Lukas Hradecky und Hannes Wolf semmelte den Nachschuss über das Tor. Praktisch im Gegenzug war es jedoch Leon Bailey, der nach einem blitzsauber vorgetragenen Konter das 3:2 für die Werkself erzielte. Der Jamaikaner wählte einen klugen Laufweg, Moussa Diaby bereitete mit kongenial durchgestecktem Pass das aus spitzem Winkel ergrätschte Tor vor – ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zum 4:3-Sieg gegen die Borussia vom Niederrhein.

Es war beileibe nicht Baileys einzige starke Szene in dem berauschenden Topspiel. Seit Wochen nähert sich der 23-jährige Flügelstürmer der Form an, die ihm vor gut zwei Jahren an die Schwelle der Weltklasse brachte. Er bringt dabei nicht nur sein Offensivtalent gewinnbringend ein, sondern arbeitet auch nach hinten, läuft viel, grätscht, kämpft, ackert. Verglichen mit der Vorsaison spielt er momentan gefühlt eine Klasse besser.

Dabei sah Baileys Zukunft bei Bayer 04 noch im Sommer nicht gut aus. Die Chefetage des Werksklubs war genervt von den Eskapaden des Jamaikaners und seine sportlichen Leistungen entsprachen nur noch selten den Erwartungen. Hinzu kamen seine grenzwertige Selbstinszenierung auf Instagram und die Störfeuer, die sein Stiefvater und Berater Craig Butler immer wieder entfachte – vor allem mit öffentlichkeitswirksam lancierten Wechselgedanken des Nationalspielers. Die Zeichen standen auf Abschied.

Mancher Fan unkte gar, der Entschluss, sich von dem 23-Jährigen zu trennen, sei schon lange überfällig. Immerhin hätte Bayer nach der Saison 2017/18 eine Ablösesumme Richtung 50 oder 60 Millionen Euro aus einem Transfer generieren können. Von derartigen Marktwerten war der Flügelstürmer gut zwei Jahre später weit entfernt. Jetzt ist er wieder auf dem Weg zu alter stärke – wie der sprichwörtliche Phoenix aus der Asche.

Doch auch der Start in diese Saison verlief alles andere als optimal. Nach einem Corona-Kontakt auf der Geburtstagsfeier des jamaikanischen Sprintstars Usain Bolt musste er in seinem Heimat- und Urlaubsland in Quarantäne. Die Rückreise geriet zur Odyssee, Bailey verpasste die gesamte Vorbereitung und dürfte sich nicht nur von Trainer Peter Bosz eine klare Ansage abgeholt haben. Der Rapport hat offenbar gewirkt, denn inzwischen macht er nur mit starken Leistungen auf dem Rasen von sich Reden.

„Dass er schnell und dribbelstark ist, wissen wir. Dass er auch Tore schießt, ist wichtig. Leon steigert sich von Woche zu Woche, ich bin sehr zufrieden mit ihm“, lobte ihn Bosz bereits nach dem 4:2-Sieg bei Hapoel Be’er Sheva, wo der 23-Jährige einen Doppelpack erzielte. Nach dem 4:3 gegen Mönchengladbach sagte der Niederländer über seinen Schützling: „Er kommt immer besser rein.“ Man könnte auch sagen, dass der durch die Geburt seines Sohnes Leo im Juni gereift wirkende Angreifer das Vertrauen zurückzahlt, dass sein Trainer ihm trotz aller Fehltritte angedeihen lässt.

Er selbst gibt sich bescheiden. „Ich freue mich sehr, dass ich der Mannschaft mit meinen Toren helfen konnte“, sagte er nach dem Sieg in Israel. „Natürlich waren sie schön für mich, aber viel wichtiger war es, dass wir die drei Punkte mitgenommen haben.“ So spricht jemand, der verstanden hat, worum es im Mannschaftssport Fußball geht. Ohnehin wirkt die Werkself gefestigt. Julian Baumgartlinger, der gegen Gladbach Bayers viertes Tor erzielte, hob die Moral im Team hervor. „Das wir nach zwei Rückständen so zurückgekommen sind, spricht für die Mannschaft.“ In der Tat war es bemerkenswert, wie er und seine Mitspieler das 0:1 sowie das 1:2 weggesteckt haben. „Der Wille war entscheidend. Wir haben an uns geglaubt“, sagte Torwart Lukas Hradecky.

Letzteres dürfte auch für Bailey gelten. An Selbstvertrauen mangelte es ihm nie, aber nun rechtfertigt er es wieder mit Leistung.