Wie Social Media den Schulalltag an weiterführenden Schulen in Viersen beeinflusst

Schulen in Viersen : Wie Social Media aufs Schulleben wirkt

Smartphones und soziale Medien sind für viele Schüler Teil des Alltags. Darauf müssen die Schulleiter reagieren.

Fast jeder Fünftklässler in Viersen hat mittlerweile ein Smartphone. Das nutzt er zum Beispiel, um mit seinen Freunden über Nachrichtendienste wie Whatsapp zu kommunizieren, Videos auf Plattformen wie Tik-Tok hochzuladen, Youtube zu schauen oder auf Instagram zu verfolgen, was seine Lieblingsstars gerade machen. Das Smartphone, dabei vor allem eben Social Media, ist längst fester Bestandteil im Alltag vieler Kinder und Jugendlicher. Das wirkt sich auch auf ihr Schulleben aus. An den weiterführenden Schulen in Viersen haben Schulleiter, Lehrer, Eltern und Schüler deshalb Strategien entwickelt, wie sie die Vorteile, die Smartphones bringen können, bestmöglich nutzen – und Risiken minimieren können.

Wie profitieren Schulen davon, dass ein Großteil der Schüler Smartphones besitzt? Christoph Hopp, Leiter des Erasmus-von-Rotterdam-Gymnasiums, ist überzeugt: „Die Digitalisierung verändert die Bildung so stark wie der Buchdruck. Das ist die Realität, unsere Aufgabe ist es, sie sinnvoll zu gestalten.“ Smartphones werden deshalb nicht aus der Schule verbannt, sondern im Unterricht eingesetzt – etwa, um Tafelbilder abzufotografieren oder interaktive Landkarten anzuschauen. „Das Smartphone bietet eine ganze Reihe von Vorteilen, das reicht bis hin zur Inklusion“, sagt Hopp. So gebe es zum Beispiel Apps speziell für Seh- oder Hörgeschädigte. „Es kann nicht darum gehen, die Handys zu verteufeln. Sie gehören zu unserer Zeit“, sagt auch Thomas Kamphausen, Leiter des Bischöflichen Albertus-Magnus-Gymnasiums. Unter anderem, um zu recherchieren oder Youtube-Videos anzusehen, werde das Handy im Unterricht eingesetzt, ergänzt er. Ein Vorteil: Die Schüler können die Videos mehrmals anschauen, anhalten und zurückspulen. „Sie können individueller arbeiten.“ Auch im Sportunterricht gibt es Einsatzmöglichkeiten: Mit dem Smartphone könnten Übungen gefilmt werden, erläutert Thomas Küpper, Leiter der Johannes-Kepler-Realschule. Auch Whatsapp ist an den Schulen beliebt, Klassen haben ihre eigenen Chat-Gruppen, in denen die Schüler miteinander kommunizieren. Das birgt allerdings auch Risiken.

Dürfen die Schüler ihre Smartphones überhaupt auf dem Schulgelände nutzen? Das handhabt jede Schule anders. Grundsätzlich dürfen die Schüler ihre Smartphones natürlich nutzen, wenn die Geräte im Unterricht eingesetzt werden sollen. Darüber hinaus ist es am Albertus-Magnus-Gymnasium zum Beispiel so, dass die Schüler ihre Handys in ihren Schießfächern deponieren sollen. An der Johannes-Kepler-Schule gilt die Regel, dass sie die Handys bei Betreten des Schulgeländes ausschalten sollen. Bei Verstößen kassieren die Lehrer die Geräte bis Schulschluss ein. Am Erasmus-von-Rotterdam-Gymnasium sind die großen Pausen für die Handynutzung freigegeben, ältere Schüler dürfen ihre Geräte frei nutzen. Auch am Clara-Schumann-Gymnasium wird nach Alter gestaffelt. Die Schüler der Jahrgänge fünf bis sechs dürfen grundsätzlich zu allen Zeiten kein Handy benutzen. Ab Klasse sieben können sie einen Handyführerschein machen, dann darf das Smartphone in den Pausen auf dem Schulhof genutzt werden. Für die Oberstufenschüler gibt es keine Einschränkungen.

Welche Gefahren ergeben sich daraus, dass viele Schüler Handys haben? Vor allem die Whatsapp-Gruppen bieten Raum für Mobbing, Ausgrenzung, Beleidigungen, Verunglimpfungen. Solche Fälle sind auch den Leitern der weiterführenden Schulen in Viersen nicht fremd. Ein Beispiel: Der Kopf eines Schülers wird in ein Nacktfoto montiert, das Bild herumgeschickt. Ein anderes Beispiel: Es gründet sich eine Whatsapp-Gruppe mit dem einen Ziel, sich über einen Mitschüler lustig zu machen. Der Betroffene ist dabei nicht in der Gruppe, er bekommt aber natürlich im Alltag mit, dass über ihn gelacht wird. Dritter Fall: Ein Pärchen trennt sich, der Verlassene rächt sich, indem er ein Unterwäschebild seines Ex-Partners an die Gruppe verschickt. „Leider kommt es immer häufiger vor, dass wir mit Situationen missbräuchlichen Umgangs konfrontiert werden“, sagt etwa Christian Mengen, Leiter des Clara-Schumann-Gymnasiums. „Immer häufiger kommt es in sozialen Netzwerken auch zu strafrechtlich relevanten Dingen“, ergänzt er. „Strafbare Handlungen müssen Schulen der Polizei melden, dies kommt auch vor. Hierdurch kommt es immer wieder zur Zusammenarbeit mit der Polizei, die sich beratend in unsere Arbeit einbringt und auch selbst über Gefahren und den Umgang mit sozialen Netzwerken informiert.“ Auch andere Schulleiter in Viersen haben schon die Polizei kontaktiert. Küpper betont aber, die Schüler gingen zu 98 Prozent verantwortungsvoll mit ihren Smartphones um.

Wie erfahren die Schulleiter von solchen Fällen? Die Schulleiter dürfen nicht ins Whatsapp ihrer Schüler schauen, also sind sie auf Hilfe angewiesen. Manchmal sind es Eltern betroffener Kinder, die sich an sie wenden, Mitschüler oder Betroffene. „Das mediale Mobbing setzt sich im Schulalltag fort, stört Beziehungen und führt zu Konflikten“, erläutert Mengen. „Private Streitigkeiten strahlen in den Schulalltag aus“, sagt auch der Leiter der Anne-Frank-Gesamtschule, Martin Landman.

Wie wird gegengesteuert? Vor allem durch Prävention. So geht es etwa am Clara-Schumann-Gymnasium und dem Albertus-Magnus-Gymnasium in Unterrichtsstunden mit den Klassenlehrern um Themen wie Datenschutz und Persönlichkeitsrechte. Die Anne-Frank-Gesamt-
schule organisiert einmal im Jahr einen Cybermobbing-Tag, es gibt an den weiterführenden Schulen Theateraufführungen zum Thema, Elternabende, Lehrerfortbildungen. Eine wichtige Aufgabe haben die Medienscouts: Die Schüler sind Ansprechpartner für ihre Mitschüler rund um Social Media.