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Der junge Chinese Wei Lin ist der neue Dirigent des Orchesters Opus 125

Musik in Viersen : Korrekturen werden einfach gesungen

Seit drei Monaten leitet der junge chinesische Dirigent Wei Lin das Orchester Opus 125. Er wurde mit den meisten Stimmen gewählt.

Es ist Punkt 20 Uhr am Dienstagabend, als Wei Lin seinen Taktstock erhebt. Einige Minuten vorher ist Konzertmeister Pierre Leibfried bereits mit seiner Geige durch die Reihen gegangen, damit die Instrumente und Konzertkollegen für die wöchentliche Probe ein- und gestimmt werden.

Die Konzentration aller Musiker richtet sich auf den jungen Dirigenten. Die ersten Töne von Mendelssohn Bartholdys Sinfonie Nr.3 A-Moll erklingen. Mit zurückhaltenden, aber klaren und intensiven Gesten leitet Lin sein Orchester durch die Sinfonie. Hält inne, erklärt – weniger mit Worten, denn mit Gesten und gesungenen Kommentaren – an welcher Stelle Verbesserungen nötig sind.

Erst seit drei Monaten leitet Wei Lin das Viersener Sinfonieorchester opus125. Der langjährige musikalische Leiter Michael Mengen – er war 20 Jahre lang Dirigent von opus 125 – hatte sich im vergangenen Jahr aus seiner Arbeit zurückgezogen. Opus125 begab sich auf die Suche nach einem neuen Dirigenten. Neben Lin wurden zwei weitere Anwärter zur Vorstellung eingeladen.

Der Tipp, Lin anzusprechen, kam von Stefan Wehr, in Viersen beheimateter Professor an der Kölner Hochschule für Musik und Tanz und Leiter der „Rheinischen Opernakademie“. Er ist außerdem ein Schulfreund von Konzertmeister Leibfried. Alle Bewerber gestalteten eine Probe mit dem Orchester und sehr bald war klar, dass Lin der richtige Mann war. Mit einer deutlichen Mehrheit stimmten die Orchestermitglieder in einer geheimen Wahl für den jungen Absolventen der Kölner Hochschule für Musik.

„Es war die unglaubliche Freude an der Musik, die er ausstrahlt, wenn wir musizieren“, begründet Klarinettist Norbert Miller sein Votum für Lin. Pierre Leibfried meint lachend: „Es war Liebe auf den ersten Blick.“ Und fügt hinzu: „Wir brauchen einen Dirigenten, der neue, frische Ideen hat.“

Die bringt der 29-Jährige mit. Lin wurde 1990 in China geboren. Er wurde früh geprägt: Sein Vater war Kompositionslehrer an der Musikakademie. Schon mit vier Jahren erhielt Lin die ersten Klavierstunden, mit 13 erlernte er Harmonielehre und Komposition. Wei Lin studierte von 2006 bis 2009 am China Conservatory of Musik Komposition, von 2009 bis 2014 absolvierte er ein Dirigentenstudium. In dieser Zeit machte er erste Erfahrungen als Dirigent eines Orchesters der Xinzhongguan-Grundschule in Peking.

2015 wechselte Lin nach Köln, wo er ab 2016 sein Masterstudium bei Alexander Rumpf an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln aufnahm. „Schwer ist für mich die Sprache“, erklärt Wei Lin. Aber wer braucht schon die deutsche Sprache, wenn er die internationale Sprache der Musik hat. Sich zu verständigen ist während der Orchesterprobe kein Problem für den Dirigenten: „Wenn wir nicht sofort verstehen, was er meint“, erzählt Norbert Miller, „dann singt oder spielt Lin uns am Klavier die Passagen vor. Was andere mit Worten machen, macht Lin musikalisch.“

Wei Lin fühlt sich wohl mit den Opus125-Musikern. „Die Leute sind sehr nett und Pierre Leibfried hilft mir immer, wenn ich mit der Sprache nicht weiterkomme. Er ist der Übersetzer“, sagt Lin. „Dieses Orchester ist eine Herausforderung für mich, an der ich mich stählen kann“, beschreibt der Dirigent.

Seine Lieblingskomponisten? Beeethoven. Brahms, Wagner und Rachmaninoff. Auch den Namen eines chinesischen Komponisten nennt er: Tan Dun. Opus125 plant für den November 2020 eine „Musikalische Reise um die Welt“. Dann, so hofft Leibfried, wird auch ein Stück von Tan Dun auf dem Programm stehen.