Kurzkritik : Erinnerungen an einen, den die Nazis vertrieben

Aufführung der Kammerspiele Magdeburg mit den Hamburger Kammerspielen erinnerte in der Festhalle an Paul Abraham.

Für fast alle erfolgreichen Operettenkomponisten des 20. Jahrhunderts bedeutete Hitlers Herrschaft eine böse Zäsur. Emmerich Kálmán emigrierte, weil er Jude war, Ralph Benatzky, weil er mit einer jüdischen Frau verheiratet war, Robert Stolz, weil er Juden zur Flucht verholfen hatte und deshalb verhaftet werden sollte. Riesige Erfolge feierte Paul Abraham, nicht nur im Berlin der 1920er-Jahre. Auch er konnte sich nur noch durch Emigration der Ermordung durch die Nazis entziehen. Und am Ende stand ein ganz schlimmes Schicksal: Er verlor seinen Verstand; selbst seine eigenen Kompositionen erkannte er nicht mehr wieder.

Der aus dem „Tatort“ bekannte Schauspieler Jörg Schüttauf verkörperte in der Festhalle Viersen den jüdischen Komponisten Paul Abraham. Foto: Bretz, Andreas (abr)

An ihn, den deutschsprachigen ungarisch-jüdischen Komponisten der Operetten „Blume von Hawaii“ und „Viktoria und ihr Husar“, erinnerte in der Festhalle eine Aufführung der Kammerspiele Magdeburg mit den Hamburger Kammerspielen. Was die Aufführung auszeichnete, war die deutliche Herausstellung der Widersprüche im Leben des Komponisten, seine großartigen musikalischen Erfolge, seinen durch die Nazis verursachten Absturz in die Bedeutungslosigkeit, seine Verarmung und schließlich seine geistige Umnachtung. Gut war auch, dass die Szenen nicht chronologisch aufgebaut wurden, sondern im ständigen Wechsel zwischen Lebensabschnitten. So wurden die Widersprüche dieser Biographie schonungslos deutlich.

Dem Charakter von Kammerspielen wurde die Inszenierung voll gerecht: Es ging sehr sparsam zu. Großartige schauspielerische Leistungen lieferten Jörg Schüttauf als Paul Abraham und Susanne Bard als seine Ehefrau und in weiteren, stets wechselnden Rollen. Die Gesangsbeiträge wurden am Klavier unterstützt von Jens-Uwe Günther. Allerdings: Während Bard sowohl als Schauspielerin wie als Sängerin glänzte, war nicht zu überhören, dass der schauspielerische Vollprofi Schüttauf ihr als Sänger nicht das Wasser reichen konnte. So wäre der Aufführung etwas weniger Sparsamkeit gut bekommen. Die Musik wäre besser zur Geltung gekommen, wenn der Etat auch noch für einen männlichen Profi-Sänger und zwei bis drei weitere Instrumentalisten gereicht hätte. So blieb das Glänzende und Glitzernde der einstigen Erfolgsaufführungen etwas dünn.