Gunter Demnig verlegt weitere Stolpersteine in Neuss

Weitere Stolpersteine für Neuss : Gepflasterte Erinnerung für sechs weitere Menschen

Während des Nationalsozialismus verfolgt und ermordet, dieses Schicksal erlitten auch Neusser Juden. An sechs weitere Personen erinnert seit Samstag dauerhaft je ein Stolperstein im Pflaster vor ihrem ehemaligen Wohnort.

Künstler Gunter Demnig legte die Steine mit der glänzenden Messing-Oberseite ins Pflaster, damit die Neusser sehen, wo Menschen dem Regime zum Opfer gefallen sind. Seit 2005 werden in Neuss immer wieder Stolpersteine verlegt. Koordiniert vom Stadtarchiv kann so durch Angehörige und Paten die Erinnerung an das Schicksal Neusser Familien wach gehalten werden. „Inzwischen liegen über 80 Steine verteilt im Stadtgebiet“, erklärt Stadtarchivar Jens Metzdorf. Die vier neuen Steine an der Sternstraße 98 erinnern an die Familie Cohn. Aus Israel kam Arieh Naor mit seiner Familie, um die Verlegung der Steine zur Erinnerung an seinen Großvater, die Tanten und an die eigene Mutter mitzuerleben. Großvater Leonhard Cohn war angesehener Malermeister in Neuss, sein 1905 erbautes Haus hat die Zeit überdauert, jetzt erinnern vier Steine vor der Haustür an einen Neusser Bürger, der mit 88 Jahren in Theresienstadt ermordet wurde. Zwei Töchter, Paula und Elsa Cohn, wurden ebenfalls deportiert und ermordet, nur Ilse Cohn, Tochter von Paula, gelang die Flucht, sie baute sich ein Leben in Israel auf. Ihr Sohn Arieh Naor begann 2016 nach der Geschichte seiner Familie zu suchen und wurde im Neusser Stadtarchiv fündig. Die Patenschaft für die Steine hat die Gesellschaft für christlich jüdische Zusammenarbeit in Neuss übernommen. Der Tross um Demnig bewegte sich weiter zur Kaiser-Friedrich-Straße 132. Dort fand eine Art Familienzusammenführung statt. Der Stein für René Simons bekam seinen Platz bei seinen Eltern. Die Familie Simons war eine Kaufmannsfamilie, bis zur Machtergreifung, Paul und Ida Simons wurden in Sobibor ermordet, während René die Flucht gelang. Seine Tochter Gaby Glassman-Simons reiste mit Familie aus London an und sprach über das Schicksal ihres Vaters und der Familie. Der vorerst letzte Stolperstein hat seinen Platz an der Thywissenstraße 26. Dort lebte Sibilla Kaufmann, in der Pogromnacht noch vom Vermieter geschützt, brachte sie sich im Kloster Immaculata in Sicherheit. Von dort zog sie in ein Altenheim. Aber auch vor dem Alter machten die Nationalsozialisten nicht halt, mit 85 Jahren wurde sie ermordet. Ute Böhm

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