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Düsseldorf: Mutmaßliche Neusser IS-Zelle provoziert vor Gericht

Prozessauftakt in Düsseldorf : Mutmaßliche Neusser IS-Zelle provoziert vor Gericht

In Düsseldorf hat am Mittwoch der Prozess gegen fünf Mitglieder einer mutmaßlichen IS-Terrorzelle aus Neuss begonnen. Die fünf aus Tadschikistan stammenden Angeklagten sollen Sprengstoffanschläge und die Ermordung eines Islamkritikers aus Neuss geplant haben.

Laut Generalbundesanwalt hatten die Männer im Alter zwischen 24 und 33 Jahren Kontakte bis in höchste Führungsebenen des so genannten „Islamischen Staats“. Streng bewacht und begleitet von 14 Justizwachtmeistern mussten die jungen Männer am Mittwoch auf der Anklagebank Platz nehmen. Dabei verzichteten sie nicht auf die üblichen „Mätzchen“, die in derartigen Islamisten-Prozessen häufig stattfinden. So weigerte sich einer der Angeklagten zunächst, seine Kapuze abzunehmen, er und zwei andere Angeklagte blieben zu Beginn der Versammlung demonstrativ sitzen – zur Missachtung des Gerichts. Anschließend konnte Staatsanwalt Michael Klemm seine Anklage verlesen.

Glaubt man dem von ihm zusammengetragenen Ermittlungsergebnissen, dann hatten die Angeklagten aus Neuss und Umgebung nicht nur Kontakte zu führenden IS-Entscheidern in Afghanistan, sondern standen auch in Verbindung mit den Attentätern von Stockholm oder Wien. „Die besondere Gefährlichkeit der Zelle zeigt sich dadurch, dass ihre Kontaktleute als Hintermänner des Anschlags von Stockholm mit fünf Toten fungierten“, so Klemm, „zudem haben die Ermittlungen Kontakte zwischen der Zelle und den späteren Attentätern von Wien ergeben.“ In der österreichischen Bundeshauptstadt waren im November 2020 vier Menschen getötet worden.

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Auch die mutmaßliche Neusser IS-Zelle hatte offenbar geplant, Menschen im Namen des bewaffneten Dschihads zu töten. So beschafften sich die Mitglieder der Zelle angebliche Bestandteile für den Bau einer Bombe, in Neuss sollte außerdem ein junger Islamkritiker ermordet werden. Bei ihm handelte es sich um einen Mann, der auf Youtube im Internet immer wieder auf seinem Kanal „Ex-Muslime klären auf“ Kritik am Islam geäußert hatte. Der Neusser hatte dort auch berichtet, dass er zum Christentum konvertiert war. In seinem Fall waren die Pläne für eine Ermordung laut Staatsanwalt Klemm sehr weit fortgeschritten. So sollen die Angeklagten ihr Opfer ausgespäht und in einem Neusser Fitnessstudio beobachtet haben. Nach Verlassen des Fitnessstudios wurde der Neusser bis zu seiner Wohnanschrift verfolgt, um den Mordanschlag entsprechend vorbereiten zu können.

Laut Anklage hatte einer der Männer in seiner Wohnung am Weißenberger Weg auf der Neusser Furth eine Pistole samt Schalldämpfer gebunkert, eine weitere Waffe wurde in einer Wohnung in Wuppertal übergeben. Bevor es dann aber zu dem tödlichen Angriff kommen konnte, griffen Sondereinsatzkräfte der Polizei zu – die Beamten hatten die Telefone der Angeklagten überwacht und so von dem geplanten Attentat in Neuss erfahren.

Laut Staatsanwaltschaft hatten sich die Mitglieder der Terrorzelle auch auf Schusswechsel mit der Polizei vorbereitet. So sollen sie in „Paintballhallen“ den Nahkampf mit Waffen trainiert haben. Ebenfalls wird ihnen zur Last gelegt, auch Spenden für den IS eingetrieben zu haben. 40.000 Euro sollten sie für einen Auftragsmord in Albanien bekommen. Dazu kam es allerdings nicht, weil sie das angedachte Opfer in Tirana nicht auffinden konnten.

„Die Angeklagten hatten das Ziel, in Deutschland ein Klima der Angst zu verbreiten“, erklärte Staatsanwalt Michael Klemm zu Beginn des Verfahrens. Der Prozess gegen die fünf Beschuldigten soll lange dauern – frühestens kurz vor Weihnachten wird mit dem Urteil gerechnet. Im Januar war bereits ein Mitglied der Terrorzelle verurteilt worden. Er sitzt nun für sieben Jahre in Haft und soll im Prozess als „Kronzeuge“ aussagen.

(mape)