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Prozess um tadschikische Terrorzelle des IS startet am Mittwoch

Oberlandesgericht in Düsseldorf : Prozess um tadschikische Terrorzelle des IS startet am Mittwoch

Eine Terrorzelle des IS soll im vergangenen Jahr kurz vor ihrem ersten Anschlag in Deutschland gestanden haben. In Neuss sollte ein Islamkritiker ermordet werden. Nun beginnt der Prozess.

Fünf mutmaßliche tadschikische Terroristen des „Islamischen Staats“ stehen ab diesem Mittwoch in Düsseldorf vor Gericht. Die Angeklagten wohnten zuletzt in Essen, Kreuztal, Neuss, Selfkant und Siegen. Sie sind zwischen 24 und 33 Jahre alt. Der Terrorprozess findet im Hochsicherheitstrakt des Düsseldorfer Oberlandesgerichts statt.

Die Bundesanwaltschaft wirft den mutmaßlichen Islamisten unter anderem vor, einen Mordanschlag auf einen Islamkritiker in Neuss geplant zu haben. Außerdem sollen sie, um Geld zu bekommen, für 40.000 US-Dollar einen Mordauftrag zur Erschießung eines Geschäftsmanns in Albanien angenommen haben. Außerdem soll die Gruppe eine fünfstellige Summe für den IS gesammelt und einem Mittelsmann übergeben haben.

Die Ermordung eines islamkritischen Youtube-Kanal-Betreibers aus Neuss soll nur knapp durch den Zugriff eines Spezialeinsatzkommandos verhindert worden sein, heißt es in der Anklage. Die Beschuldigten hätten sich bereits eine Schusswaffe samt Schalldämpfer beschafft.

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Der Islamkritiker hatte im vergangenen April auf Youtube berichtet, dass ein weiterer Mordanschlag auf ihn gescheitert sei. „Diese Geisteskranken hatten sich sogar schon Waffen besorgt“, berichtete er. „Um Haaresbreite hätten sie es geschafft.“

Ermittler hatten die mutmaßliche Terrorzelle im April 2020 zerschlagen. Ein mutmaßlicher sechster Terrorist der Zelle ist bereits im Januar vom Oberlandesgericht zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, der Angeklagte hat Revision eingelegt.

Im westfälischen Rheine sollen die Terroristen paramilitärisch trainiert haben - mit Paintball-Spielen. Außerdem soll sich die Gruppe bei Flugschulen nach Drachen- und Gleitschirmflügen erkundigt haben.

Die Tadschiken-Zelle soll sich im Januar 2019 gegründet haben. Die Gruppe habe sich Anleitungen und Material für den Bombenbau beschafft. Ziel der mutmaßlichen Terroristen sei es gewesen, den bewaffneten Kampf gegen die aus ihrer Sicht „Ungläubigen“ aufzunehmen und in Deutschland Anschläge zu begehen.

Nach Erkenntnissen der Ermittler arbeitete einer der Angeklagten seit 2017 an einem russisch- und tadschikischsprachigen Online-Netzwerk „IS-Provinz Khorasan“ mit, über das weltweit Anhänger radikalisiert und Spenden eingetrieben wurden.

Er habe in engem Kontakt zu zwei hochrangigen IS-Führungskadern in Afghanistan gestanden und soll für den IS eine App für Mobiltelefone programmiert haben. Der Auftragsmord in Albanien sei nur gescheitert, weil die Männer das Anschlagsziel nicht eindeutig identifizieren konnten, sind die Ermittler überzeugt. Das Verfahren leitet der Richter Jan van Lessen. Prozesstermine sind bis zum Jahresende geplant.

(ubg/dpa)