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Praxistest in Neuss: NGZ-Mitarbeiterin mit einem E-Scooter unterwegs

Praxistest in Neuss : Meine erste E-Scooter-Fahrt

Mit dem Elektro-Roller durch die Stadt: Zwei Anbieter machen das möglich und werben mit einem einfachen Registrierungs- und Bezahlsystem. Ganz so ist es nicht, wie im Praxistest deutlich wurde. Das Fahren aber macht Spaß.

Mit den Firmen „Spin“ und „Lime“ präsentieren sich inzwischen  zwei Verleiher von E-Scootern in Neuss und bringen ein wenig Metropolen-Flair in die Quirinusstadt: Aber: Wie nützlich sind die bunten Roller und die auffälligen E-Bikes wirklich? Zeit, es einmal auszuprobieren.

Es braucht nicht viel, um die erste Fahrt anzutreten. Die passende App auf dem Handy, eine Bezahlfunktion hinterlegt, dann kann es auch schon los gehen. Ganz so reibungslos, wie es der Anbieter verspricht, funktionierte es im Praxistest aber nicht. Die auf dem Handy bereits angelegte und ausgewählte Bezahlfunktion mit der hinterlegten EC-Karte funktionierte nicht, erst als eine zweite Option eingerichtet war, wurde der Scooter frei geschaltet. Bedingung beim Anbieter für die Anmietung: Volljährigkeit und ein gültiger Führerschein. Kontrolliert wird das nicht, für die Registrierung reicht die Handynummer.

 Für die Fahrt mit dem E-Scooter wird das Tragen eines Helms empfohlen. Ein Führerschein ist Pflicht, wird aber nicht kontrolliert.
Für die Fahrt mit dem E-Scooter wird das Tragen eines Helms empfohlen. Ein Führerschein ist Pflicht, wird aber nicht kontrolliert. Foto: Andreas Woitschützke

Gefunden war der Roller schnell. Die App zeigt direkt an, wo Fahrzeuge abgestellt sind, inclusive Reichweite und Gehzeit. Erfreulich: An der nächsten Straßenecke stand ein Roller bereit, am Vortag hatte ich noch mehrere Fahrräder und Roller entdeckt, die am nächsten Mittag schon wieder woanders waren. Das Free-Floating-System dieser Sharing-Modelle hat den Vorteil, dass der Nutzer nicht auf feste Parkplätze angewiesen ist, allerdings kann man sich auch nicht darauf verlassen, dass an bestimmten Punkten Fahrzeuge verfügbar sind. Der Blick in das Handy ist Pflicht.

 Die Registrierung vor Fahrtantritt klingt nur in der Theorie unkompliziert. Im Praxistest zeigt sich aber auch: Die Ortung verfügbarer Fahrzeuge ist einfach und zuverlässig.
Die Registrierung vor Fahrtantritt klingt nur in der Theorie unkompliziert. Im Praxistest zeigt sich aber auch: Die Ortung verfügbarer Fahrzeuge ist einfach und zuverlässig. Foto: Andreas Woitschützke
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Die ersten Meter mit dem elektrisch betriebenen Roller fühlen sich merkwürdig an, mit dem Daumen gibt man Gas, und es wird flott auf die Maximalgeschwindigkeit von 20 Kilometern pro Stunde beschleunigt. Nach kurzer Gewöhnung macht es aber durchaus Spaß, Richtung Innenstadt zu fahren. Allerdings stellt sich schnell die Frage, ob man ein solches Gefährt wirklich braucht.

Die getestete Strecke vom Dreikönigenviertel in die Neusser Innenstadt hätte ich ebenso gut mit dem Bus bewältigen können. Nach kurzer Fahrt und einem Plausch mit dem Kollegen hat der Scooter rund 35 Minuten Mietzeit gezählt, das schlägt mit acht Euro zu Buche, ein stolzer Preis. Schließlich will ich das Gefährt wieder loswerden. An der Kreuzung Oberstraße/ Zollstraße ist ein Abstellen nicht möglich, obwohl an dem Standtort schon zwei Fahrräder des Anbieters parken. Erst auf der anderen Seite der Kreuzung ist die Abmeldung möglich. Jetzt könnte ich mich auf Shopping-Tour in die Innenstadt begeben.

Eine Fahrt über den Rhein ist auch möglich, da der Anbieter auch in Düsseldorf präsent ist. So könnte man mit einem Scooter hinfahren, diesen abmelden und mit einem anderen zurück kommen. Günstig ist die Fahrt allerding eher nicht.

Für den Rückweg in Neuss habe ich mir vorgenommen, eines der Miet-Fahrräder, auch mit Elektro-Antrieb, auszuprobieren. Das erneute Freischalten macht noch einmal eine erneute Auswahl und Bestätigung der Bezahlfunktion nötig, was eher unkomfortabel ist. Das Fahrrad bringt dann den Schwung des Elektro-Antriebs mit sich und die gewohntere Fortbewegungsart fühlt sich sicherer an.

Im Praxistest funktionierte das System durchaus, allerdings bleibt am Ende auch die Frage zu stellen, wie nachhaltig solche Systeme wirklich sind. Verstreut im ganzen Stadtgebiet stehen die Roller und Fahrräder bereit, müssen regelmäßig mit frischem, bestenfalls grünem Strom versorgt und mitunter neu verteilt werden. Beim Spaziergang Richtung Reuschenberger Busch entdecke ich auch Roller im Gebüsch. Die falsch geparkten und quer auf Wegen liegenden Roller werden schnell zum Ärgernis. Sinnvoll ist der Aufwand also nur, wenn so individuelle Autofahrten vermieden werden. Da der Aktionsradius begrenzt ist, sind die Fahrten auch eher kurz und können auch gut mit dem Öffentlichen Personennahverkehr bewältigt werden. Persönliches Fazit: Ganz amüsant, aber nicht wirklich nötig.