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Nils Schomber visiert in Apeldoorn mit Bahnrad-Vierer das EM-Finale an

Radsport : Nils Schomber visiert mit Vierer EM-Finale an

Bei den Bahnrad-Europameisterschaften in Apeldoorn geht es auch um Punkte fürs Ticket zu den Olympischen Spielen 2020 in Tokio.

Stress ist Angst – und damit Gift, nicht nur, aber gerade für Hochleistungssportler. Und darum sind für Nils Schomber solche Momente wie am Montag kostbar. Da cruiste der Wahl-Neusser gemeinsam mit seinen Kollegen Maximilian Beyer, Felix Groß, Theo Reinhardt, Leon Rohde und Domenic Weinstein (alle Team Heizomat rad-net.de) auf seinem Hightech-Fahrrad ganz entspannt durch die Veluwe.

Die kleine Tour im größten zusammenhängenden Waldgebiet der Niederlande stimmte Kopf und Beine ein auf den Endspurt ums Ticket für die Olympische Spiele nächsten Sommer in Tokio (24. Juli bis 9. August). Da will Nils Schomber unbedingt hin – wie 2016 (Rio de Janeiro), als er in der Mannschaftsverfolgung über 4000 Meter mit Henning Bommel, Kersten Thiele, Domenic Weinstein und Theo Reinhardt Platz fünf belegte. Nur dieses eine Ziel zählt. Und darum sind die Bahnrad-Europameisterschaften im Omnisport Apeldoorn mehr als der Kampf um Medaillen und Bestzeiten. „Für uns geht es um alles“, sagt Schomber. Nur acht Nationen schaffen es im Bahnvierer nach Japan. In der Weltrangliste liegt Deutschland zur Halbzeit auf Rang fünf, wäre also dabei.

Doch das ist nicht mehr als die in Mode gekommene Momentaufnahme. Denn der Wettbewerb ist knüppelhart: In Europa sind Olympiasieger Großbritannien und der WM-Dritte Dänemark der Konkurrenz ein gutes Stück voraus, dahinter streiten sich Italien, 2018 in Glasgow Europameister, und Deutschland um Bronze. Aber auch die Schweizer sind zu beachten, holten gerade erst Bronze bei den Europaspielen in Minsk und EM-Silber 2018 in Schottland. „Wichtig wäre auch, dass wir Belgien hinter uns lassen“, fügt Schomber an. Weniger Sorgen bereiten dem 25-Jährigen die unberechenbaren Russen. „Ein Phänomen: Bei ihren Meisterschaften sind die immer superschnell, aber wenn es drauf ankommt, siehst du von denen nichts mehr.“ Und dann gibt es da ja auch noch den amtierenden Weltmeister Australien. Im polnischen Pruszków verwiesen die schnellen Jungs aus Down Under im Frühjahr die Briten, Dänemark, Kanada, Deutschland, die Schweiz, Polen und Neuseeland auf die weiteren Plätze. Ein ziemliches Gedränge. Im Vorjahr hatten die deutschen Ausdauer-Asse bei der EM in Glasgow als Vierte hinter Italien, der Schweiz und Großbritannien nur knapp das Podest verpasst. Kein Wunder also, dass Bundestrainer Sven Meyer von seinen Schützlingen auch in Apeldoorn eine Spitzenplatzierung erwartet. Präziser: Nach Qualifikation (der BDR-Vierer dürfte so gegen 17.30 Uhr starten) und erster Runde (wohl nicht vor 21 Uhr) am Mittwochabend soll das Finale der besten Vier am Donnerstag (ab 19 Uhr) gebucht sein.

Schomber ist bereit. Die Form sei um einiges besser als im schwierigen, von Verletzungen und Krankheiten geprägten vergangenen Jahr, versichert er gewohnt gelassen. Und auch die Bahn liege ihm. 4000 Meter seien eben nicht immer gleich 4000 Meter, da gebe es durchaus Unterschiede, erklärt er: „Im kolumbianischen Cali zum Beispiel folgt auf eine längere Gerade eine kürzere Kurve – das fährt sich im Vierer nicht ganz so gut.“

Apeldoorn hat für ihn auch deshalb einen guten Klang, weil dort die Geschichte des neuen Bahnvierers ihren Ursprung nahm. 2013 war das. Während Schomber als 19-Jähriger im Punktefahren sein EM-Debüt gab, stürzten seine zukünftigen Teamkollegen bei den Mannschaftsverfolgern förmlich ab: Rang 13 und damit Vorletzter. Ein Debakel. „Und für uns so etwas wie ein Wendepunkt“, erinnert er sich noch gut an die damalige Aufbruchstimmung. Seither gehört er zur Stammformation, war bei fast allen Großereignissen gesetzt. Ob das auch für Olympia 2020 gilt, dürfte sich bis zu den Weltmeisterschaften im Velodrom von Berlin-Prenzlauer Berg (26. Februar bis 1. März) entschieden haben. Steht er auch da noch im Team, sollte eine Akkreditierung für Tokio seinen Namen tragen.

Bis dahin verbringt er mit seinem Zimmergenossen Theo Reinhardt sicher noch so manche Nacht in irgendeinem Mannschaftshotel. „Denn wir sind das unschlagbare Duo“, verrät er grinsend.