Fußball: Kapellen tritt zum Lokalderby in Jüchen an.

Fußball : Sieg zu Ferbers „50.“ bescherte Kapellen die Tabellenführung

Nur zwei Tage nach dem Husarenritt in St. Tönis müssen die Landesliga-Kicker von der Erft am Freitagabend im Derby beim VfL Jüchen/Garzweiler ran. 

Lokalderbys lassen keinen kalt, sind Emotion pur. Auch der Auftritt des SC Kapellen in der Fußball-Landesliga am Freitagabend (Anstoß 19.30 Uhr) beim VfL Jüchen/Garzweiler liefert Geschichten satt.

Sven Raddatz zum Beispiel spielt nach, so SCK-Coach Oliver Seibert, „drei Millionen Jahren“ in Kapellen zum ersten Mal in seiner langen Karriere gegen seinen Heimatverein, mit dem er 2004 unter Trainer Horst Steffen in die Verbandsliga aufgestiegen war. Im gesegneten (Fußball-)Alter von 34 Jahren war der Edeltechniker diesen Sommer an die Stadionstraße gewechselt, hatte im Niederrheinpokal die Rote Karte gesehen, sich aber am vergangenen Sonntag beim 1:1 gegen den VfB Solingen zurückgemeldet. Zwar führt der Kader der Viktoria  in Philip Erkes – setzte in Solingen nach seiner Ampelkarte gegen Amern aus –, Tobias Daumen, Lars Schuchardt, Erol Dzaferi, Anil Kilinc und Bela Jesaja Kutsojannis noch weitere Akteure mit einer Kapellen-Connection auf (auch Co-Trainer Torsten Müllers gehörte an der Erft zum lebenden Inventar), doch von Anfang an zum Einsatz kommen dürfte heute lediglich Raddatz. Gerne hätte Seibert auch den Ex-Gladbacher Jochen Schumacher verpflichtet, doch der 29-Jährige blieb in der Gemeinde, ging nach dem Rückzug des SV Bedburdyck/Gierath aus der Bezirksligist zum VfL.

Der ebenfalls bereits seit einer gefühlten Ewigkeit als Spieler und Trainer im Rhein-Kreis tätige Jörg Ferber stand nie in Jüchen unter Vertrag, trotzdem ist das Match auch für ihn etwas Besonderes. Der Sportliche  Leiter des SCK feiert am Freitag runden Geburtstag, wird 50. Darum seine schmunzelnd vorgetragene Warnung an die Mannschaft: „Wenn die Jungs das Spiel verlieren, reiße ich jedem eigenhändig den Kopf ab.“ Zudem könnte das Ergebnis Auswirkungen auf die Freizeitgestaltung des aktiven Personal haben. Ferber: „Bei einem Sieg können alle am Dienstag Kirmes feiern, denn dann gibt es trainingsfrei.“

Muße, sich mit derlei Dingen ernsthaft zu beschäftigen, hat Michele Fasenelli nicht. Nach drei sieglosen Partien zum Start hätte sich der Trainer des VfL einen anderen Gegner gewünscht als ausgerechnet den vor Esprit und Selbstbewusstsein strotzenden SCK. „Das ist schon eine echte Hausnummer“, sagt er. „Kapellen hat die hohen Erwartungen bislang voll erfüllt.“ Doch gelaufen sieht er das Match für seine im Gegensatz zum SCK am Mittwoch spielfreien Schützlinge damit keineswegs. „Diese Liga ist unberechenbar, das haben die ersten Spiele deutlich gezeigt.“ Er glaubt weiterhin fest an sein Team, das mit einem Erfolgserlebnis Selbstvertrauen für die anstehenden Wochen tanken könnte. Darum sein Appell: „Nicht jammern, sondern Ärmel hochkrempeln und an sich glauben!“ Und dabei den Kopf einschalten, denn für ihn steht fest: „Defensiv müssen wir sehr gut stehen, müssen taktisch nahezu perfekt sein. Dafür brauche ich Spieler, die hundertprozentig fit sind und eine hohe Laufbereitschaft mitbringen.“

Trotz des relativ miesen Saisonstarts des Kontrahenten mahnt indes auch Ferber: „Das wird ein richtig schweres Spiel, schließlich haben die ja selber gesagt, dies sei die beste Mannschaft, die sie jemals in Jüchen hatten.“ Dass die erfolgreiche Truppe einschließlich Niederrheinpokal schon das fünfte Pflichtspiel binnen 14 Tagen zu bestreiten hat, sieht er derweil trotz der drohenden Ausfälle der erfahrenen Innenverteidiger David Dygacz und Nils Dübbert ziemlich entspannt. „Wir sind auch in der Breite sehr gut aufgestellt, verfügen etwa im Abwehrzentrum in Marcel Koch und Ibrahim Kanat über starke Alternativen. Auch Jannik Schulte hat seine Sache in St. Tönis nach seiner Einwechslung gut gemacht.“

Auch noch wichtig: Mit einem Sieg würde der SC Kapellen mindestens bis Sonntag die Tabellenführung übernehmen.

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