Handball : Zum Start kommt gleich der dickste Brocken

Für den TSV Bayer Dormagen beginnt die „Mission Klassenerhalt“ mit der Partie am Freitag gegen Aufstiegsfavorit TuS N-Lübbecke.

Eindeutiger als zum Auftakt am heutigen Freitagabend (19.30 Uhr, TSV-Bayer-Sportcenter) dürften die Vorzeichen in keiner anderen der insgesamt 38 Partien verteilt sein, die der TSV Bayer Dormagen bis zum 8. Juni auf dem Weg zum Klassenerhalt in der Zweiten Handball-Bundesliga zu bestreiten hat.

Hier der Aufsteiger, der mit einem der kleinsten Etats aller 20 Klubs und einem Kader an den Start geht, in dem gerade mal vier Spieler (von denen bei zweien der Einsatz fraglich, bei einem ausgeschlossen ist) über so etwas wie Zweitliga-Erfahrung verfügen. Da die Gäste vom TuS N-Lübbecke, denen nur eine (verlorene) zweite Halbzeit im letzten Saisonspiel in Lemgo zum Verbleib in der Ersten Liga fehlte und die so schnell wie möglich dorthin zurück wollen. Und das mit einem Aufgebot, von dem Geschäftsführer Torsten Appel sagt, „dass wir mit dem auch in der Bundesliga angetreten wären.“

Auch Trainer Aaron Ziercke stimmt dem Saisonziel „sofortiger Wiederaufstieg“ ohne Einschränkung zu, gibt freilich zu bedenken, „dass das kein Selbstläufer wird. Wir brauchen hundertprozentiges Engagement in allen Spielen, wir haben es in dieser Saison mit einer besonders starken Zweiten Liga zu tun.“ Da schließt der 46 Jahre alte Ex-Nationalspieler, der den TSV Bayer aus seinen Trainerzeiten bei GWD Minden II und HCE Rostock aus eigener Anschauung kennt, den Auftaktgegner durchaus mit ein: „Dormagen wird seine Aufstiegseuphorie in die Waagschale werfen. Die sind bereit, Risiko zu spielen und hohes Tempo zu gehen.“

Das deckt sich mit dem, was sein Kollege am Freitagabend vorhat: „Wir werden auf jeden Fall alles versuchen, um zum Auftakt zu punkten. Gegen den haushohen Favoriten haben wir doch nichts zu verlieren,“ sagt Trainer Ulli Kriebel vor der ersten Zweitliga-Partie seiner Trainerlaufbahn. Ihm kommt das Gastspiel des Erstliga-Absteigers gleich am ersten Spieltag gar nicht so ungelegen: „Einen besseren Zeitpunkt, um gegen die zu spielen, gibt es eigentlich nicht.“

Das sieht Björn Barthel ähnlich: „Wenn eine Mannschaft unter Druck steht in diesem Spiel, dann ist das der TuS N-Lübbecke, denn die müssen bei uns auf jeden Fall gewinnen. Vielleicht“, hofft der Dormagener Handball-Geschäftsführer, „gelingt uns unter diesen Vorzeichen ja eine Überraschung.“

Freilich weiß auch er, dass dafür „alles passen“ muss beim Neuling. Und danach sieht es kurz vor dem ersten Saisonspiel nicht unbedingt aus. Denn ob von den am vergangenen Pokalwochenende wegen ihrer Blessuren geschonten Heider Thomas, Daniel Eggert (beide mit Zweitlga-Erfahrung) und Lukas Stutzke einer (oder mehrere) einsatzfähig sein werden, entscheidet sich erst kurz vor dem Anpfiff. So kommt vielleicht schon früh zum Tragen, was Kriebel als einen Vorteil angesichts der strapaziösen Saison mit 38 Punktspielen in knapp neun Monaten (inklusive sechswöchiger WM-Pause) als Vorteil ansieht: die „Breite des Kaders.“

Das, sagt der Trainer, habe sich bereits in der Vorbereitung gezeigt, die er als insgesamt „recht ordentlich“ einstuft. Selten einmal konnte er zwei Vorbereitungsspiele mit dem gleichen Aufgebot bestreiten, auch eine Folge davon, dass Lukas Stutzke und Janis Boieck mit der Junioren-Nationalmannschaft bei der U20-Europameisterschaft im Einsatz waren. Die bescherte dem Duo zwar Bronze, Kriebel aber zusätzliche Arbeit, mussten sie doch recht kurzfristig in den ohnehin auf sechs Positionen umgestalteten Kader eingebaut werden.

Deshalb kam dem TSV-Trainer das Pokalwochenende mit dem Sieg über Drittligist Northeim und der Niederlage gegen Rekordmeister THW Kiel sehr gelegen. „Auch weil wir zwei Tage mit Übernachtung komplett zusammen waren, hat uns das noch einmal einen Schritt nach vorne gebracht.“ Eine „erste Sieben“ hat Kriebel trotzdem nicht gefunden. Das findet der 40-Jährige freilich nicht weiter schlimm, im Gegenteil: Außer auf Linksaußen, wo der glänzend eingeschlagene Joshua Reuland mehr oder weniger „gesetzt“ sei, habe niemand einen Stammplatz sicher. Das sorge nicht nur für leistungsfördernde Konkurrenz im Training, sondern mache den TSV „auch nicht so leicht ausrechenbar.“

Eher auszurechnen ist die Resonanz unter den Fans. 800 Karten (davon 530 Dauerkarten) waren bis 30 Stunden vor dem ersten Anpfiff verkauft. Björn Barthel rechnet daher am Freitagabend (die Kasse öffnet um 18.30 Uhr) mit 1200 Zuschauern, gibt aber zu: „Es dürften ruhig ein paar mehr kommen.“

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