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Dormagener Säbelfechter machen bis zu Olympischen Spielen 2021 weiter

Fechten : Vom Problem, sich zu motivieren

Offiziell dürfen sich die Dormagener Säbelfechter im Training wieder duellieren, doch sie tun es nur selten. „Die Jungs hängen in der Luft, ihnen fehlen die konkreten Ziele,“ sagt ihr Sportlicher Leiter Olaf Kawald. Und ohne die fällt es schwer, sich im Training zu motivieren.

„Bundestrainer nimmt  Urlaub vier Wochen vor Olympia“. So würde die skandalträchtige Schlagzeile lauten, gäbe es kein Virus namens Covid 19. Doch weil die Corona-Pandemie alles verändert und die Olympischen Spiele in Tokio um ein Jahr nach hinten verschoben hat – statt am 24. Juli 2020 sollen sie nun am 23. Juli 2021 beginnen – kann sich Vilmos Szabo getrost ein paar freie Wochen gönnen.

Was soll der Cheftrainer der deutschen Säbelfechter sonst auch tun? Zwar dürfen seine Schützlinge aus den Olympia- und Perspektivkadern seit ein paar Wochen wieder zum Training in die Halle. Und theoretisch könnten sie sich dort auf der Fechtbahn auch wieder duellieren. „Machen sie aber höchst selten,“ sagt Olaf Kawald, Sportlicher Leiter Fechten beim TSV Bayer Dormagen.

Doch das hat nur indirekt etwas mit Corona-Schutzverordnungen zu tun. „Die Jungs hängen in der Luft,“ sagt Kawald, „du hast keine konkreten Ziele, und ohne Ziele fällt es allen schwer, sich im Training zu motivieren.“ Das, sagt Kawald, sei im Moment „das große Thema“ und das „größte Problem für Athleten und Trainer.“ Das sieht auch Max Hartung so: „Wir wollen bereit sein, wenn es wieder los geht, aber so Gas zu geben wie vor einem großen Turnier ist natürlich schwer,“ sagte der Zweite der Säbel-Weltrangliste unlängst in einem Interview mit dem ZDF. Weshalb er im Training derzeit „wenig Fechtspezifisches“ mache.

Das geht allen so. „Der Fokus liegt momentan auf dem Athletiktraining,“ sagt Kawald. Und das wird meistens unter freiem Himmel abgehalten, nicht nur der hochsommerlichen Temperaturen wegen. Was das „Fechtspezifische“ angeht, stehen höchstens Einzellektionen auf dem Plan – das sind jene Einheiten, in denen sich Trainer und „Schüler“ gegenüberstehen und dabei bestimmte Techniken und Mechanismen üben.

Zu Trainingsgefechten, sonst das Salz in der Fecht-Suppe, hat momentan keiner so recht Lust. „Weil keiner weiß, worauf er sich vorbereiten soll,“ sagt Kawald. Denn keiner weiß, wann er wieder einen Wettkampf bestreiten darf. Schuld an der Hängepartie ist der Fecht-Weltverband FIE. Der hatte sich schon im März wenig entschlussfreudig gezeigt, als es darum ging, eine Entscheidung über Fortsetzung oder Abbruch der Saison zu treffen. Ähnlich stellt sich die Lage auch jetzt dar – es gibt weder Nachholtermine für die ausgefallenen Events noch eine Terminplanung für die neue Saison.

Doch von der FIE sind alle abhängig. „Wir können ja auf nationaler Ebene keine Turniere und Meisterschaften ansetzen, ohne zu wissen, was der Weltverband vorhat,“ sagt Kawald, der auch Fachbereichstrainer beim Deutschen Fechterbund ist. Denn die FIE-Termine haben immer Vorrang, „und es macht ja keinen Sinn, wenn die Deutschen Meisterschaften am gleichen Wochenende stattfinden wie ein Weltcup-Turnier,“ sagt Kawald.

Das einzig Gute an der augenblicklichen Situation: Ihren Startplatz in Tokio, den sie sich im letzten Weltcup-Turnier vor dem weltweiten Lockdown erkämpften, haben die deutschen Säbelfechter sicher. Zwar steht noch ein für die Qualifikationsrangliste zählendes Weltcup-Turnier aus, das an einem unbestimmten Zeitpunkt nachgeholt werden soll, doch selbst bei ungünstigstem Verlauf könnte die deutsche Equipe nicht mehr von ihrem Qualifikationsrang verdrängt werden. Was gleichzeitig bedeutet, dass in Tokio neben dem über seinen zweiten Platz auf der Weltrangliste ohnehin qualifizierten Max Hartung zwei weitere deutsche Säbelfechter im Einzelwettbewerb starten dürfen.

„Wenn die Olympischen Spiele im nächsten Jahr überhaupt stattfinden,“ schränkt Kawald ein. Die Zusage, ihre Karriere bis dahin fortzusetzen, haben Max Hartung, Matyas Szabo, Richard Hübers und der nach seiner Knie-Operation inzwischen wieder ins Athletiktraining eingestiegene Benedikt Wagner gegeben. Jetzt brennen die „vier Musketiere“ darauf, endlich wieder um Punkte auf einer Planche zu fechten. Dann hätte sich das Problem mit der schwierigen Motivation bestimmt schnell erledigt.