Kriminalität im Rhein-Kreis Neuss Mafia-Prozess - Spur führt in den Rhein-Kreis Neuss

Rhein-Kreis · Ein Duo muss sich wegen Betrugs, Falschgelddelikten, Drogenkriminalität, Urkundenfälschung und Hehlerei vor Gericht verantworten. Einer der Angeklagten soll Helfer im Rhein-Kreis Neuss angeworben haben.

 Der Prozess beginnt am Landgericht Düsseldorf.

Der Prozess beginnt am Landgericht Düsseldorf.

Foto: dpa/Marcel Kusch

Am Mittwoch startet in Düsseldorf ein spektakulärer Prozess: Zwei Italiener müssen sich dort wegen Betrugs, Falschgelddelikten, Drogenkriminälität, Urkundenfälschung und Hehlerei vor dem Landgericht verantworten. Beide sollen unmittelbare Kontakte zur Mafia gehabt haben. Laut Landeskriminalamt hatten sie Helfer in Neuss, Kaarst und Dormagen. Es scheint ein echtes Mammut-Verfahren zu werden – schon jetzt hat das Gericht über 20 Verhandlungstage angesetzt.

Der Grund für die vielen Verhandlungstage ist vermutlich die mangelnde Aussagebereitschaft der Angeklagten. Trotz belastender Telefonüberwachungen und zahlreicher weiterer Indizien hat keiner der beiden Angeklagten bislang auch nur ein Teilgeständnis abgelegt. Im Gegenteil: Einer der beiden erklärt, er habe sich noch nie in seinem Leben etwas zu Schulden kommen lasse und würde in der Nähe von Neapel mit seiner italienischen Großfamilie entsprechend ein unbescholtenes Leben führen. Der Mitangeklagte hat bislang lediglich Angaben zum Lebenslauf gemacht. Er soll es gewesen sein, der angeblich im Rhein-Kreis Neuss in verschiedenen Städten Landsleute angeworben hat, um durch eine Reihe von kriminellen Machenschaften Gewinne im Millionenbereich abzuschöpfen. So soll der 56-Jährige unter anderem in hohem Maße Falschgeld in Umlauf gebracht haben.

Die „Blüten“ sollen zuvor in einer professionellen Fälscherwerkstatt in Italien hergestellt worden sein. „Es ist nahezu unmöglich, das Falschgeld auf den ersten Blick zu erkennen“, so Chefermittler Oliver Huth vom Landeskriminalamt, „die Scheine haben den bekannten Silberstreifen, ein Wasserzeichen und eine identische Papierdicke im Vergleich zu echten Euro-Scheinen.“ 160.000 Euro hatten Huth und Ermittler aus Italien in der Fälscher-Werkstatt in Neapel sichergestellt. Sie gehen davon aus, dass die Falschgeld-Ganoven in der Lage waren, bis zu 35 Millionen Euro innerhalb weniger Wochen dort herzustellen und in Umlauf zu bringen. Laut Landeskriminalamt hatten die Männer unmittelbaren Kontakt zur neapolitanischen Camorra, die zu den ältesten kriminellen Organisationen Italiens gehört.

Neben den Falschgeldgeschäften soll der aus dem Rheinland stammende Angeklagte mit Kokain und Marihuana gehandelt haben. „Ein weiteres Geschäftsfeld war der Handel mit unterschlagenen oder gestohlenen Autos“, heißt es in der Anklage. Dabei soll der 56-Jährige auch nicht davor zurückgeschreckt sein, Kinder seiner „Gehilfen“ aus dem Rhein-Kreis Neuss in die kriminellen Machenschaften einzubinden.

Laut Landeskriminalamt sollen die Kinder unter anderem Smartphones zur Verfügung gestellt haben, um darüber Absprachen zu treffen. Ansonsten sollen die „Beteiligten“ aus Dormagen, Kaarst und Neuss nach Angaben der Ermittler geholfen haben, Drogen und Falschgeld in Umlauf zu bringen.

Da beide Angeklagte zu den eigentlichen Tatvorwürfen bislang keine Angaben gemacht haben, will die Staatsanwaltschaft nun versuchen, sie mit Hilfe zahlreicher Zeugenaussagen und Telefonüberwachungs-Protokollen zu überführen. Gut möglich, dass im Verfahren auch Mafia-Ermittler aus Italien eingeflogen werden. Prozessbeginn ist am 2. März, mit dem Urteil wird nicht vor Ende Juli gerechnet.