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Leverkusen Die Lokalhistorie liegt Ex-OB Ernst Küchler am Herzen

Serie: Was macht eigentlich ...? : Die Lokalhistorie liegt Ex-OB Ernst Küchler am Herzen

Der ehemalige Oberbürgermeister von Leverkusen engagiert sich nach wie vor für seine Stadt – in der Politik ebenso wie in der Geschichtsforschung.

Als Ernst Küchler 2009 nach fünf Jahren als Oberbürgermeister das Amt an den Gegenkandidaten der CDU, Reinhard Buchhorn, abgeben musste, war er 65 Jahre alt und hatte somit das Ruhestandsalter erreicht. Wirklich ruhig hat er es seitdem allerdings nicht angehen lassen. Deswegen ist er auch nie – wie viele seiner ehemaligen Mitstreiter – von der Bildfläche verschwunden. Nach wie vor engagiert er sich auf vielfältige Weise, so viel, dass er nun doch etwas die Bremse anziehen will.

Beispielsweise wird der heute 76-Jährige bei der nächsten Mitgliederversammlung des Opladener Geschichtsvereins (OGV) nicht mehr für den Vorstand kandidieren. „Das heißt nicht, dass ich mich dort vollständig zurückziehe“, versichert der Politikwissenschaftler, der sein Studium an den Universitäten Berlin und Freiburg als Diplompolitologe abschloss. Weiterhin werde er im OGV mitarbeiten, allerdings auf bestimmte Projekte beschränkt, die mit einer Ausstellung oder Veröffentlichung abschließen.

Politik und Geschichte sind sein Lebensinhalt. Küchler liest viel, und zwar – neben dem täglichen Zeitungsstudium – durchweg Sachbücher. Mit Belletristik könne er wenig anfangen, gesteht er. Und Fußball sei im deutlich wichtiger als Krimis. Seit Jahrzehnten habe er ein Abo der Werkself. Das gehöre zum Tagesrhythmus eines Ruheständlers. Er selbst sei nie ein großer Sportler gewesen. Zu Dienstzeiten habe er sich jeden Morgen mit Walking fit gehalten, jetzt habe er sich ein E-Bike gegönnt.

Insbesondere aber liegt ihm die Lokalhistorie am Herzen, die seiner Meinung nach nicht nur von ehrenamtlich engagierten Laien in den Geschichtsvereinen aufgearbeitet und bewahrt werden sollte, sondern von hauptamtlichen Fachleuten. Als Ehrenvorsitzender der SPD Leverkusen, die ihn 1993 zum Vorsitzenden wählte, ist er nach wie vor im Ortsverein und im Wahlkampf aktiv und berät alle, die seinen Rat als politisches Urgestein suchen. „Ich bin noch nah am Geschehen, allerdings auf freiwilliger Basis und nicht so verpflichtend wie in der aktiven Zeit“, sagt er.

Er hat sich auch unmittelbar nach der Wahlniederlage 2009 nicht verkrochen, sondern trat zurück ins Glied, nahm sein Ratsmandat an, um weiter Verantwortung für Leverkusen zu tragen und Politiker zu bleiben, „der mit den Menschen redet, der ihnen zuhört, der ihnen hilft, der ihnen aber auch unangenehme Wahrheiten nicht verschweigt.“ Nach dem Motto: sagen, was man tut und tun, was man sagt.

Die Entwicklung der Neuen Bahnstadt Opladen hat er von Anfang an begleitet, nach wie vor gehört er dem Aufsichtsrat an, als stellvertretender Vorsitzender. Der Beginn dieses neuen Stadtteils auf dem ehemaligen Gelände des Bundesbahn-Ausbesserungswerkes fiel ebenso in seine Amtszeit als OB wie die Landesgartenschau und der Bau der Rathaus-Galerie mit dem Rathaus-Ufo, das allerdings erst sein Nachfolger beziehen konnte.

Auch nach Berlin gibt es noch lose Bindungen mit gelegentlichen Terminen. Als Mitglied im Verein ehemaliger Bundestagsabgeordneter – Küchler war das von 1998 bis zu seiner OB-Wahl 2004 – besucht er möglichst die regelmäßigen Treffen mit Diskussionen und Erinnerungen. Das gilt auch für den Uni-Verein seiner Geburtsstadt Freiburg, wo nach wie vor ein großer Teil der Familie wohnt.

Er pflegt noch Kontakte aus seiner VHS-Zeit in Köln und Leverkusen. Zum 100-Jährigen der Volkshochschulen in Deutschland hat er ein Kapitel über die 1980er Jahre in der umfangreichen Veröffentlichung geschrieben. Dazu habe er in beiden Kommunen sehr viel recherchiert, sagt er.

Seine Frau Birgit hat sich lange gewünscht, dass ihr Mann wie sie im BachChor mitsingt, dessen Konzerte er immer besuchte. Anfang des Jahres hat er sich zu diesem weiteren regelmäßigen Termin durchgerungen.

Und er hat fest vor, sich wieder für das Seniorenstudium in Köln einzuschreiben, was er in den letzten Jahren aus Zeitgründen zurückgefahren hatte. Ein bis zwei Uni-Tage pro Woche würde er genießen: „In Vorlesungen mal angestrengt zuhören, die wissenschaftliche Beschäftigung mit politisch-historischer Lektüre oder Austausch in einer Arbeitsgruppe“, das sind Ernst Küchlers Wünsche für die nächste Zukunft.