Adelmanns Rede im Krefelder Rat: Wie die "Fridays for Future"-Jugend denkt und spricht

Krefeld : Adelmanns Rede: Wie die Klima-Jugend denkt und spricht

Ein 17-Jähriger hält eine kurze Klima-Rede im Krefelder Rat - und sie ist rhetorisch so durchgefeilt, wie man es von der „Fridays for Future“-Ikone Greta Thunberg kennt.

(vo) Eine Sitzungsunterbrechung machte es möglich, dass der 17-jährige David-Luc Adelmann, Schüler am Maria-Sibylla-Merian-Gymnasium, als Vertreter der Krefelder Klimaaktivisten eine kurze Ansprache an den Rat halten konnte. Wir dokumentieren seinen Text im Wortlaut:

„In Mecklenburg Vorpommern brennen die Wälder, in Spanien vertrocknet die Landschaft, in Mosambik sterben Menschen. Diese Phänomene, von denen es heutzutage leider viel zu viele gibt, scheinen auf den ersten Blick unverbunden. Auf den zweiten, den schwierigeren Blick, sind sie aber alle aufs Engste miteinander verknüpft. Dieser zweite Blick wird uns von der Wissenschaft ermöglicht: den Tausenden Männern und Frauen, die ihre Zeit darauf verwenden, uns die Welt zu erklären. Und sie sagen uns mit überwältigender Mehrheit, dass diese Ereignisse, seien es Waldbrände, Desertifikation, Fluten oder Hurricanes, alle Folgen unseres menschlichen Handelns sind.

Sie sind die Folge der dramatischen Veränderungen, die durch menschengemachte Emissionen, in unserem Klima stattfinden. Diese Diagnose scheint gewaltig. So ungreifbar, ja unfassbar. Doch sie ist wahr.

Diese Feststellung ist verständlicherweise beängstigend. Doch hat die Wissenschaft die angenehme Eigenheit, nicht nur Problem zu finden, sondern auch gleich Lösungen hinterherzuliefern. Und genau das hat sie auch getan. Die Maßnahmen gegen die Klimakrise sind seit Jahrzehnten bekannt und warten nur darauf, umgesetzt zu werden.

Nun sind diese Maßnahmen nicht einfach, sie sind nichts, was man über Nacht umsetzen wird und jeder einzelne wird auf Dinge verzichten müssen. Doch ist der Klimaschutz, als einer der wenigen Dinge auf dieser Erde, tatsächlich und ohne Zweifel, alternativlos.

Und nun zu Krefeld, unserer im Vergleich zur restlichen Welt so kleinen Stadt. Was können wir schon an der Klimakrise ändern? Diese Frage haben wir in den letzten Monaten immer wieder gehört. Und hier ist unsere Antwort. Wenn keiner den erste Schritt wagt, wird auch nichts geschehen. Doch jeder einzelne Schritt, so klein er auch sein mag, zählt. Und es ist nicht so, dass Krefeld die erste Stadt ist, diese Gelegenheit wurde leider verpasst.

Vor uns haben schon sieben andere Städte in Deutschland und viele andere aus der ganzen Welt den Klimanotstand ausgerufen. Erst gestern wurde er in New York verkündet. Krefeld kann sich nun in diese immer länger werden Linie einreihen und dem Rest der Welt zeigen, dass es noch Hoffnung gibt. Wir haben Ihnen vor einigen Wochen die MCC Uhr überreicht. Dort können Sie den momentanen CO2 Ausstoß ablesen und wieviel Zeit uns noch bleibt. Aber mit jedem einzelnen Gramm eingespartem CO2 gewinnen wir mehr Zeit. Mit jeder kleinen Maßnahme gewinnen wir mehr Zeit für die Umsetzung der großen.

Und genau das soll der Klimanotfall, so wie er im SPD-Vorschlag präsentiert wird, bewirken. Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, die Klimakrise wird nicht nur durch Recycling-Papier und mehr Radfahrer*innen aufgehalten, aber diese Dinge erkaufen uns Zeit. Zeit, die wir bald nicht mehr haben werden.

Zum Ende noch etwas Positives: Krefeld ist bei weitem nicht die beste Stadt, was Klimaschutz angeht, doch Sie können heute Abend zeigen, dass sich Dinge verändern können. Es ist nur ein kleiner Schritt, aber es ist der richtige.

Und wenn das Klimaschutzkonzept so schnell umgesetzt werden kann, wie es die Maßnahmen des Klimanotfalles hoffentlich werden, können wir wieder etwas ruhiger schlafen. Und irgendwann vielleicht auch freitags wieder zur Schule gehen!“

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