Fridays for Future-Demo in Rees mit nur weniger Teilnehmern als zuvor

Fridays for Future-Demonstration : Mit Argumenten überzeugen

Die Teilnahme an der dritten Reeser „Fridays for Future“-Demo war diesmal eher mäßig. Gastredner Jannick Berbalk kündigt erstes Büro der Klima-Aktivisten in NRW für Kleve an.

Um ein Haar wären mehr Polizeibeamte (zwei) als Schüler auf dem Marktplatz gewesen, doch dann kam doch noch eine achte Schulklasse des Gymnasiums Aspel. Nicht nur, um notwendige Maßnahmen zum Klimaschutz einzufordern, sondern auch, um später im Unterricht einen Aufsatz über die dritte „Fridays for Future“-Demo (FFF) auf Reeser Boden zu verfassen. Nach und nach kamen noch weitere Schülerinnen und Schüler zur Kundgebung vor dem Rathaus. Am anschließenden Protestmarsch durch die Innenstadt beteiligten sich aber nur einige von ihnen.

Jule Schwartz, eine der drei Organisatorinnen neben Marion Sherwood und Stella Scholaja, blickte zurück auf das, was die junge FFF-Bewegung und ihre Helfer in Rees bereits geschafft haben: Viele Schulen werden künftig auf Recycling-Papier setzen, es werden Insektenkästen installiert und umweltfreundliche Alternativen für das Kirmesfeuerwerk sowie ein autofreier Sonntag in Rees diskutiert. Zudem laufen Gespräche, die Heizungen in Schulen um ein Grad Celsius zu senken. Jule Schwartz appellierte an „die jungen Menschen und nicht mehr ganz so jungen Menschen“, sich dem kleinen Organisatorenteam anzuschließen: „Wir haben schon viele Türen geöffnet, aber wir können uns nicht aufteilen und alle Aufgaben allein bewältigen.“

Gastredner Jannik Berbalk, Koordinator von bislang 24 FFF-Demonstrationen im Kreis Kleve, kritisierte die Bundesregierung für ihr Klimapaket. Auch die Landesregierung sei nicht in der Lage, eine Alternative zur Braunkohle-Energie durchzusetzen, obwohl die technischen Voraussetzungen gegeben seien, etwa für den Niederrhein in nur zwei Jahren eine klimaneutrale Energieversorgung zu schaffen. Zudem brauche es hier ein vorbildliches Netz aus Bussen, Bahnen und Fahrradwegen, wie es die direkten Nachbarn in den Niederlanden bereits seit Jahren nutzen können.

Von den Reeser Fraktionen waren die SPD und die Grünen der Einladung gefolgt, im Rahmen der Demonstration zu sprechen. Helmut Wesser (Grüne) beschrieb ein klimaschonendes Szenario, das mit gutem Willen schnell realisierbar sei: Sammeltaxi, Car-Sharing, Mitfahrbänke und „ein Busringverkehr, der alle unsere Dörfer verbindet“. Zudem müsse die Gesellschaft, gerade an einem „Black Friday“, an dem zu hemmungslosem Konsum aufgerufen werde, stärker auf Nachhaltigkeit setzen. Wesser regte für Rees Repair-Café, Tauschbörsen und Verleihläden an, wie es sie in anderen Kommunen längst gibt.

Bodo Wissen, Bürgermeisterkandidat der SPD, dankte den FFF-Organisatorinnen, „auch im Namen meiner beiden Kinder“, dass sie für eine bessere Zukunft kämpfen. „Ihr seid überzeugt und Ihr seid überzeugend“, lobte er. Mit Blick auf den Umweltschutz fehle es ihm an Verständnis, warum man am berg- und hügellosen Niederrhein einen SUV fahren muss und warum immer mehr Kreuzfahrten gebucht werden. Es sei ihm aber wichtig, betonte Wissen, keine „Verbotskultur“ einzuführen, sondern die Menschen durch Argumente zu überzeugen.

Als Kreis Klever Organisator stellte Jannik Berbalk in Aussicht, dass die Demonstrationen noch lange nicht am Ende seien, auch wenn sich in Rees diesmal nur wenige daran beteiligten. In Kleve werde die FFF-Initiative bald ein eigenes Büro eröffnen – das erste in NRW. „Das ist unser deutliches Zeichen nach draußen“, sagte Berbalk. „Wir bleiben!“