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Delta-Variante: Symptome, Impfung, Infektionsrisiko, Reisen - alle Infos

Risiko, Impfungen, Reisen : Was Sie über die Delta-Variante wissen sollten

Virusmutationen erschweren den Kampf gegen die Pandemie. Auch in Deutschland könnte sich die zuerst in Indien entdeckte Delta-Variante durchsetzen. Wie gefährlich ist sie? Wie gut wirken die Impfstoffe? Die wichtigsten Fakten im Überblick.

Derzeit führt hierzulande noch die zuerst in Großbritannien nachgewiesene Alpha-Variante zu den meisten Infektionen. Spätestens im Herbst soll sich nach Einschätzung von Lothar Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts, die Delta-Variante, auch B.1.617 genannt, als dominierende Form des Coronavirus in Deutschland durchgesetzt haben. Daran knüpfen sich viele Fragen:

Was Sie über die Delta-Variante wissen sollten

Was genau ist die Delta-Variante?

B.1.617 ist eine Mutation des ursprünglichen Sars-CoV-2-Erregers, die erstmals im Oktober 2020 im indischen Bundesstaat Maharashtra gefunden wurde. Das Besondere an dieser Variante: Sie weist auf ihrem Oberflächenprotein gleich zwei Mutationen auf. Für sich betrachtet sind diese Mutationen zwar schon von anderen Varianten bekannt. Doch sind sie bislang noch nie gedoppelt in einer Variante aufgetreten. Durch die Mutationen kann sich das Virus leichter an menschliche Zellen binden und so einigen Immunreaktionen entgehen, sagte Deepti Gurdasani, Epidemiologin an der Queen Mary University of London gegenüber der Deutschen Welle. Sowohl die Weltgesundheitsorganisiation (WHO) als auch das Robert-Koch-Institut stufen die Delta-Variante darum als besorgniserregend ein. Zuvor hatte die WHO nur die Alpha-, Beta und Gamma-Mutationen entsprechend eingeordnet.

Was bedeutet es, wenn eine Variante als „besorgniserregend“ eingestuft wird?

Diese Einstufung erfolgt, wenn eine Variante unter anderem leichter übertragbar ist, sich demnach schneller ausbreiten kann, oder schwerere Erkrankungen verursacht. Diese Eingruppierung ermöglicht dem RKI eine verstärkte Überwachung – beispielsweise durch gezielte PCR-Tests und die Analyse des Erbguts des jeweiligen Erregers, also eine Gesamtgenomsequenzierung – um das Infektionsgeschehen besser beobachten und bewerten zu können.

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Wie häufig ist die neue Mutation in Deutschland?

In der ersten Juniwoche gingen 6,2 Prozent der Infektionen auf diese Variante zurück, schreibt das Robert-Koch-Institut in seinem aktuellsten wöchentlichen Bericht dazu (Stand 16.6.). Noch ist die Zahl der Infektionen hierzulande also überschaubar, dennoch warnen Experten vor einer raschen Ausbreitung. In der Vorwoche lag die Zahl der Infektionen in Deutschland bei 3,7 Prozent. Ende März wurde die Delta-Variante in Deutschland erstmals nachgewiesen. Inzwischen wurde sie in allen Bundesländern gefunden.

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Wie ist die Ausbreitung in anderen Ländern?

Nach ihrem erstmaligen Auftreten in Indien verbreitete sich die Delta-Variante dort stark. Mittlerweile sinken in Indien zwar die Infektionszahlen, doch wird die Virusvariante nun zunehmend in anderen Ländern nachgewiesen. In Großbritannien ist die Delta-Variante inzwischen für mehr als 90 Prozent der Neuinfektionen verantwortlich. Die Sieben-Tage-Inzidenz in Großbritannien stieg innerhalb kurzer Zeit von unter 20 auf zuletzt 75,1. Gleichzeitig hatte das Land allerdings auch die Corona-Maßnahmen gelockert: Nachdem die Regierung in Großbritannien nach drei Monaten des harten Lockdowns Mitte April viele Regeln aufhob - Geschäfte, Restaurants und Fitnessstudios öffneten und die Maskenpflicht in Schulen wurde ausgesetzt– kam es zum Anstieg der Fälle. Aus diesem Grund hat Großbritannien die geplante Aufhebung aller Lockdown-Maßnahmen um vier Wochen verschoben.

Inzwischen wird die Delta-Variante auch in anderen Teilen der Welt vermehrt nachgewiesen, so laut Zahlen der Wissenschaftsinitiative Gisaid vor allem in den USA, in Singapur, Kanada und Russland.

Unterscheiden sich die Symptome einer Infektion mit der  Delta-Variante von denen anderer Varianten?

Vor allem bei jüngeren Menschen zeigt sich eine Infektion mit der Delta-Variante nach außen häufig wie eine Erkältung: Beschwerden wie Kopfschmerzen, laufende Nase und eine raue Kehle und manchmal Husten und Fieber sind dabei typisch. Durch die Verwechslungsgefahr mit normalen Erkältungssymptomen ist das Ansteckungsrisiko nach Einschätzung des britischen Epidemiologen Tim Spector besonders hoch. Bei Menschen, bei denen die Delta-Variante eine Corona-Erkrankung auslöst, registrierte man bislang in Großbritannien keine Fälle von Geruchs- und Geschmacksverlust.

 Wie gefährlich ist die Delta-Variante?

Noch ist die Studienlage zur neuen Variante des Sars-CoV-2-Erregers dünn. Dennoch zeigt sich in den derzeit vorliegenden Daten, dass sie ansteckender ist als die anderen verbreiteten Varianten. Nach Schätzungen der britischen Gesundheitsbehörden ist das Risiko, die Menschen im eigenen Haushalt anzustecken, bei der Delta-Variante um mehr als 60 Prozent höher als bei der Alpha-Variante B.1.1.7. Auch Maria van Kerkhove, Covid-19 Technical Lead der WHO, wies auf Twitter auf ein höheres Ansteckungspotenzial des neuen Typs hin.

Auch scheint eine Infektion mit der Delta-Variante häufiger schwere Krankheitsverläufe auszulösen. Das zeigen Zahlen der Organisation Public Health England (PHE). Menschen, die erst eine Impfung erhalten haben, sind schlechter vor einem schweren Verlauf geschützt als Erstgeimpfte, die sich mit einer anderen Variante infizieren. Bei einer Analyse von insgesamt 38.805 Neuinfektionen in Großbritannien hat sich laut PHE herausgestellt, dass mit der Delta-Variante-Infizierte „2,61-mal häufiger“ im Krankenhaus behandelt werden müssen als Menschen, die mit anderen Virus-Mutationen infiziert sind.

 Sind die Impfstoffe noch wirksam?

Aktuellen Erkenntnissen zufolge schützen sowohl die Impfstoffe von Biontech wie auch von Astrazeneca vollständig Geimpfte vor einem schweren Verlauf mit der Delta-Variante. Allerdings scheint die Schutzwirkung laut einer PHE-Datenanalyse etwas geringer auszufallen als gegen den ursprünglichen Sars-Cov-2-Erreger und die derzeit in Deutschland dominante Alpha-Variante. Das Risiko für eine Krankenhauseinweisung werde jedoch – verglichen mit Ungeimpften – um mehr als 90 Prozent verringert, sagt Carsten Watzl, Leiter des Forschungsbereichs Immunologie am Leibniz-Institut der TU Dortmund. Wissenschaftler haben in einer im Preprint erschienen Studie herausgefunden, dass zwei Dosen des Biontech/Pfizer-Wirkstoffs zu 96 Prozent und Astrazeneca zu 92 Prozent einen Krankenhausaufenthalt verhindern können. Für den Impfstoffhersteller Moderna liegen noch keine Daten vor. Ersten Einschätzungen zufolge werden die Werte jedoch denen von Biontech/Pfizer ähneln. Inwieweit der Impfstoff von Johnson & Johnson gegen die Delta-Variante wirkt, ist noch unklar.

Wie wirkt sich die Delta-Variante aufs Reisen aus?

Politiker und Wissenschaftler befürchten, die in den Sommerferien anstehende Reisewelle könne zur stärkeren Ausbreitung der Delta-Variante in Deutschland führen. Vor allem in Süd-Dänemark und Schleswig-Holstein gebe es gerade ein Ausbruchsgeschehen, sagte Christian Drosten auf dem Online-Kongress für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin.

Zwar kann man inzwischen aus vielen Ländern wieder relativ problemlos nach Deutschland einreisen - allerdings nicht aus Ländern, in denen gefährliche Mutationen wie die Delta-Variante weit verbreitet sind. Die Bundesregierung zählt seit Ende April Indien und seit Ende Mai Großbritannien zu den sogenannten Virusvarianten-Gebieten. Wer von dort zurückkommt, muss für zwei Wochen in Quarantäne und kann sich nicht freitesten.

Zu welchen Vorsichtsmaßnahmen raten Experten?

Nur eine vollständige Impfung bietet einen hohen Schutz vor der Delta-Variante. Watzl empfiehlt darum, auch auf die zweite Impfung nicht zu verzichten. Er rät dazu, vor allem in Innenräumen weiterhin die Maske zu tragen. Besonders im Urlaub könne man sich so schützen.

Auch der Vorsitzende des Weltärztebundes, Ulrich Montgomery, hält das Maskentragen und das Einhalten der Abstandsregeln weiterhin für ein probates Schutzmittel. In der „Aktuellen Stunde“ des WDR wies er zuletzt auf die Verdoppelung der Delta-Infektionen hin. Wenn diese durchschlage, werde dies erneut zu einem Anstieg der Aufnahmen in Krankenhäusern und Intensivstationen führen. Man müsse dann die Lockerungen massiv zurückdrehen.