Sonsbeck: Private Realschule will Betriebe an Bord holen

Bildung in Sonsbeck : Realschule will Betriebe an Bord holen

Der Trägerverein der privaten Realschule Sonsbeck arbeitet weiter an der Realisierung seines Konzepts. Das sieht die intensive Einbindung örtlicher Gewerbetreibender in den Schulalltag vor. Das Vorhaben stieß bei einem Info-Abend auf große Resonanz.

Die neue private Realschule in Sonsbeck ist ein Thema, das viele in der Gemeinde derzeit um- und antreibt. Denn die Schule will im kommenden Jahr an den Start gehen, die Mitglieder des Trägervereins leisten derzeit viele Vorarbeiten und informieren darüber, wie die Schule mit einem ausgewogenen pädagogischen Konzept funktionieren soll.

Der Austausch stand auch beim Info-Abend am Mittwoch im Vordergrund, zu dem Gewerbetreibende und örtliche Betriebe ins Kastell eingeladen waren. Elke Reichertz, die Vorsitzende des Trägervereins, stellte in einem kurzen Rückblick das bisher Erreichte vor und skizzierte die angestrebte pädagogische Ausrichtung. Das sogenannte Drei-Säulen-Modell bilde die Basis und vereine unter anderem Schulalltag in überschaubarer Klassengröße, Medienkompetenz und frühe Berufsorientierung.

Mit Abschluss der zehnten Klassen sei der Übergang zum Berufskolleg in Kleve, wenn gewünscht, gewährleistet. „Wir erbitten Vertrauensvorschuss und versprechen, mit Herzblut an der Umsetzung unserer Ideen zu arbeiten“, sagte Reichertz. Ein besonderes Augenmerk in der Planungsphase liege darauf, ein möglichst breites Forum an Interessierten und Mitgestaltern zu schaffen. So wurden bei einer vorherigen Veranstaltung schon Eltern der Sonsbecker Grundschulkinder informiert.

Am Mittwoch standen nun aber die örtlichen Betriebe im Mittelpunkt, die wesentlicher Teil der neuen Schule werden sollen. Die Gewerbetreibenden sollen so früh wie möglich in die berufliche Entwicklung der Kinder eingebunden werden und praktische Einblicke geben. Eine Win-Win-Situation auch mit Blick auf einen späteren Ausbildungsplatz – denn Nähe binde. „Wir wollen früh zu den örtlichen Betrieben Kontakt haben“, sagte Markus Roß, ebenfalls im Vorstand des Trägervereins aktiv.

Bekannter Knackpunkt sei das mangelnde frühe berufliche Interesse von Jugendlichen und die fehlende Aneignung von praktischem wie handwerklichem Alltagswissen. Dass manchen Jugendlichen zudem noch mathematische Kenntnisse fehlten, begleitet von Schreibschwächen, sei ebenfalls bekannt. Zum einem gebe es kaum Möglichkeiten, sich durch ein Praktikum früh in Berufsfeldern zu orientieren, andererseits mangele es daher oft am Biss der Jugendlichen, so dass sie nach dem Abschluss der zehnten Klasse ohne Anschlussperspektive zunächst weiter zur Schule gingen.

Daher war auch Guido Lohmann, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Niederrhein, bei der Veranstaltung zugegen. Er vertritt die Meinung: „Ein Studium ist nicht für jeden die allheilige Lösung. Die Statistik von Studienabbrechern spricht eine eigene Sprache.“ Dass die Gemeinde und der Trägerverein ein solches Schulmodell auf die Schiene heben wollen, begrüßte er daher ausdrücklich und bot gleichzeitig eine Patenschaft an. Im anschließenden Austausch der Gewerbetreibenden kristallisierte sich heraus, wie wichtig eine Kooperation zwischen Schule und örtlichen Betrieben sei. Zum Bürgerengagement gehöre auch die Bereitschaft der Eltern, mitzuwirken, beispielsweise bei den Themen Medienkompetenz und Digitalisierung, damit Kinder eine Schule mit beruflicher Perspektive erleben könnten, so ein Standpunkt.

Für Bürgermeister Heiko Schmidt wäre die Realschule Sonsbeck eine riesige Chance, Schule vor Ort anders aufzubauen. Der Dreiklang aus Schule, Unternehmern und Gemeinde „schafft Identifikation mit dem Ort“, so Schmidt, der die volle Unterstützung der Gemeinde zusagte.

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