Karate-Trainer Steven Utracik unterrichtet Kinder und Erwachsene in Alpen

Karate in Alpen : Mehr als bloß ein Kampfsport

Disziplin, Respekt, sozialer Umgang und Rücksichtnahme sind Werte, die im Karate vermittelt werden. Dieser Aufgabe hat sich seit Mai auch Steven Utracik verschrieben. In Alpen trainiert er Kinder und Erwachsene in der japanischen Kampfkunst.

„Wer nicht zuhört oder Mist baut: zehn Liegestütze“. Ein Mädchen und neun Jungen zwischen sechs und 13 Jahren wissen, dass Steven Utracik es ernst meint. Barfuß, im weißen Karate-Anzug, hören sie auf das Kommando ihres Trainers. Seit Mai treffen sich die Kinder jeden Montag von 18 bis 19 Uhr in der Turnhalle der Alpener Grundschule. Sie wollen Karate lernen, haben die erste Prüfung schon hinter sich und dürfen den gelben Gürtel tragen, einer von ihnen ist schon eine Stufe weiter, hat den grünen Gürtel um die Taille gebunden.

„Und weiter laufen, auf den Bauch, auf den Rücken, weiter laufen, hinsetzen. Beim Laufen im Kreis drehen – und wenn dir schlecht wird, anders herum drehen.“ Auch beim Aufwärmen erwartet der Trainer die volle Aufmerksamkeit, bringt seinen Schützlingen nebenbei auch das japanische Zählen von eins bis zehn bei: ichi, ni, san, shi, go, roku, nana, kyu, ju. Trainiert werden Kihon (Grundtechniken), Kata (Bewegungsabläufe) und Kumite (Partnerübungen).

Disziplin, Respekt, sozialer Umgang miteinander und Rücksichtnahme sind Werte, die im Karate vermittelt werden. Nach dem Training laufen nicht alle sofort wild durcheinander aus der Halle: Erstmal stellen sich alle in einer Reihe nebeneinander auf, den Blick auf den Trainer gerichtet, und grüßen ab. „In Japan verneigt man sich voreinander“, sagt Steven Utracik. Die Kinder würden durch Karate selbstbewusster. „Sie müssen durchhalten, den Biss haben, die Technik zu erlernen“, so Utracik, Träger des schwarzen Gürtels. Schnelligkeit, sagt er, ist nicht wichtig, nur die richtige Technik. „Viele Kinder haben Koordinationsprobleme, beherrschen einfachste motorische Dinge nicht, können vielfach nicht einmal rückwärts laufen“, bedauert der 50-Jährige, der bereits seit seinem sechsten Lebensjahr Kampfsport betreibt – und eigentlich mit Judo angefangen hat.

Im Karate kommt es gar nicht so sehr auf Schnelligkeit an, sondern auf die richtige Technik. Auch die will Utracik seinen Schützlingen beibringen.. Foto: Fischer, Armin (arfi)

Vor acht Jahren war er Deutscher Vizemeister im Judo. Doch als er den fünften Dan hatte, fingen sie an, die Probleme im Kniegelenk. Also musste er den Judo-Sport an den Nagel hängen, konzentrierte sich auf Karate. Eine Kampfkunst die von Okinawa kommt, einer Insel vor Japan. Eine Kampfkunst, die Schläge und Tritte, aber auch Hebel und Würfe beinhaltet. „Im Zweiten Weltkrieg ist sie verboten worden, weil sie im Ernstfall jemanden töten könnten.“ Steven Utracik hat sich intensiv mit der Sportart auseinandergesetzt, die 2020 zum ersten Mal olympisch wird. Er fliegt einmal im Jahr für zehn Tage nach Okinawa, trainiert dort mit seinem Karatelehrer Oshiro (71), den er 2002 kennengelernt hat und der viermal im Jahr nach Deutschland kommt. Nach Dresden, Aschersleben, Zwingenberg bei Frankfurt – und nach Alpen. „Ein Vollprofi, der auch mit 65 noch locker den Spagat hingekriegt hat.“ Utracik bewundert den Altmeister.

Nächstes Jahr fliegt er wieder nach Okinawa – dann in Begleitung von Christoph Rogmann, der dort seinen Schwarzgurt machen will. Rogmann ist erster Vorsitzender des Vereins „Oshiro Dojo Niederrein“ – Utracik, Arnd Jost und Michael Giesen sind Trainer und sowohl beim Kindertraining als auch bei den Erwachsenen dabei. Dann holen sie auch den Sai aus ihrer Sporttasche, eine Metallwaffe mit scharfer Spitze. Und den Bo, einen langen Stock aus Holz. Den brauchen die Erwachsenen für das „Yamanni Ru“, den Stockkampf.