Rheinberg: Ein Europäer in der Brüsseler Solvay-Zentrale

Europa-Serie : Über Rheinberg nach Europa

Solvay ist ein Weltunternehmen. „Aber wir sind sehr europäisch“, sagt Norbert Mülders, seit Mitte 2018 Leiter des Solvay-Werks in Rheinberg. Die Unternehmenszentrale steht schließlich in der Hauptstadt Brüssel.

24.500 Mitarbeiter insgesamt, 124 Industriestandorte in 61 Ländern: Aus dem ersten Chemie-Werk, das die Brüder Alfred und Ernest Solvay 1863 im belgischen Charleroi nahe Brüssel gegründet haben, ist ein Weltkonzern gewachsen. USA, Brasilien, Thailand – in allen Ecken der Welt ist Solvay heute vertreten. Das Rheinberger Werk ist auf die Produktion von Soda und Bicarbonat spezialisiert. „Und das sind die Quellen des Unternehmens“, sagt Werkleiter Norbert Mülders.

Ein Unternehmen, das sich weltoffen, interkulturell und modern gibt. Frauen und Männer, Alte und Junge, Menschen aus verschiedenen Nationen – die Firmen-Philosophie von Solvay besagt, dass alles zusammenpassen muss. Bei Solvay, wo seit rund 25 Jahren Englisch und nicht mehr Französisch die „Amtssprache“ ist, führen (fast) alle Wege über Brüssel. Wer in gehobene oder Führungspositionen gelangen möchte, muss einen Teil seines Berufslebens in der belgischen Hauptstadt verbringen. In der Zentrale, wo Verwaltung und Geschäftsführung sitzen und wo allein rund 1000 Menschen arbeiten.

Bei Solvay in Rheinberg hat der Katalane sieben Jahre gearbeitet. Foto: Bernfried Paus

In Brüssel ist jetzt auch Manel Gaston-Elias mit seiner Lebensgefährtin gelandet. Seit September lebt und arbeitet der 30-Jährige in der Solvay-Zentrale. Spannend sei dieses neue Leben, erzählt der gebürtige Katalane, der sieben Jahre im Rheinberger Werk beschäftigt war. „Wenn Sie in Brüssel irgendwo ein Bier trinken gehen, hören Sie alle mögliche Sprachen und treffen Menschen aus der ganzen Welt“, so Manel Gaston-Elias. „Das ist am Anfang echt verwirrend, und auf Dauer wäre das auch kein Leben für mich. Aber das hat natürlich Vorteile. Wenn man zum Beispiel gerne essen geht, ist Brüssel ein Paradies. Es gibt alles, was man sich vorstellen kann.“ Der 30-Jährige ist begeisterter Sportler. „Ich habe in Brüssel wieder angefangen, Basketball zu spielen“, erzählt er. „In meinem Team gibt es so viele unterschiedliche Nationalitäten wie Spieler. Philippinos, Pakistani – alles, was Sie sich denken können.“ Seinem Lebensgefühl als überzeugter Europäer komme diese kulturelle Vielfalt sehr entgegen.

In seiner Heimat bei Barcelona erlebt Manel Gaston-Elias eine andere europäische Entwicklung. Das Erstarken regionaler Autonomie-Bewegungen. Er macht sofort klar, wie er dazu steht: „Ich bin zuerst Katalane, und erst danach Spanier“, so der junge Mann, der fließend Deutsch spricht. Dass sich die Katalanen selbstständig machen wollen, findet er gut.

Geboren in Barcelona, aufgewachsen in einer Kleinstadt bei Barcelona, spricht er heute vier Sprachen: Spanisch, Katalanisch, Englisch und Deutsch. Am kleinen IQS-Institut für Chemie in Barcelona hat er seinen Abschluss als Chemie-Ingenieur gemacht. Mit nur 23 Jahren kam er durch sein Abschlussprojekt nach Rheinberg. Dort hat er in der Elektrolyse gearbeitet, die inzwischen zu Innovyn gehört. „Ich bin dann in die Soda-Sparte von Solvay gewechselt“, erinnert sich Gaston-Elias. Er hat verschiedene Stationen betreut, war unter anderem Prozessleiter im Bereich Natriumbicarbonat, das zur Rauchgasreinigung eingesetzt wird.

Sieben Jahre war er in Rheinberg, fünf davon hat er in Borth gewohnt, zwei in Düsseldorf. Wo er so gut Deutsch gelernt hat? „Das lernen Sie im Sportverein, und wenn Sie in die Kneipe gehen“, sagt er lächelnd. Im September hat er die Produktion verlassen und kümmert sich nun in Brüssel um Technisches Marketing – ebenfalls für Natriumbicarbonat. Die Kunden überzeugen, das ist seine neue Aufgabe.

Wohin sein Weg ihn noch führen wird, vermag Manel Gaston-Elias nicht zu sagen. „Das wird sich Schritt für Schritt ergeben“, ist er überzeugt. Einen Wunsch für Europa hat der 30-jährige Solvayaner allerdings: „Jeder Mitgliedstaat hat seine eigene Identität. Und die sollte er unter dem Schirm der Europäischen Union auch behalten. Die Menschen sollten sie leben können.“

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