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Rheinberg: Buntes Programm bei der ersten Büttensitzung der Rhinberkse Jonges

Büttensitzung Rhinberkse Jonges : Viel Lokalkolorit in der Rheinberger Bütt

Auch karnevalistischer Nachwuchs traut sich auf die Bühne und machte eine gute Figur, ebenso wie die tollen Tanzgarden. Pastor Martin Ahls toppt als Eulenspiegel alles und kündigt seinen Abschied als Büttenredner an.

Wie steht es um den Rheinberger Saalkarneval? Er ist bunt und vielseitig, ist nach wie vor handgemacht, es wird keine einzige Tanzgruppe und kein Büttenredner eingekauft. Rheinberger und Rheinberger Themen werden mit viel Humor und manchem Seitenhieb durch den Wolf gedreht – Lokalkolorit, den das Publikum mit Extra-Applaus honoriert. Und es gibt Nachwuchs – junge Leute, die mit originellen Beiträgen auf die Stadthallenbühne gehen und die Herzen der Besucher erobern. Kurzum: Als am Freitagabend die erste von drei Büttensitzungen nach fünf Stunden endete, stand fest: Es läuft bei den Jonges. Viel gelacht, viel gesehen, das Publikum dürfte den Heimweg zufrieden angetreten haben.

Eine tolle Premiere legten „Die glorreichen Sieben“ hin – junge Messdiener aus St. Peter, den Pastor Martin Ahls ein klasse Stück geschrieben hat: „Rheinberg Center of Communication“. Der Empfang im Stadthaus im Jahre 2059. Alles hochmodern, aber die Probleme sind immer noch die gleichen. Telefoniert wird mit Bügeleisen, und wer Bürgermeister Tatzel sprechen will, muss die Null wählen. Holz- und Fischmarkt sind Baustelle, die Vergabe von Kindergartenplätzen wird per Pfeilwurf ermittelt. Und wenn nichts mehr geht in der „Machtzentrale“: „Kommt die Stadt nicht aus dem Quark, macht Underberg dich wieder stark.“ Applaus!

 Die „Filutschi’s“ traten als originelle Waschweiber auf.
Die „Filutschi’s“ traten als originelle Waschweiber auf. Foto: Uwe Plien
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Neu, aber nicht mehr ganz neu sind „Georgs Welpen“ aus der KjG. Sie präsentierten diesmal Quereinsteiger als Lehrer: DJ, Stewardess, Kellnerin, Pate – sie alle haben ihre eigenen Vorstellungen vom perfekten Unterricht. Auch Pastor Dino Kakumanu, der als Inder einen Inder spielte und das Publikum am Ende grinsend fragte: „Wolle Rose kaufen?“ Großartig! Mit Mario Heinen aus Millingen (sein Hausumbau läuft nicht ganz so, wie er sich das vorgestellt hat), Peter Houcken aus Budberg (als ein geringfügig Beschäftigter im Stadthaus), Paul van Holt aus Orsoy (als Quasselkopp) und Georg Welp aus Rheinberg (wie immer als Münsterländer Kiepenkerl) sind erprobte Büttenredner dabei. Houcken plaudert im Hausmeisterkittel aus dem Nähkästchen, hisst am Stadthaus (wenn die Kasse mal wieder gerupft ist) einen leeren Beutel und hat den Bürgermeister dabei ertappt, dass er mit allen Frauen Brüderschaft trinkt. Sein Fazit: Die Verwaltung, sie soll leben! Georg Welp nahm sich das Schützenfestleben vor. Sein Tipp: zwischendurch mal eine Bratwurst essen, damit man bis abends durchhält. Die „Wodnod’s“ verpackten ihren Spott in eigene Songtexte und griffen den Bau der Dreifachturnhalle auf, aber auch den gesprengten Sparkassenautomaten und „Skandal um Sperrmüll“ beim DLB. Dabei sahen sie wieder zum Schießen aus. Der Prinz hatte das Programm mit einer gelungenen Rede eröffnet. Ralf Renkens („der Einsatzbereite“) wurde von seinen Arbeitskollegen der Dinslakener Feuerwache gefeiert. Sie waren als Underbergflaschen gekommen – mit einem Planwagen. Prinz Ralf verteilte ordentlich Orden an Gastvereine. Unterdessen führten Jonges-Präsident Wolfgang Rams und sein Vize Lars Kisters souverän durchs Programm. Und die Tanzgruppen – die Filutschi’s und die Papilloni’s ebenso wie die Berka-Mädels, die Lilloki’s und die Tanzende Stadtwache – sorgten für kurzweilige Auftritte.

 Die Arbeitskollegen von Prinz Ralf Renkens von der Feuerwehrwache Dinslaken feierten als Underberg-Flaschen mit.
Die Arbeitskollegen von Prinz Ralf Renkens von der Feuerwehrwache Dinslaken feierten als Underberg-Flaschen mit. Foto: Christoph Reichwein (crei)

Einer fiel auch bei seinem zweiten Auftritt als Eulenspiegel komplett aus dem Rahmen dieses wunderbaren Abends: Pfarrer Martin Ahls. Er toppte mit seiner Rede alles. Ton, Text, Themen, Tempo – er war grandios. Rheinberg und die Landesgartenschau – Ahls sah Bürgermeister „Tatzan“ und Beigeordnete Kaltenbach als Jane an Lianen durch das Tropenhaus Stadthalle segeln. Dem Markt („in pausgrau“) fehle es an Leben, er sei bestenfalls als Drehort für einen Western made in Germany geeignet. Da wurde Rosemarie Kaltenbach dann zum Cowgirl, das vom Stadthausdach auf Sheriff Tatzel anlegte. Und bei dem Getöse um den Orsoyer Niag-Hafen erfand er eine Hafenstadt mit Philharmonie wie in Hamburg. Das Publikum tobte, stieg fast auf die Tische, forderte erst eine Rakete und dann eine Zugabe. Die gab Eulenspiegel Ahls – und nahm sich selbst auf die Schippe, wegen der Eversaeler Kapelle, die St. Peter aufgibt. Wenn irgendwas ist – Pastor hat Schuld, so sein Fazit.

 „Die glorreichen Sieben“ luden bei ihrer Büttenpremiere ins „Rheinberg Center of Communication“.
„Die glorreichen Sieben“ luden bei ihrer Büttenpremiere ins „Rheinberg Center of Communication“. Foto: Uwe Plien
 Prinz Ralf I. (Renkens), der Einsatzbereite begrüßte das Publikum mit einer tollen Rede.
Prinz Ralf I. (Renkens), der Einsatzbereite begrüßte das Publikum mit einer tollen Rede. Foto: Uwe Plien

Still wurde es erst wieder im Saal, als Ahls ankündigte, dass dies sein letzter Auftritt in der Bütt als Eulenspiegel war. Jetzt seien mal andere dran. Was? Verhört? Das möge sich der Herr Pastor aber auf jeden Fall noch einmal überlegen!