Alpen: Drüpt kämpft gegen Kies

Drohender Abbau in Alpen : Drüpt kämpft gegen Kies

Mehr als 350 Bürger aus Drüpt, Huck und Millingen wollten hören, was der Regionalplan mit ihrer Heimat vorhat. Bei aller Brisanz war es ein wohltuend sachlicher Abend. Doch die Botschaft ist eindeutig: Für Baggerlöcher gibt es hier null Akzeptanz. Bürgermeister Thomas Ahls hat verstanden.

In letzter Minute hatten die Verantwortlichen im Rathaus erkannt, dass sich da gewaltig was zusammenbraut auf der anderen Seite der B 58. Eigentlich sollte der „Info-Abend“ über Kiesabbau im Entwurf des Regionalplans Ruhr im Sitzungssaal stattfinden. Selbst wenn das Foyer dazu gekommen wäre, hätten viele draußen bleiben müssen. „Da wäre was los gewesen“, so Hauptamtsleiter Thomas Janßen nach dem denkwürdigen Abend. Als der Ehrenpräsident der Drüpter Bürgerschützen immer mehr Gespür dafür bekam, wie sehr die Pläne die Menschen aufwühlen, hatte er umgeschwenkt und das Pädagogische Zentrum gebucht. Kluge Entscheidung. Auch da war es rappelvoll. Aber es war Raum, damit mehr als 350 Bürger ihren aufgestauten Gefühlen Luft machen konnten. So blieb es fair. Trotz alledem.

Das lag auch an Bürgermeister Thomas Ahls, der in Hemd und Jeans in die politische Bütt stieg. Er hatte gewiss schon einfachere Jobs. Ihm gelang ein überzeugender Auftritt. Der nötigte selbst Kritikern Respekt ab. Vor allem den vielen Gästen aus Millingen, denen die geplanten Kies-Seen mindestens so nahe rücken wie Drüptern und Huckern. Sie verlangten eine ähnliche Info-Offensive im Rheinberger Stadthaus. Mit Erfolg. Am Freitag kündigte Bürgermeister Frank Tatzel an, dass auch er noch im Februar den Millingern Rede und Antwort stehen will. Wann genau, ist noch offen. „Ich stehe im Kampf gegen Kies auf ihrer Seite“, sagte Tatzel.

Bürgermeister Thomas Ahls gelang es, die Emotionen zu kanalisieren. Foto: Fischer, Armin (arfi)

Amtskollege Ahls erläuterte den komplizierten Rahmen, in dem sich Bürger, Rat und Verwaltung in der Causa Kies bewegen. Regional-, Gebietsentwicklungs-, Landesentwicklungsplan, Bezirksregierung, Regionalverband, Landesregierung, Geologischer Dienst – ein verwirrendes Geflecht. Der wesentliche Fakt: „Der Kreis Wesel ist einzige Lagerstätte für Kies und Sand im Ruhrgebiet“ und so zwangsläufig im Fokus der Regionalplaner: „Unser Einfluss geht gegen Null.“ Der Kreis verfehle mit Kies für 24,8 Jahre sein Soll. Da werde draufgepackt. Der Solist auf der Bühne gab zu, lange nur die Bönninghardter Widerstände gesehen zu haben. Der strategische Vorschlag, den Drüptern noch ein bisschen mehr Wasser zuzumuten, um den Heier Kies unangetastet zu lassen, nahm er allein auf seine Kappe. Der nun aufflammende Protest am Südrand der Gemeinde habe ihm die Augen geöffnet. Der räumlichen Kehrtwende folgte die inhaltliche: Die Stellungnahme der Gemeinde werde sich nun rigoros gegen alle Begehrlichkeiten nach dem Bodenschatz vor Ort wenden.

Der Appell des Bürgermeisters, den Frieden vor Ort nicht aufs Spiel zu setzen, sondern möglichst einig Schlagkraft gegen das vermeintlich Unabwendbare zu entwickeln, blieb nicht unerhört. „Ich habe Sorge, dass wir uns gegenseitig an die Köppe kriegen“, so Ahls. Die Befürchtung erfüllte sich an dem Abend nicht. Auch wenn mehrere Redner aus ihrer tiefen Enttäuschung, viel zu lange im Ungewissen gelassen worden zu sein, keinen Hehl machten.

Denise Cleve will eine Bürgerinitiative gründen. Foto: Fischer, Armin (arfi)

Deutlich wurde allein durch massive Präsenz: Es gibt keine Akzeptanz für Kiesbagger in Drüpt. Stephan Hufer, Ortslandwirt aus Bönninghardt, brachte die Idee ins Spiel, den rührigen Kiesunternehmen in die Seen zu spucken: Heimatverbundene, die Geld übrig hätten, könnten als Genossenschaft an strategisch klugen Stellen Land kaufen, um Abgrabung weniger lukrativ zu machen. Der Bürgermeister sicherte zu, mit Flächeneigentümern auszuloten, wo man sich zusammentun könne mit der Absicht, „nicht zu verkaufen“. „Realist“ Ahls blieb aber pessimistisch. Es locke 400 Jahre Pacht auf einen Schlag. Und: Landverkauf zur Kiesförderung sei steuerlich begünstigt.

Trotzdem. Der Abend versöhnte Kiesgegner und Rathaus. Aktivistin Denise Cleve will eine Bürgerinitiative gründen, die die Kräfte bündelt. Sie richtete noch im PZ am Smartphone eine E-Mail-Adresse ein: kiesabbau-alpen@gmx.de

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