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Unsere Woche: Kiesabbau in Drüpt

Kommentar zum geplanten Kies-Abbau : Demokratische Lektionen

Es war ein denkwürdiger Abend im Pädagogischen Zentrum. In mehrfacher Hinsicht. Zunächst war es eine deutliche Botschaft, die die Drüpter allein durch massive Präsenz Regionalplanern und Politik an Rhein und Ruhr gesandt haben.

Die überwältigende Mehrheit will keine jahrelange Großbaustelle und am Ende auch keine ewigen Kies-Seen vor ihrer Haustür. Auf gar keinen Fall.

Das Signal ist zumindest im Rathaus angekommen. Dort hat der Aufschrei zum Umdenken geführt. Bis vor wenigen Wochen waren es allein die Grünen, die sich den Kiesbaggern auf der anderen Seite der B 58 entgegen stellen wollten. Nun wird sich im Rat wohl niemand mehr finden, der nicht einstimmt in das kategorische Nein zu den Abgrabungsplänen von Drüpt bis Millingen.

Ob es nachhaltige Wirkung erzielt bei den Entscheidern in der Ruhrmetropole in Essen oder der Landesregierung in Düsseldorf, muss dennoch bezweifelt werden. Da müssen deutlich dickere Bretter gebohrt werden. Die Alpener werden allein nur wenig ausrichten. Die Begehrlichkeit nach dem Bodenschatz Kies, der nur am Rhein, aber hier üppig liegt, ist mächtig. Der Arm danach ist stark wie Beton, für den Kies zweifellos gebraucht wird.

Der Niederrhein hat eine Menge zur Deckung des Bedarfs beigetragen. Die Akzeptanz schwindet. Das wird die Politik registrieren. Bis das in konkretes Handeln mündet, wird es dauern. Aber: Nur wer auf sich aufmerksam macht, hat die Chance, auch gehört zu werden. Diese demokratische Erfahrung haben die Kiesgegner in Drüpt, lange ahnungslos, sorglos, ruhig, in diesen Tagen gemacht. Das wird ihnen Auftrieb geben.

Noch eine Erfahrung: Es zahlt sich aus, wenn mit offenen Karten gespielt wird, die Betroffenen von Entscheidungen frühzeitig über das aufgeklärt werden, was auf sie zukommen soll. Die Lektion hat man im Rathaus begriffen. Spät zwar. Aber immerhin. So gesehen war es ein guter Abend im Pädagogischen Zentrum.