Künstlergruppe X-Positions stellt im Ratsaal des Rathauses Alpen aus

Ausstellung im Rathaus : Frauen dominieren den Saal des Rates

Die Eröffnung der Werkschau „X-Positions“ im Alpener Rathaus mit Kartoffelsuppe und Judy Bailey war heiter, das Interesse beachtlich. Auch Männer mischten sich unter die Gäste.

Sie sind neun Frauen zwischen 52 und 77 Jahren, kommen vom Niederrhein, aus Städten rechts und links des Rheins, nennen sich „X-Positions“ und sind seit dieser Woche mit einer Auswahl ihrer Werke und ihrem ersten gemeinsamen Projekt „Frauen am Niederrhein“ in Alpens guter Stube zu Gast. Bürgermeister Thomas Ahls eröffnete vor einer großen interessierten Gästeschar – in der sich übrigens auch viele Männer befanden – die Ausstellung, die auch deswegen besonders interessant ist, weil hier verschiedene Stile und Techniken miteinander korrespondieren, aber nicht konkurrieren.

Im Sitzungssaal des Rates, dem Flur davor und im Foyer im Erdgeschoss hängen Fotokunst-Drucke von Petra Klein neben Industriekultur in kräftigen Farben auf Leinwand von Magdalena Graf, Acryl auf Papier und Installationen von Antje Paselk und abstrakte Farbsituationen und Acryl-Collagen von Elke Munse neben Acryl auf Leinwand von Brigitte Tackenberg-Özek, gegenständliche Malerei von Barbara Spickermann sowie Öl auf Leinwand von Renate Scheel.

Dazwischen – in einer Ecke stehend oder auf der Fensterbank sitzen – filigran markante Skulpturen von Claudia Holsteg-Küpper aus Dinslaken und Regine Kielmann. Unten am Fahrstuhl begrüßt Karl Lagerfeld die Rathaus-Besucher. Den jüngst verstorbenen Papst der Haute Couture hat die Künstlerin aus Wesel aus einer Kalksandstein-Eisen-Modelliermasse „gebaut“ und ihm den Titel „Karl. Überdosis meiner selbst“ gegeben. Manche Titel sind zum Schmunzeln. Wie die von „Iris – Rente ist schlimmer als der Tod“, die oben am Eingang zum Sitzungssaal steht.

Dort ließen sich einige Besucher nieder, als Journalistin Eva Karnofsky aus Hamminkeln zur Einführung aus ihrem Buch „Frida und die Kartoffelsuppe“ las. „Frida ohne e, darauf legt sie Wert. Aus Danzig. Später Drevenack.“ Auch Frida stammt also vom Niederrhein.

Genau wie „Oma Jetta“, die während der feierlichen Eröffnung plötzlich vom Sockel fiel. Sie ist eine der neun berühmten, zumindest bekannten, auf jeden Fall wichtigen Frauen, denen sich die Künstlerinnen der Gruppe „X-Positions“ in ihrem ersten Gemeinschaftsprojekt gewidmet und künstlerisch bearbeitet haben.

Frauen wie beispielsweise Johanna Sebus, Dr. Martha Berger (erste Kinderärztin in Moers), Ida Noddack-Tacke – die Chemikerin entdeckte das Element mit der Ordnungszahl 75, das Rhenium –, Gräfin Annabell von Arnim oder „Tintenherz“-Autorin Cornelia Funke. Sie hängen oder stehen an einer Wand vorm Ratssaal. Auf Texttafeln werden Hintergründe und Geschichten der Frauen präsentiert.

Noch eine echt starke Frau vom Niederrhein hatte sich mit ihrer Gitarre auf den Weg zur Ausstellungs-Eröffnung ins Rathaus gemacht: Judy Bailey, auf Barbados groß gewordene Musikerin, die seit 15 Jahren mit ihrer Familie in Menzelen lebt. Die Wahl-Niederrheinerin brauchte keine Sekunde, um Kunstschaffende wie Gäste zum Mitsingen des Refrains ihres Liedes „Home“ zu bewegen – Heimat nach Noten.

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